DER TAG DAVOR
IN OLYMPIA LEGT MAN LETZTE HAND AN. Unerbittlich brennt die Sonne vom Himmel. Es ist einer dieser heissen Sommertage, die man hier in Olympia nur zu gut kennt. Träge fliesst der Alpheios durch das fruchtbare Tal, am baumbestandenen Kronoshügel vorbei plätschert der Kladeos. In den letzten Jahren war es um diese Jahreszeit im Zeusheiligtum von Olympia relativ ruhig; Priester opferten in der Altis, wie der heilige Hain genannt wird, dem Herrn des Heiligtums, Zeus, und den anderen hier verehrten Göttern. Besucher kamen hierher, um dem höchsten der Götter ihren Dank abzustatten, ihm Geschenke zu weihen oder sein Orakel zu befragen.
Aber in diesem Sommer – im Monat Hekatombaion (im Jahre 416 v. Chr.) – stehen nach vier Jahren wieder die Olympischen Spiele vor der Tür. Morgen soll das grosse Fest zu Ehren des Göttervaters beginnen, sollen die besten Athleten der griechischen Welt um den Olivenzweig kämpfen. Seit Wochen sind die Priester des Heiligtums und ihr Personal mit den Vorbereitungen beschäftigt, ebenso die Beamten aus der dreihundert Stadien (60 Kilometer) entfernten Stadt Elis, zu deren Machtbereich Olympia gehört.
Ausserhalb der Altis, des eigentlichen Zentrums des Heiligtums mit Zeustempel und Schatzhausterrasse, wurden auf der weitläufigen Wiese Plätze für die Zelte der Reichen und der offiziellen Festgesandtschaften aus allen Himmelsrichtungen hergerichtet – keiner soll sich beschweren können. Für die anderen Besucher hat man Laubhütten und Holzbaracken gebaut. Man bohrte Brunnen für die Trinkwasserversorgung und besserte Strassen und Gebäude aus. Es gibt in der Nähe keine grössere Stadt, die Unterkunft bieten könnte.
Am Tag vor Beginn der Spiele geht es hektisch zu und her. Handwerker rufen nach Werkzeug, Beamte geben harsche Befehle, Ankömmlinge streiten sich um einen Lagerplatz. Wahrsager und Prostituierte bieten in dem Getümmel lauthals oder versteckt ihre Dienste an. Dazwischen treiben Händler Eselskarren voran, auf denen Stoffe, Öl, Geschirr, Obst, Gemüse liegen, ein Transportwagen mit Steinen bleibt im Gedränge stecken.
Sämtliche Zufahrtswege ins Alpheiostal sind hoffnungslos verstopft. Seit Tagen strömen Abertausende von Besuchern nach Olympia; 40 000 könnten es diesmal schon werden. Zwischen Ochsen- und Maultiergespannen, Sänften und Tragen, Fussgängern und Reitern treiben Hirten Rinder, Ziegen und Schafe in das Tal, die als Opfertiere oder als Verpflegung der Gäste an den kommenden fünf Tagen geschlachtet werden. So mancher Sklave flucht, weil er mit dem Gepäck seines Herrn auf dem Mist ausgerutscht ist.
ÜBERALL SPUREN DES KRIEGES. Wer sich häuslich eingerichtet hat, tauscht Neuigkeiten aus der Heimat aus und erzählt von der beschwerlichen Anreise aus Athen oder Theben, aus Thasos oder Byzanz, aus Syrakus oder Metapont, aus Kyrene in Nordafrika oder aus Sinope am Schwarzen Meer. Man tratscht über die Schönen und Reichen, über die wertvolle Ausstattung ihrer Zelte, die bunt verzierten und mit Goldfäden durchwirkten Gewänder mit Gürteln aus geschmeidigem Schafsleder. Man klagt über widerspenstige Sklaven und unverschämte Preise während der oft wochenlangen Anreise.
Manch einer wurde auf dem Weg hierher Zeuge eines Unfalls. Ein Weinhändler aus Athen sah auf seinem sechstägigen Fussmarsch, wie der Reisewagen eines vornehmen Atheners mit einem Maultiergespann zusammenstiess. Die Strassen in Attika sind wegen des Krieges allgemein in sehr schlechtem Zustand. Die Auswirkungen der nun schon fünfzehn Jahre dauernden Auseinandersetzung zwischen dem Attisch-Delischen Seebund unter der Führung Athens und dem von Sparta dominierten Peloponnesischen Bund sind nicht zu übersehen: überall unbestellte Felder, überall zerstörte Dörfer. Doch es gibt auch gut ausgebaute Strassen. Ein Gemüsebauer war mit dem Schiff von Kreta nach Pylos gesegelt und von Sparta nach Olympia auf einer Strasse gereist, auf der ohne weiteres zwei Wagen aneinander vorbeifahren konnten.
Immer wieder wurden die Reisenden unterwegs von Spartanern beschimpft, die zum zweiten Mal von den Spielen ausgeschlossen sind. Sie hatten vor vier Jahren das südliche Elis angegriffen, als bereits die Ekecheiria ausgerufen war, die zweimonatige Waffenruhe, die den Besuchern eine sichere An- und Abreise garantieren soll. Sie führten ins Feld, die Herolde, die die Spiele ankündigten, seien zu jenem Zeitpunkt noch nicht bei ihnen gewesen. Lichas aus Sparta setzte der Sache die Krone auf, als er trotz Teilnahmeverbot sein Viergespann heimlich unter boiotischer Flagge ins Rennen schickte und siegte. Die Sache flog natürlich auf, Lichas wurde verprügelt. Zeus sei Dank, reagierten die Spartaner auf diese Schande nicht mit Gewalt.
Die Besucher aus Ionien und von den Inseln berichten von Flüchtlingsströmen und Hungersnöten, die aus Sizilien und vom gegenüberliegenden Festland Angereisten von den widrigen Bedingungen auf vollgestopften Schiffdecks und von schweren Unwettern während der tagelangen Fahrt entlang der griechischen Westküste. Wenigstens blieben sie diesmal von Überfällen etruskischer Seeräuber verschont. Jetzt rasch zur heiligen Strasse, um einen Platz mit freier Sicht auf den Einzug der Offiziellen und der Wettkampfteilnehmer in das Heiligtum des Zeus zu ergattern. Zu sehen ist die feierliche Prozession, die sich gestern in Elis auf den Weg gemacht hat, noch nicht, aber zu hören. Trompetenfanfaren hallen zur Altis herüber, Gesang und Flötenspiel erklingt.
Dann endlich: vorneweg die in Purpur gewandeten zehn Hellanodiken, die Schiedsrichter – drei für die Pferderennen, drei für das Pentathlon, den Fünfkampf, und drei für die restlichen Disziplinen; der zehnte hat den Vorsitz. Diese durch das Los bestimmten Bürger haben sich zehn Monate lang auf ihre Aufgaben vorbereitet, sie wurden in Elis von den Nomophylakes, den Gesetzeswächtern, mit allen Feinheiten der Wettkampfregeln vertraut gemacht. Sie haben über die Zulassung der Athleten befunden – nur freie Griechen ohne Blutschuld dürfen an den Spielen teilnehmen –, das dreissig Tage dauernde obligatorische Vorbereitungstraining in den Anlagen von Elis überwacht, die Knaben und Männer in Gruppen eingeteilt und die Pferde der antretenden Gespanne geprüft. Sie werden die Sieger bestimmen und darauf achten, dass es zu keinen Betrügereien kommt. Wer die Regeln missachtet, bekommt – wie vor vier Jahren Lichas – die Schläge ihrer Stabträger zu spüren, der Rhabduchoi.
Hinter weiteren Beamten und Offiziellen kommen die Athleten und ihre Trainer, die Rennpferde und die Jockeys, die Pferdegespanne und die Wagenlenker, dazwischen ihre Besitzer. Denn nicht der Reiter oder Wagenlenker wird den Siegerkranz erhalten, sondern der Besitzer von Pferd oder Gespann.
PERIKLES’ NEFFE TROCKNET ALLE AB. Die Masse johlt beim Anblick der muskelbepackten Faustkämpfer und Ringer, der drahtigen Läufer und durchtrainierten Fünfkämpfer. Wo, wenn nicht hier in Olympia, kann man die Besten der Besten aus nächster Nähe sehen? Einer stiehlt diesmal allen andern die Schau. Es ist der 34-jährige Alkibiades aus Athen, der Sohn des Kleinias, aus altem Adel. Er zählt Kleisthenes, den Begründer der Demokratie, zu seinen Vorfahren, wuchs im Hause seines Onkels Perikles auf, ist ein Anhänger des Sokrates und für viele der Inbegriff von Reichtum und Macht; ein genialer und charismatischer Politiker. Sieben prachtvolle Viergespanne hat er mitgebracht, keiner zweifelt an einem Sieg dieses Mannes. Alkibiades wirkt frisch, andern sind die Strapazen des zweitägigen Fussmarsches in glühender Hitze anzusehen. Sie sind erschöpft und wollen nichts anderes mehr als sich zur Ruhe legen.
Während die Hellanodiken jetzt ihr Amtslokal beziehen und Zeus ein erstes Opfer darbringen, die Athleten mit ihren Trainern, Masseuren, Köchen und Sklaven die Unterkünfte nahe dem Kladeosufer in Besitz nehmen, zerstreut sich die Menge. Man diskutiert in der lauen Abendluft erste Eindrücke und legt letzte Hand am eigenen Rastplatz an.
ERSTER TAG
SCHON EIN SKANDAL? Nach kurzer Nacht ertönt im frühen Morgengrauen das Klappern von tönernem und bronzenem Geschirr. Zum Frühstück gibt es Schafskäse mit Zwiebeln und Oliven, Feigen, Wassermelonen und Gurken, Weizenbrot mit Honig und geräucherten Flussfisch. Man steht in Schlangen an den Brunnen um frisches Wasser an, Tiere schreien nach Futter. Am Ufer des Alpheios drängeln diejenigen, die sich mit Wasser und Sand waschen wollen, mit Bimsstein putzen sie sich die Zähne und glätten sie sich die Gesichtshaut.
Die Politiker in den Zelten der Festgesandtschaften aus den grossen Städten der Welt, aus Korinth, aus Milet, aus Argos, aus Agrigent, brauchen sich um nichts zu kümmern, für ihre Bequemlichkeit sorgt ein kleines Heer von Sklaven. Das Gerücht macht die Runde, dass athenische Verbündete aus Opportunismus für die Aufwendungen des Alkibiades aufgekommen seien: Ephesos soll das Zelt gestellt haben, Chios das Futter für die Pferde, Lesbos die Lebensmittel und Kyzikos am Schwarzen Meer die Opfertiere.
Die Neugierigen machen sich auf den Weg zum Buleuterion, dem Rathaus südöstlich des Zeustempels. Dort leisten in Kürze die Athleten und die Hellanodiken ihren Eid. Die Menschenmenge vor dem Gebäudekomplex ist schon so gross, dass man kaum etwas sehen oder hören kann. Doch die meisten sind nicht zum ersten Mal hier und wissen, was am Altar des Horkios, des Schwurgottes, geschieht.
Vor der Götterstatue, die in jeder Hand einen Blitz hält, haben sich die Athleten mit ihren Vätern, Brüdern und Trainern aufgestellt und schwören feierlich über einem Eberopfer, dass sie sich an die Regeln halten werden. Zudem schwören die Wettkämpfer, dass sie sich die vergangenen zehn Monate ausschliesslich auf die Olympischen Spiele vorbereitet haben. Und die Hellanodiken legen den Eid ab, nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden, von niemandem Geschenke angenommen zu haben und alles über die Zulassung der Sportler geheimzuhalten: Kein Unbefugter soll erfahren, warum der eine abgelehnt wurde oder dass ein anderer wegen mangelnder Leistungsstärke in der Gruppe der Knaben starten muss.
NUR JUNGFRAUEN DÜRFEN ZUSCHAUEN. Trompetensignale verkünden weithin hörbar den Auftakt zu den Knabenwettkämpfen im Stadion. Laufen, Ringen und Boxen stehen auf dem Programm. Das mag für Familienangehörige und Neulinge in Olympia ein interessantes Spektakel sein, doch Habitués nutzen den Tag lieber dazu, alte Freunde und Bekannte wiederzusehen. Wenn Zeit bleibt, kann man ja dann immer noch einen Blick auf den einen oder anderen jugendlichen Körper werfen. Man sitzt also zusammen, trinkt Wein aus Samos, den man mit Wasser gemischt und mit Harz versetzt hat, isst dazu Feigen, Datteln, Salzkuchen und Kichererbsen. Oder man hat beim Heiligtumspersonal eine Ziege, Holz und Weihrauch erstanden und trifft sich zum gemeinsamen Opfer und Gebet an Zeus oder eine andere Gottheit.
Bei den Bretterbuden der Händler studieren die Leute das Angebot an Birnen, Granatäpfeln, Quitten oder prüfen den teuren Thunfisch und die Makrelen auf ihre Frische. Am Devotionalienstand gehen die meisten vorbei; die Götterstatuetten, die sie in Olympia weihen wollen, haben sie von zu Hause mitgebracht. Sehr gefragt sind Ledersandalen, weil viele die Anreise nicht überstanden haben, und kostbares Tuch für Gewänder der Frauen, die zu Hause geblieben sind. Verheiratete Frauen haben keinen Zutritt zu den Wettkämpfen, nur Jungfrauen dürfen zuschauen. Oder man will die Geliebte damit überraschen. Die Preise sind zwar wie immer exorbitant, aber wer fragt in Olympia schon danach, und abgesehen davon: in Delphi wäre es auch nicht besser.
VERSUCHTE WERKSPIONAGE. Unten am Fluss Alpheios versuchen ein paar Männer, zu den Pferdestallungen vorzudringen, in der Hoffnung, einen Blick auf die Favoriten aus Argos oder Athen zu erhaschen oder auf die prachtvollen Wagen der Viergespanne, an denen die Wagenknechte für morgen letzte Hand anlegen. Nur wenige haben Glück, den meisten verwehren furchteinflössende Sklaven den Zutritt. Jeder Stall hütet seine Geheimnisse über das Material für den Wagenkorb, die Machart der Geschirre, die Befestigung der Räder. Prachtvoll sind alle.
Viele nutzen die Stunde zur Besichtigung des Heiligtums, auf eigene Faust oder mit einem Fremdenführer. An kaum einem anderen Ort sind so viele so wertvolle Geschenke, Siegerstatuen, Waffen aus dem Zehnten der Kriegsbeute dem Herrn des Heiligtums geweiht worden. Staunend steht man vor der Nike des Paionios auf ihrem hohen Pfeiler, den die Messenier und Naupaktier nach ihrem Sieg über die Spartaner vor vier Jahren errichtet haben. Man bewundert das grosse Zeusbildnis, das nach dem Sieg der Griechen über die Perser bei Plataiai vor 63 Jahren aufgestellt wurde, und die älteren Siegerstatuen, die noch aus Zypressen- und Feigenholz gefertigt sind. Eine zeigt Praxidamas von der Insel Aigina, der an den 59. Olympischen Spielen im Faustkampf siegte, eine andere den Opuntier Rhexibios, der bei den 61. Spielen als Pankratiast erfolgreich war – man brauchte Stunden, um die Hunderte von Werken aus Marmor und Bronze zu studieren, doch die Hitze lässt viele in den Schatten flüchten.
ATEMRAUBENDER ZEUS! Und dann natürlich die Statue des Zeus! Sie ist in seinem prachtvollen Tempel jüngst fertiggestellt worden, und nur wenige haben sie bisher gesehen. Aber alle Welt spricht vom Meisterwerk des Phidias, der schon im Parthenon auf der Akropolis von Athen das Bildnis der Stadtgöttin aus Gold und Elfenbein geschaffen hat. Sein Göttervater hier in Olympia soll noch eindrucksvoller sein. Über die Rampe, vorbei an den Statuen und anderen Weihegeschenken, die zwischen den Säulen aufgestellt sind, dann durch die monumentale Bronzetür in die angenehm kühle Cella. Trotz den vielen Leuten, die sich hier drängen, ist nur unterdrücktes Raunen zu hören. Das Auge muss sich erst ans Halbdunkel des von Fackeln geheimnisvoll erhellten Raumes gewöhnen.
Dann aber wird man von Ehrfurcht ergriffen: vor einem thront riesengross Zeus, der Weltenherrscher. Seine rechte Hand, die auf einer Lehne aus Ebenholz ruht, hält eine Statuette der Siegesgöttin Nike, die linke umfasst ein bis auf den Boden reichendes Zepter, das ein reichverzierter Adler krönt. Auf dem Kopf ein Kranz aus Olivenzweigen. Das dichte Haar, das mit Figuren und Lilien geschmückte Gewand und die Sandalen aus Gold. Gesicht, Brust, Arme und Füsse erstrahlen in hellem Elfenbein. Mit Augen aus farbigen Steinen blickt der Olympier aus gut zwölf Metern Höhe auf den Eintretenden herab. Er würde die Decke der Tempelcella durchstossen, erhöbe er sich vom Thron. Der Thron opulent verziert mit Niken, mit Sphingen, die junge Knaben rauben, mit Göttern und mit Kampfszenen und – natürlich – den Wettkampfdisziplinen. Schon sagt man: ein Unglück, zu sterben, ohne den Zeus von Olympia gesehen zu haben!
Im Stadion sind die Wettkämpfe der Knaben nun in vollem Gange. In der Regel sind die Teilnehmer 16, 17 Jahre alt, aber die Hellanodiken haben der Gruppe auch schon mal einen leistungsschwächeren 18-Jährigen zugeteilt, diesmal ist bei den ungefährlicheren Läufen auch ein 14-Jähriger dabei. Einige Entscheidungen sind bereits gefallen, wie unschwer an den von zahlreichen Gratulanten umzingelten Jungathleten zu erkennen ist, die stolz ihre Siegerbinde tragen. Den Kranz erhalten sie erst am letzten Tag der Spiele. Die Zweige wird ein Knabe mit goldener Sichel vom heiligen Olivenbaum schneiden, der hinter dem Zeustempel steht.
MIESMACHER UNERWÜNSCHT. Vom Zeustempel her ertönt lautes Rufen. Zwischen den Säulen verfolgen Neugierige eine lebhafte Diskussion, die in Streit umzuschlagen droht. Ein Philosoph, der die Gunst der Stunde dazu nutzt, sich vor einem grossen Publikum zu präsentieren, wettert über die Athleten: Schaut euch doch diese Muskelpakete einmal genauer an! Ihre geistigen Fähigkeiten sind nicht grösser als die der Tiere! Nichts hat die Menschheit davon, dass irgendwann einmal einer in Olympia gewonnen hat!
Und jetzt beginnt er auch noch die Verse des Xenophanes von Kolophon zu zitieren: «Unbedacht und ungerecht ist es, voranzustellen Körperstärke guter Geisteskraft! / Denn weder wenn ein guter Boxer sich im Volk befindet / noch einer, der im Fünfkampf gut ist und ringen kann, / noch wenn ein Star im Laufen da ist, das der ehrenvollste von allen Wettbewerben ist in reiner Körperkraft, / wird deshalb schon die Stadt mehr in der guten Ordnung leben! / Geringen Grund nur hat die Stadt, darüber sich zu freuen …» – Die Menge fällt ihm ins Wort. Er solle sich trollen! Miesmacher seien unerwünscht! Solle er seine Unverschämtheiten doch am Ufer des Meeres loswerden, die tosende Brandung höre ihm vielleicht zu!
Das wäre ja noch schöner, sich die Laune von solch einem Besserwisser verderben zu lassen.
Viele teilen die Kritik am heutigen Athletentum allerdings auch, aber sie hüten sich wohlweislich, sich das in der aufgebrachten Menge anmerken zu lassen: Früher war doch alles besser gewesen, da konnten an den Spielen nur die Mitglieder der besten und reichsten Familien teilnehmen. Seit manche Städte Talente aus den niederen Schichten finanzieren, um den Ruhm des Siegers für sich auszuschlachten, kommen die guten alten Werte unter die Räder.
ZWEITER TAG
IDEALLINIE AN DER WENDESÄULE. Aufgeregtes Hufgetrappel, lautes Wiehern, schneidende Rufe der Reitknechte und der Wagenlenker, dazwischen immer wieder kurze Trompetensignale. Schon am frühen Morgen sammeln sich Menschentrauben am Hippodrom. Die Zuschauer versuchen sich Plätze nahe der Startanlage oder auf der Höhe einer der beiden Wendesäulen zu ergattern. Wer kein Glück hat, lässt sich am Rande der gut fünf Stadien (1000 Meter) langen Laufbahn nieder; man sieht auch von dort aus genug. Die Wagenlenker prüfen Anschirrung, Zügel und Riemen, unternehmen Probestarts auf der Rennstrecke. Besitzer und Trainer erteilen letzte Ratschläge und Befehle. Auch Alkibiades ist unter ihnen. Die Spannung wächst, die Hellanodiken tauchen am Rand des Hippodroms auf; Trompeter und Herolde rufen die Helfer aus der Bahn und die Teilnehmer an den Start.
Nur schwer können die Wagenlenker ihre Pferde in dieser Spannung hinter dem Tau zurückhalten. Fast zeitgleich mit dem Trompetensignal löst der Rennleiter die Startmechanik aus. Ein Bronzeadler an langer Stange steigt mit ausgebreiteten Schwingen in die Luft, an der Spitze der vordersten Startbox geht als Gegengewicht ein Bronzedelphin zu Boden. Das ist der Moment, in dem an der schiffsbugförmigen Startlinie die Taue fallen. Zuerst die an den Seiten, die andern folgen in kurzen Abständen, so dass an der Spitze des Bugs die Wagen praktisch gleichauf sind. Die Pferderennbahn in Olympia ist für ihre ausgeklügelte Startanlage berühmt, sie war die Idee eines gewissen Kleoitas. Tosender Lärm, das Publikum feuert die Fahrer an, die ihre Wagen jetzt auf die nur hundert Fuss (32 Meter) breite Fahrbahn manövrieren, ein gefährlicher Moment. Staub wirbelt auf, ein Wagen fliegt durch die Luft. Einer hat versucht, seinen Gegner zu schneiden. Die beiden Kontrahenten humpeln aus der Bahn, die Knechte fangen die erschreckten Pferde ein. Es ist, Zeus sei Dank, nochmals alles glimpflich verlaufen.
Das Feld der Wagen hat jetzt fast die Wendesäule am Ende der drei Stadien messenden Bahn erreicht. Dort droht die nächste Gefahr, denn jeder will sie auf der Ideallinie umfahren. Das erfordert höchste Konzentration. Was riet der greise Nestor in der «Ilias» vor einem Rennen seinem Sohn? «Daran streife du nahe vorbei mit Wagen und Rossen, / lehne dich selbst in den gutgeflochtenen Stuhle des Wagens / leicht zur Linken hinüber, doch treibe mit Geissel und Zuruf / an das rechte Pferd, und gib ihm nach mit dem Zügel. / Aber das linke Pferd, das dränge sich dicht an die Säule, / so dass die Nabe dir scheint des wohlgefertigten Rades / fast zur Berührung zu kommen, doch meide den Anprall am Steine, / dass du die Pferde nicht irgend verletzt und den Wagen zerschmetterst. / Eine Freude den andern, doch eine Schande dir selber / wäre das; nein, mein Freund, sei besonnen und fahre behutsam.»
FAVORITEN SETZEN SICH DURCH. Eine Spitzengruppe von drei Gespannen hat sich etwas absetzen können, doch die andern geben sich noch nicht geschlagen. Bei der nächsten Wende schliessen sie wieder auf. Jetzt zeigt sich, wer die besten Pferde und die besten Lenker ins Hippodrom geschickt hat. Die Führung übernimmt einer aus dem Rennstall des Alkibiades, hart verfolgt von einem Wagen aus Argos. Die Gespanne aus Syrakus, Theben, Agrigent und Metapont können das Tempo noch eine Weile mithalten, doch nach der letzten Wende holt der Fahrer von Alkibiades nochmals alles aus seinen Pferden heraus und passiert als Erster die Ziellinie. Auch das zweite und das vierte Gespann gehören dem Athener. Der Wagen aus Argos kommt als Dritter ins Ziel.
Der Jubel ist unbeschreiblich, Alkibiades hält es nicht mehr auf seinem Platz. Er weiss, dass er den grossartigen Sieg seiner Wagen zu Hause in politische Erfolge ummünzen kann. Keiner in der Volksversammlung wird dem Olympiasieger seine Stimme versagen, wenn es um Amt und Würden geht. Und in Athen steht eine Entscheidung an: Alkibiades will den Befehl über ein Flottenunternehmen erteilt bekommen, das den Krieg mit Sparta aus der Heimat nach Sizilien verlagert.
Doch es gibt auch enttäuschte Zuschauer. Wer mit sieben Gespannen hier antrete, der müsse ja zwangsläufig siegen, murrt manch einer. Und man hört, das Siegesgelage für Alkibiades sei schon vor dem Rennen vorbereitet worden. Und jetzt werden die Geschirre aus Silber und Gold, die von der athenischen Delegation als offizielle Gaben für Zeus mitgebracht wurden, zuvor noch für diese private Feier benutzt. Was für eine Anmassung! Ausgerechnet dieser Geck und Kriegstreiber lässt sich hier auf dem heiligen Boden der Altis feiern wie ein Halbgott.
Im Stadion auf der andern Seite des Walls beginnt in Kürze der Fünfkampf. Die Allrounder unter den Athleten werden sich im Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwurf, Laufen und Ringen messen; nackt, wie es die Regeln vorschreiben. Wer als erster drei Siege verbuchen kann, hat das Pentathlon gewonnen; Laufen und Ringen fallen dann aus.
Das wird in diesem Jahr wohl geschehen, denn Lakrates aus Thasos ist da, und der ist in den ersten drei Disziplinen fast nicht zu schlagen. Tatsächlich kann er nach kurzem Wettkampf unter dem Jubel seiner Landsleute die Siegerbinde entgegennehmen. Die anderen verlassen enttäuscht das Stadion, weder Vater noch Bruder, noch Trainer können sie trösten. Man mag bereits an Spielen in Delphi, Korinth oder Nemea siegreich gewesen sein, doch ist kein Siegerkranz so wertvoll wie der von Olympia.
Nur wenige nehmen abends am Opfer des schwarzen Widders für den Heros Pelops teil, den mythischen Gründer der Olympischen Spiele, man trifft sich lieber mit Bekannten. In manchem Zelt beraten sich hochrangige Politiker über die Zeit nach der Ekecheiria, wenn wieder mit Kriegshandlungen zu rechnen ist im grossen Bruderkrieg. Fänden die Athener einen Vorwand, sich Sizilien einzuverleiben? Was ist, wenn die sizilische Stadt Egesta bei den Athenern gegen Selinunt ein Hilfegesuch stellt? Was haben die Athener mit den bisher neutralen Meliern vor? Wollen sie tatsächlich die Männer dort töten, Frauen und Kinder in die Sklaverei verkaufen und die Insel mit eigenen Bürgern neu besiedeln, wie es geheime Depeschen vermelden? Und welche Winkelzüge hecken die Spartaner aus?
DRITTER TAG
OPFERUNG DER STIERE. Das Gebrüll der bekränzten Stiere ist bis weit über die Altis hinaus zu hören. Myriaden von Mücken umschwirren die schwitzenden Tiere und machen auch den Menschen zu schaffen. Kein Wunder, gelobt mancher ein Opfer am Altar des Apomyios, des Mückenabwehrers. Schon früh haben Opferdiener das Feuer auf der Spitze des grossen Aschealtars – er ist das Kultzentrum des Heiligtums – mit Holz der Weisspappel zu grossen Flammen geschürt.
Jetzt zieht die lange Prozession am Zeustempel vorbei, voran die Priester in weissen Gewändern, dahinter der Zug der geladenen Gäste aus allen Teilen der griechischen Welt. Stolz führen sie Kostbarkeiten mit sich, die für Zeus bestimmt sind und dem Tempelschatz einverleibt oder in den Schatzhäusern unterhalb des Kronoshügels verwahrt werden: kostbares Tuch, goldenes Speisegeschirr, Waffen und anderes mehr.
Am Altar, auf dem sich der in Jahrhunderten auf mehrere Meter angewachsene Kegel aus mit Wasser und Fett gefestigter Asche erhebt, stellen sich die Priester auf. Damit man das Opferfeuer erreicht, sind Stufen in den Kegel geschlagen. Die Opferdiener schlachten einen Stier nach dem anderen, weiden sie aus und zerteilen sie. Die Beine tragen sie auf die Spitze und verbrennen sie, die Priester sprechen Gebete, die Anwesenden singen zu Flötenspiel Lieder.
Heute gilt alle Aufmerksamkeit und Andacht nur Zeus, dem höchsten Gott, dem Herrn über Krieg und Frieden. Eine Heerschar von Sklaven verteilt stundenlang das Fleisch an die Festgemeinde, die mit Töpfen und Kesseln und Bratspiessen auf ihren Anteil wartet. Am Abend wird das Fleisch über zahllosen Feuern auf der Festwiese gebraten und verzehrt, während die offiziellen Gäste den Priestern und Honoratioren in den Saal des Prytaneion folgen, wohin der Rat von Elis zum Festbankett geladen hat.
EXAINETOS WIRD UNSTERBLICH. Zuvor stehen aber noch die Laufwettbewerbe auf dem Programm, zuerst der Langlauf, der Dolichos. Zwanzig Stadien sind zu bewältigen, zwanzigmal also müssen die Sportler die rund zweihundert Meter lange Laufbahn des Stadions durchmessen. Danach folgt der Diaulos, der Lauf über zwei Stadien. Der spannendste ist der kürzeste, der einfache Stadionlauf. Die Hellanodiken beobachten das Geschehen von der Kampfrichtertribüne aus. Ihnen gegenüber auf der anderen Stadionseite sitzt die Priesterin der Göttin Demeter, Chamyne, die als einzige verheiratete Frau bei den Wettkämpfen zuschauen darf.
Man startet aus dem Stand mit vorgesetztem Fuss und mit nach vorne gestreckten Armen. Ein Trompetensignal gibt das Zeichen zum Start des Stadionlaufs. Die nackten Läufer spurten los in Richtung Altis, angefeuert von den Zuschauern auf den Wällen. Als Erster ist Exainetos aus Agrigent am Ziel.
Erschöpft und überglücklich wirft er sich in den Sand. Innerhalb kürzester Zeit ist er heute sozusagen unsterblich geworden. Er hat nicht nur den begehrten Olivenzweig gewonnen, dem Sieger des Stadionlaufs kommt immer auch noch eine besondere Ehre zu: Nach ihm werden künftig dieses und die darauffolgenden drei Jahre benannt werden. Es wird heissen: In der 91. Olympiade des Exainetos aus Agrigent geschah das oder jenes.
Trotz der Hitze ist die Stimmung bei den Sportlern und den Besuchern unvermindert gut, denn jetzt geht es zurück zur Festwiese, wo zu Ehren von Zeus bis in die Nacht hinein unter funkelndem Sternenhimmel gesungen und getanzt wird.
VIERTER TAG
DER TAG, AN DEM DAS BLUT FLIESST. Heute ist der Tag der Schwerathleten, der Ringer, Boxer und Pankratiasten (Mischung aus Box- und Ringkampf). Blut wird fliessen. Vielleicht muss einer seine Teilnahme sogar mit dem Leben bezahlen; es wäre nicht das erste Mal. Beim Ringen und Boxen geht es noch verhältnismässig zahm zu, sieht man von den Kopfschlägen mit lederberiemter Faust beim Boxen ab, doch der Kampf der grossgewachsenen, muskelbepackten Pankratiasten ist Brutalität pur. Geschwollene Ohren, gebrochene Nasen, vernarbte Gesichter und Körper gehören zu ihrem Erscheinungsbild. Die Pankratiasten sind die Helden der kleinen Leute, der Bauern und Handwerker. Sie stammen immer häufiger aus den unteren sozialen Schichten und kämpfen sich allein mit Kraft und technischem Können in die Reihe der Sieger empor.
Androsthenes aus Menalon gewinnt, es ist sein zweiter Sieg in Olympia. Perfekt beherrscht er die Fallwürfe nach hinten, seine Würgegriffe sind gefürchtet. Das Finale war fair: Keiner hat gebissen, keiner hat dem anderen die Finger in die Augen gebohrt. Eine reelle Chance hatte der Unterlegene nicht, aber immerhin hat er sich Androsthenes gestellt und nicht aus Furcht die Flucht ergriffen wie vor ihm Nikostratos aus Eretria. Über die Bestrafung dieses Feiglings, der mit Sicherheit kein weiteres Mal mehr hier antreten darf, werden die Hellanodiken noch beschliessen.
Am späten Nachmittag beendet der Waffenlauf die Wettkämpfe dieser Olympischen Spiele. Die nackten Athleten tragen einen Helm und am rechten Arm einen Schild, und es sieht, ganz unter uns, ein wenig lächerlich aus, wenn während des Laufs über zwei Stadien die Schilde mit grossem Getöse aneinanderprallen, einem vielleicht der Helm verrutscht und er orientierungslos über die Rennbahn stolpert oder gar stürzt. Kein Wunder, sind die Zuschauerwälle nicht voll besetzt.
FÜNFTER TAG
JUBEL AN DER SIEGEREHRUNG. Über den Bergen Arkadiens geht die Sonne auf und taucht den Zeustempel in sanftes Rot. Vor den Säulen der Eingangsfront liegen auf einem Tisch aus Gold und Elfenbein die frisch geschnittenen Zweige vom heiligen Ölbaum für die Siegerehrung bereit; der Tisch steht normalerweise im Tempel der Hera. An der Aufgangsrampe zum Tempel warten die frischgebackenen Olympiasieger, jeder in einem neuen, farbenprächtigen Chiton, der manch eine Blessur verdeckt.
Ein Bad am frühen Morgen in der Anlage am Kladeosufer hat aus den schwitzenden, mit Öl und Sand verschmierten Wettkämpfern ansehnliche Erscheinungen gemacht. Glücklich und stolz stehen sie da. Das Publikum hat sich hinter einer Absperrung aus Pfosten und Seilen versammelt. Keiner, der nicht mit dabei sein will, wenn die Kränze überreicht werden. Bis zum Stadionwall reicht die Menschenmenge.
Ein Trompetensignal verkündet die Ankunft der Hellanodiken. Ernst und würdevoll stellen sie sich zwischen die Eingangssäulen des Tempels, neben ihnen stehen Schreiber mit grossen Schriftrollen. Nun ruft ein Herold mit lauter Stimmer nacheinander die Sieger auf. Einer nach dem andern schreitet die Rampe empor, wo ihm ein Schiedsrichter gratuliert und einen Kranz ums Haupt legt. Jedesmal erhebt sich Jubelgeschrei der Verwandten, Freunde und Mitbürger, während ein Schreiber den Namen des Siegers in die offiziellen Listen des Heiligtums einträgt.
ALKIBIADES NERVT. Anschliessend begibt man sich auf die Festwiese und feiert die Sieger, derweil die Offiziellen im Buleuterion über die ersten Anträge zur Errichtung von Siegeranathemen befinden und über deren Aufstellungsorte in der Altis. Für Exainetos aus Agrigent, den Sieger des Stadionlaufs, hat die Heimatstadt eine lebensgrosse Bronzestatue beantragt. Sie soll Exainetos im Moment des Starts zeigen, und in der Weiheinschrift für Zeus seien der Sieger, sein Vater und die Heimatstadt zu nennen; mit der Ausführung beauftragt ist der Bildhauer Damophon aus Gela. Der Antrag wird mit dem Vermerk genehmigt, die Statue nahe dem Bronzestier der Eretrier aufzustellen.
Alkibiades will zwischen der Nike des Paionios und dem Siegesdenkmal der Griechen für den Sieg bei Plataiai – also in unmittelbarer Nähe des Zeustempels – ein monumentales Bronzeanathem errichten lassen: das siegreiche Viergespann in Lebensgrösse, im Wagen stehend der Olympionike, dem die Siegesgöttin den Olivenkranz aufsetzt; auf der grossen Basis Pelops und Herakles, wie sie Alkibiades fast unterwürfig beglückwünschen! Das ist den Verantwortlichen aber zu viel des Guten. Sie genehmigen zwar Gespann mit Sieger, Wagenlenker und Nike. Der Rest wird gestrichen, und aufgestellt werden soll das Ganze am Weg zum Hippodrom. Gegen diesen Beschluss kann niemand Einspruch erheben, auch nicht der mächtige Politiker Alkibiades.
Noch während der Siegerehrung brechen die ersten auf, sie wollen dem allgemeinen Chaos zuvorkommen. Die meisten machen sich zu Fuss auf den Weg, unter ihnen die Bürger aus Ionien, die in Athen die Schiffe zu ihren Inseln und den Küstenstädten am Schwarzen Meer besteigen werden. Andere haben von Bauern einen Esel- oder Ochsenkarren gemietet, um das Gepäck zum Hafen von Elis zu transportieren, von wo es mit grossen Transportschiffen nach Sizilien und in die anderen Kolonien im Westen weitergeht.
ZURÜCK ZUM KRIEG… Es war ein grosses und schönes Fest in Olympia. Aber auch wenn man hier in der Altis ein paar Tage gemeinsam und einträchtig Zeus zu Ehren gefeiert hat, weiss doch jeder, dass die griechische Welt binnen kurzer Zeit wieder unter dem Krieg zwischen Athen und Sparta leiden wird. Keiner glaubt an einen schnellen Sieg des einen oder anderen, und an einen baldigen Frieden schon gar nicht.
Michael Siebler ist Archäologe und Buchautor. Sein neuestes Buch, «Olympia. Ort der Spiele. Ort der Götter» ist diesen Frühling bei Klett-Cotta erschienen.
Alle Bilder des antiken Olympia basieren auf einer virtuellen Rekonstruktion von Cliff Ogleby , University of Melbourne (Australien). Sie wurden von Raumgleiter, Zürich, visualisiert und mit Fotos von Urban Fetz und Chris Keller, Winterthur, angereichert. Die Bilder zeigen Olympia um das Jahr 150 n. Chr.