Badminton (schweiz. «Bädmingten»): Wettkampfversion des Freizeitspiels Fe derball. Geschichte: Federball ist seit über tausend Jahren auf allen Kontinenten verbürgt, Badminton erst seit 1992 olympisch. Verbreitung: Am erfolgreichsten sind die Länder Südostasiens und Dänemark. In der Schweiz wurde Badminton 1978 ins Programm von «Jugend + Sport» aufgenommen.
EINST HIESS der Federball einfach Federball. Heute heisst er weltweit Shuttle und trägt Bezeichnungen wie «Level Skyline Silver» oder «Topolino Naturo». Einst kaufte man den Federball im Migros-Set inclusive Holzrackets zu 9 Franken 50. Heute ist Badminton ein Trendsport, für den man Karbonschläger namens Wilson Hyper Hammer 80 braucht sowie offizielle Wettkampf-Shuttles, die bis zu vier Franken das Stück kosten, obwohl ihnen eine extrem kurze Lebensdauer beschieden ist.
Indessen rechtfertigen hier mannigfache Vorschriften den Preis: Der halbrunde Korkkopf des kompetitiven Naturfederballs muss mit Feinleder über zogen sein; darin stecken 16 Gänse federn von 62 bis 70 Millimetern Länge, deren Spitzen einen Radius von 58 bis 68 Millimetern bilden. Bei alledem hat der Shuttle mindestens 4,74 und höchstens 5,5 Gramm zu wiegen.
Hans Guckindieluft wäre ein guter Federballspieler gewesen. Man erinnere sich der Kühnheit, mit welcher der arme Bub im «Struwwelpeter» seine (fatalen) Ausfallschritte tat, während sein Kopf tief im Nacken lag, auf dass sein Blick das ganze Himmelszelt umfasse: «Wenn der Hans zum Netze ging, stets sein Blick am Himmel hing …» In ebendieser Körperhaltung absolviert nun auch der Badminton-Spieler den grössten Teil seiner Wettkämpfe: Beine, Arme, ja der ganze Leib führt ein hektisches Eigenleben, während das Auge starr in die Luft guckt, um die Flugbahn des stets von oben nahenden Federballs frühzeitig zu ermessen, zu dechiffrieren, zu lesen … Wenn jemand ein Federlesens macht, dann der Badminton-Spieler.
Weil der Federball seit alters nie ein Ball war, sondern immer schon ein gefiederter Halbmond, spottet sein Flugverhalten jeder ballistischen Theorie. Lässt sich der Shuttle zunächst mit einem heftigen Schlag noch ansehnlich beschleunigen, so beschliesst er unterwegs plötzlich: Jetzt ist’s aber genug! – und lässt sich anstandslos fallen. Dank dieser Renitenz unterläuft der Federball das in unserer Gesellschaft sonst gängige Recht des Stärkeren: In der Badminton-Halle erleidet so manches bemannte Muskelpaket üble Nervenzusammenbrüche, weil es sich einem filigranen Frauenfederball beugen muss.
Jeglicher Roheit abhold, war Federball einst nichts als ein geselliges Unterhaltungsspiel. Niemand wurde da bekämpft oder erniedrigt, es ging darum, diesen fröhlichen Spielball der Lüfte mit vereinten Kräften möglichst lang am Himmel zu halten. Selbiges versuchten festlich geschmückte Mädchen im Japan des 14. Jahrhunderts, während die sie umringenden Burschen mit neckischen Liedern heftige Winde herbeiwünschten. Im 17. Jahrhundert pflegte Königin Christine von Schweden einen kultivierten Federballwechsel mit offiziellen Staatsgästen, und aus dem 18. Jahrhundert ist überliefert, wie der kleine Friedrich Wilhelm von Preussen seinen kaiserlichen Onkel Fritz (den Grossen) in dessen Arbeitszimmer mit gefiederten Querschlägern nervte …
Erst im 19. Jahrhundert bemächtigten sich die Briten wie des Fuss- auch des Federballs, verpassten dem bis dahin weltweit ungezügelten Spiel ein straffes Regulativ und reexportierten es hierauf als eine typisch englische Errungenschaft in jeden Winkel des Empire.
Eine massgebliche Rolle spielte dabei der Duke of Beaufort: Auf seinem Sommersitz, der Badminton hiess, liess der Herzog an einer Federball-Gardenparty ein Tennisnetz aufspannen – und schon hatte sich das friedliche Miteinander in ein Duell verwandelt.