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NZZ Folio 06/07 - Thema: Meine erste Million Inhaltsverzeichnis
Zerlegt -- Eine Schweizer Pilotin aus Japan
© Patrick Rohner
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| Sonnenbrille Suki, Acetat und beschichtetes Metall, Götti, etwa 290 Franken. |
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Von Jeroen van Rooijen
Sonnenbrillen sind, neben Schuhen und Taschen, zu den wichtigsten Imageträgern und Umsatzbringern der Modebranche avanciert. Nirgends sonst lässt sich so leicht und sichtbar ein Markenlogo placieren und damit auch gutes Geld verdienen. Vorreiter dieser Entwicklung, die seit zehn Jahren anhält, waren die italienischen Modeschöpfer Dolce & Gabbana – ihr «Stil» wird heute von Hunderten von Marken weltweit imitiert.
Es geht aber auch anders: subtiler, diskreter, vielleicht schweizerischer. So wie das Götti macht. Die Marke ist aus dem Luzerner Optikfachgeschäft Götti & Niederer hervorgegangen und gehört zu den wenigen Schweizer Herstellern von Korrektur- und Sonnenbrillen, die sich überregionalen Respekt verschafft haben und auch im Ausland Erfolge verbuchen. 1994 entwarf Sven Götti die erste Kollektion von Büffelhornbrillen, drei Jahre später folgten Kunststoff- und Titaniummodelle; daraus ist ein eigenes Unternehmen mit 25 Mitarbeitern und einem weltweiten Distributionsnetz gewachsen.
Sven Götti ist Designer, Aushängeschild und CEO in Personalunion. Er beschreibt «die Kombination von modischer Aktualität und schlichtem Stil» als Götti-typische Qualität. Eine Brille, die aus dem Hochpreis- und Qualitätsland Schweiz kommt, muss aber nicht nur ästhetischen Ansprüchen genügen, sondern auch fertigungstechnisch den neusten Stand der Möglichkeiten repräsentieren.
Das abgebildete Modell namens Suki stammt von einem japanischen Lieferanten, der auf Metallgestelle spezialisiert ist. Es ist eine stark gewölbte, feingliedrige Sonnenbrille im Pilotenstil. Der Rahmen ist aus einer Legierung von Kupfer, Silber und Nickel geformt und mit dem Edelmetall Palladium beschichtet – dies macht die Brille auch für Allergiker verträglich. Die Bügel sind aus mehrschichtig laminiertem Acetat, das aus Platten gefräst und nicht etwa gegossen wird. Die verlaufsgetönten braunen Kunststoffgläser sind korrekturfrei geschliffen und verzerrungsfrei. Sie bieten einen UV-Schutz bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern.
Gebaut wird die Sonnenbrille Suki aus 11 Teilen, in der Produktion sind es allerdings 28 Elemente, die zusammengefügt werden müssen. Dies geschieht grossteils mit Maschinen, weil es bei der Passgenauigkeit der Teile auf Bruchteile von Millimetern ankommt. Doch Maschinen allein reichen nicht: «Damit die Brille auch wirklich eine harmonische Einheit bildet, kommt man letztlich um das geschulte Auge von Menschen nicht herum», sagt Götti.
Gebaut werden die Brillen in Serien von jeweils 500 Stück in drei Farben. Bei guter Nachfrage werden die Serien neu aufgelegt. Vom Moment, in dem die Produktion anläuft, bis zur Auslieferung einer neuen Kreation vergehen nicht selten drei bis vier Monate. «Die Chinesen könnten das wohl schneller, aber das wäre dann keine Götti-Brille mehr», meint Götti.
Nur noch etwa ein Fünftel der Produktion wird heute in der Schweiz verkauft, der Rest geht ins Ausland. So auch die im Herbst 2006 lancierte Suki, die sich laut Götti im warmen Frühling 2007 sehr gut verkauft hat.
Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.
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