UNSER ANTHROPOZENTRISCHES Weltbild teilt alle Kreatur bekanntlich ein in die beiden Kategorien «nützlich» und «schädlich», allenfalls bleibt noch die Restgruppe «weder noch», in der sich der Tümmler tummelt und die Ringelnatter ringelt. Vergeblich versuchen Heerscharen von Sonntagsschul- und anderen Lehrerinnen der Jugend einzutrichtern, dass auch Wespen, Würmer und Wanzen durchaus Gottes Geschöpfe bzw. nützlich seien, denn sie weiss es natürlich besser.Aufgehoben wird dieses rigorose Werturteil nur im Zoo, wo andere Gesetze gelten. Denn grundsätzlich ist hier jedes Tier ein Nützling, sofern es eingesperrt bleibt und reichlich Kundschaft anzulocken vermag. Dies gelingt jedoch lange nicht allen Kandidaten - einige bringen es darin zur Meisterschaft, andere versagen kläglich. Weitaus das probateste Mittel, um möglichst grosse Menschenmengen vor dem eigenen Gehege zu versammeln, ist neben Flauschigkeit das bewährte Kindchenschema, welchem neben E. T. auch der Affe als solcher nacheifert.
So bleiben denn die Affen unbestrittener Höhepunkt jedes Zoobesuchs; am beliebtesten sind unsere allernächsten Verwandten Schimpanse, Gorilla und Orang-Utan. Von den Menschentrauben, welche sich jeden Sonntag vor ihrem Käfig bilden, werden die Menschenaffen unablässig zu hetero-, homo- und autoerotischen Höchstleistungen angeregt und angefeuert. Und das verschämt blöde Grinsen über ihr bizarres Treiben hat durchaus etwas Generationenverbindendes. «Affen, die machen so komische Sachen, schälen Bananen genauso wie wir - sonntags im Zoo», besang der deutsche Schlager schon vor Jahren in gekonnter Sublimierung das entsprechende Phänomen. Wohl wahr.
Neben solch lüsternen Affen haben sogar der majestätische Löwe, der melancholische Tiger, der tapsige Bär und der elektrische Zitteraal grösste Mühe, die Gunst des Publikums zu gewinnen. Einzig den Elefanten gelingt es immer wieder, ihr Haus sowie die Lokalpresse zu füllen, letztlich ebenfalls mit Sex bzw. mit dessen süssen Folgen. Ein sinnloses, trauriges Dasein dagegen müssen Gnu, Yak und Antilopen aller Art fristen: kein Schwein will sie sehen.