IRGENDWO DA DRAUSSEN steht in gigantischen Lettern geschrieben: Peter Graf in Tränen. Günther Strack im Koma. Frostiger Empfang für Bodo Illgner. Ich werde Schumi schlagen. Und: Ich bin ein Analphabet.
Seit kurzem steht das auch drinnen. Im Netz. Die Meister des kurzen Satzes haben lange gezögert. Vielleicht waren sie auch bloss vorsichtig. Gerade sie rechnen ja jederzeit mit dem Schlimmsten: «Brave Boulevardzeitungen geflamt.» Aber das Internet ist nicht so. Es hat nichts gegen kurze Sätze. Sie bieten eine Reihe von Vorteilen: Sie reduzieren Komplexität. Sie lassen sich besser markieren. Sie lassen sich besser verschieben. Sie lassen sich besser layouten. Sie passen besser in kleine Bildschirme.
Der Browser kann sie schneller laden. Sie offenbaren ihren Inhalt dem eiligen Surfer so leicht wie das Tetra-Pack neben seiner Tastatur. Sie haben praktisch nur Vorteile. Deshalb sind der Boulevard und das Internet natürliche Verbündete.
Was wird diese strategische Allianz bringen? Ein Blick auf die Titelseite von «Bild» genügt: Doppelpunkte. Auf der Titelseite von «Bild» verdrängt der Doppelpunkt das Komma.
Das ist nur auf den ersten Blick verwunderlich. Doppelpunkte sind schöner als Kommas. Doppelpunkte sind verheissungsvoll wie ein offener Mund vor dem Kuss. Sie versprechen: Jetzt kommt etwas Besonderes. Kommas halten zurück. Sie sagen wie der vierte Akt im Drama: Jetzt kommt ein retardierendes Moment. Was steht denn schon hinter Kommas? Doch nur Beiwerk. Wenns und Abers. Denns und Wanns. Das entbehrliche Kleingedruckte des Denkens.
Die gute Boulevardzeitung benutzt Kommas nur im Notfall. Kommas sind wie Zäune: Sie parzellieren. Sie differenzieren. Sie begrenzen. Niemand mag Grenzen. Grenzen sind hässlich. Das ist das Credo des Internet. Und «Bild» ist sein Musterschüler.
Der Springer-Verlag hat's versprochen: Die Online-Version von «Bild» werde keine «1:1-Umsetzung» der gedruckten Version. Und er hat Wort gehalten. Vor kurzem erschien uns die hübsche Natalia (29). Elf Millionen Leser sahen nur ihren Busen. Ein kleines Grüppchen von Auserwählten sah ein bisschen mehr. Denn online zeigte Natalia auch ihren Po. Mit Sand vom Strand von Malibu darauf. Es war gewissermassen eine 2:1-Umsetzung der gedruckten Version. Ein visuelles Plädoyer für den tiefenpsychologischen Reiz eine Satzzeichens: Ein Doppelpunkt mit Beinen.