NZZ Folio 11/03 - Thema: Erben   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Über das Aufhängen

Von Reto U. Schneider

VÖLLIG UNBEMERKT von der Welt, klaffte in der Telefongesprächsforschung eine erschreckende Lücke. «Zwar gibt es eine grosse Menge an Literatur über die Eröffnungen von Telefongesprächen, aber sehr wenig über Verabschiedungen», heisst es in der Arbeit «Griechische und deutsche Verabschiedungen am Telefon: Muster von Rückmeldung und Einigung» (Pragmatics, Vol. 8, S. 79–94), die diesen Missstand beseitigen will.

Tatsächlich gilt dem Anfang des Telefongesprächs grosses wissenschaftliches Interesse: «Gleiche Situation, andere Norm: Eröffnungen von Telefongesprächen in Frankreich und den Vereinigten Staaten» (Society, Vol. 6, S. 209–219), «Allgemeingültiges und Spezielles bei der Eröffnung eines Telefongesprächs» (Research on Language and Social Interaction, Vol. 24, S. 369–387), «Die Geschichte der Eröffnungssequenz in holländischen Telefongesprächen» (in Leo Lentz: Discourse Analysis and Evaluation: Functional Approaches, S. 87–110).

Zwar war das Gesprächsende schon das Thema der Studie «Über das Aufhängen bei Telefongesprächen» (Semiotica, Vol. 67, S. 195–210), doch den deutsch-griechischen Vergleich hatte noch niemand gewagt. Eines der Resultate hat direkte wirtschaftliche Folgen für die Telefongesellschaften: Die Verabschiedung auf Griechisch dauert länger als jene auf Deutsch.




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