NZZ Folio 10/96 - Thema: Jenseits von Washington   Inhaltsverzeichnis

Zahlen bitte -- 1 googol

Von Herbert Cerutti

WIR HABEN uns daran gewöhnt, dass man uns täglich numerische Monster um die Ohren haut: Der Türkei werden 375 Millionen Ecu versprochen; der Ertragsbilanzüberschuss der Schweiz ging 1995 auf 23,5 Milliarden Franken zurück. Und wir plaudern selber wie selbstverständlich über die Megabytes unserer PCs. Dabei gibt es wohl nur wenige Menschen, die ein natürliches Gefühl für Millionenzahlen haben. Wir behelfen uns, indem wir Riesenzahlen mit etwas Vertrautem vergleichen: Liest man in der Zeitung von vier Millionen Flüchtlingen, stellt man sich schaudernd das Zehnfache der Einwohner der Stadt Zürich vor.

Der Physiker George Gamow wurde von seiner Tochter gefragt, wieviel denn «unvorstellbar viel» sei. Darauf kreierte er das «googol», eine 1 mit 100 Nullen: 10 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000. Die Mathematik hat für das Ungetüm wenigstens eine knappe Darstellung zur Hand, die hundertfache Multiplikation der Zahl Zehn mit sich selber: 1 googol = (10 (hoch 100)).

Die Witzzahl ist in den USA zum Inbegriff für «riesig» geworden. So erzählt der Mathematiker Alexander Dewdney in seinem Buch «200 Prozent von nichts», wie unlängst die National Security Agency (NSA) über das googol stolperte. Die Behörde suchte Computerspezialisten und annoncierte in Fachzeitschriften das googol mit sämtlichen hundert Nullen: «Wir zeigen das googol aus einem einfachen Grund: Wenn Sie zu uns kommen, müssen Sie in riesigen Grössenordnungen denken.» Und als Beispiel lieferte die NSA: «Wenn Sie 24 Stunden pro Tag zählten, hätten Sie nach 120 Jahren 1 googol erreicht.»

Ein Leser merkte, dass selbst die Sicherheitsbehörde mit Riesenzahlen nicht umgehen kann. Die 120 Jahre enthalten nämlich 3,79 × 109 Sekunden. Deshalb müsste man innert jeder dieser Sekunden jeweils auf 2,64 × (10 (hoch 90)) zählen, um das googol in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Worauf er an die NSA schrieb, ihn schreckten nicht nur die «riesigen Grössenordnungen», sondern auch das horrende Arbeitstempo, das man bei der NSA anscheinend von ihm erwarte. Sekunden. Deshalb müsste man innert jeder dieser Sekunden jeweils auf 2,64 × (10 (hoch 90)) zählen, um das googol in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Worauf er an die NSA schrieb, ihn schreckten nicht nur die «riesigen Grössenordnungen», sondern auch das horrende Arbeitstempo, das man bei der NSA anscheinend von ihm erwarte.


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