Links oder rechts: darüber kann sich im Vorfeld von Wahlen nicht nur die Welt der Politik ereifern, es ist auch bei Unterhosen eine wichtige Frage. Konkret geht es um das Problem, dass der Schnitt einer Hose das Glied auf die eine oder andere Seite des Leibes zwingt, in der Mitte bleibt kaum Platz. Also wohin damit – rechts oder links? Harte medizinische Daten dazu, wohin eine Mehrheit der Männer tendiert, liegen kaum vor. Auch nicht nach dem sechsten in den USA durchgeführten «Size Survey» zu Penisgrössen und -formen.
Allerdings gibt es eine Fülle von semi-seriöser Feierabendforschung und wissenschaftlich verbrämten Indizienketten, und diese kommen einhellig zu folgender Erkenntnis: zwischen zwei Drittel und drei Viertel aller Männer sind Linksträger, wogegen nur etwa18 bis 20 Prozent der Penisse nach rechts tendieren. Es ist möglich, dass dies etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass neun von zehn Männern Rechtshänder sind.
Jedenfalls besagt die überlieferte Erkenntnis der Massschneider, dass die allermeisten Männer wirklich links tragen. Deswegen wird bei einem Massanzug das linke Hosenbein im Lendenbereich leicht weiter geschnitten. Der Verschluss einer Männerhose wird «links über rechts» angelegt, weil die meisten Männer mit der rechten Hand das links liegende «Instrument» ergreifen und so das Handgelenk nicht unnötig verdrehen müssen. Deswegen haben auch fast alle Unterhosen den Eingriff rechts.
So ist es auch beim Y-Slip von Jockey, einem der urwüchsigsten Klassiker des Unterwäschefachs – er hat den Eingriff (in Form eines umgedrehten Ypsilons) rechts und nimmt damit Rücksicht auf gewachsene Traditionen. Dieser Tage wird das gute Stück Alltagsmode bereits siebzig Jahre alt, und noch immer wird es erfolgreich produziert und verkauft und getragen.
1935 wurde der Feinripp-Archetyp von einem Zeichner der amerikanischen Firma in Kenosha, Wisconsin, gezeichnet und avancierte im Heimmarkt sofort zum Kassenschlager. Als 1948 das englische Nationalteam an den Olympischen Spielen ausschliesslich Jockeys trug, wurde der Y-Slip auch in Europa ein Hit.
Das Datenblatt der heutigen Version des Y-Slips böte Stoff für eine Doktorarbeit: die Unterhose «Spurt» ist über die Jahre ein bis auf die letzte Faser minutiös vermessener Standard geworden. Die Stoffausbeute beim Zuschnitt liegt um 73 Prozent, vernäht werden 5 Stoffstücke mit 28 Ecken und 4 sogenannten Knipsen (Nahtmarken). Die Nahtkanten werden mit einem Endlosband aus Baumwolle eingefasst, den Bundabschluss bildet das bedruckte Gummiband. Die Bundweite variiert von 33,5 bis 42,5 Zentimetern und ist, wenn die Unterhose getragen wird, nochmals um 50 Prozent dehnbar. Erhältlich ist der Y-Slip in sieben Farben und fünf Grössen, gewaschen werden darf er bei bis zu 60 Grad.
Von Andy Warhol ist übrigens bekannt, dass er nur weisse Y-Slips von Jockey trug. Und wahrscheinlich war er Rechtsträger. Warum sonst sollte er die Wölbung unter der Jeans auf dem Cover des Rolling-Stones-Albums «Sticky Fingers» rechts angelegt haben?