ALS KÜRZLICH ein niederländisches Magazin schrieb, dass die berühmten 133 Gumminoppen auf einer Tod’s-Sohle für rein gar nichts gut, sondern nur ein Marketing-Gag des Tod’s-Gründers seien, da musste Diego Della Valle den Kopf schütteln. Denn nur als Gag hatte er den komfortablen Schuh aus den USA nicht mitgebracht, damals, in den siebziger Jahren. Und nur Jux sind die Gumminoppen auch heute nicht, so Della Valle: «Die Sohle ist auf keinen Fall nur ein Statussymbol. Ich denke, dass jeder das bestätigen wird, der schon mal auf diesen Schuhen gegangen ist.»
Tatsache ist: Gommino-Loafers von Tod’s sind so etwas wie der Gipfel in Sachen persönlicher Luxus. Man geht darauf praktisch wie barfuss, die flexible Sohle lässt einen die Bodenbeschaffenheit und die Temperatur der Strasse erahnen, aber nie zu unvermittelt spüren. Gommini sind lautlos wie ein Indianermokassin. Natürlich trägt man sie am besten barfuss.
Wer je ein Paar dieser ursprünglich für Autofahrer entwickelten Mokassins besessen hat, der wird Diego Della Valle also dafür verzeihen, dass er die Gumminoppen heute auf so ziemlich alles montieren lässt. Man findet inzwischen nicht nur Mokassins, sondern auch Bootsschuhe, Ballerinas, Highheels, Handtaschen und sogar Lederjacken mit Noppenelementen an den Ellbogen.
Für Diego Della Valle eine logische Weiterentwicklung: «Heute sind die Noppen einfach unser Markenzeichen und als solches ein Symbol, das wir auch freier verwenden können.»
Die Gommini sind erfolgreich – 25 Prozent des Umsatzes im Schuhsegment erwirtschaftet das Unternehmen Tod’s damit. Diese Zahlen haben inzwischen natürlich Hunderte von Nachahmern auf den Plan gerufen. Den Unterschied machen laut Diego Della Valle «die Qualität des Materials, die Recherche, die im einzelnen Produkt steckt, sowie die Verarbeitungsqualität. Man kann das sofort sehen – und fühlen.»
Acht Stunden Arbeit stecken die Schuhmacher in jedes Paar Schuhe, das die Werkhallen im italienischen Comunanza verlässt. Die Produktion des klassischen Modells umfasst gut hundert Arbeitsschritte. Einer davon ist das Zusammenfügen der im Schuhinnern verlaufenden Gummisohle, deren Noppen exakt in die vorgestanzten Löcher des Leders passen müssen. Mit mächtigen Maschinen werden die beiden Teile zusammengenäht. Mögen diese Geräte noch so gut sein – wenn die Hand, die den Schuh unter diesem Dampfhammerding führt, nicht geschult ist, kann man den Schuh gleich wegschmeissen. Das Zusammennähen der Tomaia (Kappennaht) – natürlich von Hand – ist der schwierigste Teil des Fertigungsvorgangs.
Eine Warnung zum Schluss: Tod’s verlieren irgendwann zwar ein wenig die Form, aber sie werden dadurch nur noch bequemer. Sobald man aber nicht mehr auf den Noppen, sondern auf dem Leder läuft, sollte man die Anschaffung eines neuen Paars erwägen. Denn noch näher am Asphalt wird es wieder unbequem.