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Aus dem Vereinsleben -- Tanz der Toten
Von Andreas Dietrich
Herr Mörgeli, neben Ihrem politischen Mandat als SVP-Nationalrat bekleiden Sie auch das Amt des Vizepräsidenten der Europäischen Totentanz-Vereinigung. Worum geht es da?
Die Europäische Totentanz-Vereinigung ist eine ganz normale wissenschaftliche Gesellschaft: Wir fördern den Erfahrungsaustausch unter Mitgliedern und Interessenten, indem wir eine Zeitschrift herausgeben und Tagungen organisieren. Es gibt ein Archiv, ein Jahrbuch mit Bibliographie.
Welche Formen und Bedeutungen gibt es bei den Tänzen um den Tod?
In der Regel denkt man beim Totentanz an mittelalterliche Gemäldezyklen auf Kirchen- und Friedhofsmauern oder an frühneuzeitliche Drucke. Totentänze gibt es jedoch in weit vielfältigerer Gestalt: in Literatur und darstellender Kunst, im Film, in der Musik. Antike Dichter erzählten vom Reigen der Seligen im Elysium. In mittelalterlichen Sagen begegneten Menschen bei Nacht fröhlichen Verstorbenen, die gemeinsam musizierten, sangen und tanzten. Heute geht alles: Zeitzeugnis und Zukunftsvision, Erbauungsbuch und Horrorfilm, Mahnmal und seichte Erotik.
Was fasziniert Sie daran so besonders?
Die Vorstellung vom Tanz der Toten ist uralt, und einige der frühesten und bedeutendsten Zeugnisse stammen aus der Schweiz. Zu den Künstlern, die Totentänze geschaffen haben, gehören nicht nur Hans Holbein und Gottfried Keller, sondern auch Hugo Ball, Jean Tinguely und Adrian Marthaler. Die Sache ist fester Bestandteil unserer Kultur, ein Stück Heimat sozusagen.
Gibt es auch politische Totentänze?
Totentänze waren spätestens seit der Reformationszeit politisch. Zu Propagandazwecken wurden makabre Bilderfolgen allerdings erst seit der Französischen Revolution benutzt: Die Liberalen stellten die Freiheit als Überwinderin des Todes dar, die Konservativen zeichneten die Revolutionäre im Gegenzug als Handlanger des Knochenmanns. Heute glauben viele, dass Totentänze ein Thema für Pazifisten und Umweltschützer seien. Das stimmt für manche Graphikzyklen, die seit dem Ersten Weltkrieg entstanden sind, aber längst nicht für alle.
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