In Norwegen werden Versuche unternommen, in Tanks, die mit Kühlwasser aus Kernkraftwerken auf 20 bis 25 Grad temperiert sind, Steinbutt zu züchten, einen der edelsten und teuersten Speisefische. Dem Wolfsbarsch soll ein Lachsgen eingebaut werden, um ihn kälteresistenter zu machen. Der Lachs wiederum wird schon heute mit Futterzusätzen aufgepeppt, damit er, wenn er schon nach nichts schmeckt, wenigstens mit einer schön orangen Farbe das Auge entzückt. In der Zucht liegt die Zukunft. Bis in fünfzehn Jahren, so schätzen Experten, wird die Hälfte der Speisefische aus Aquakulturen stammen.
Ausgerechnet der Fisch, der lange Zeit als besonders gesund gepriesen wurde und als Alternative zum Fleisch auch im Binnenland Schweiz zunehmend den Speisezettel zu bereichern begonnen hat, ausgerechnet der Fisch droht wie Rind- und Schweinefleisch mehr und mehr in Verruf zu geraten. Nachdem der industrielle Fischfang mit Hochtechnologie einen erheblichen Teil der Ressourcen abgeräumt hat, wird nun die industrielle Aufzucht der Fische vorangetrieben. Und die Methoden sind einmal mehr jene, die man bereits aus anderen Bereichen der Nahrungsmittelproduktion kennt. Was zählt, ist der Ertrag. Ob die Haltung artgerecht ist, und ob das Produkt auch schmeckt, ist zweitrangig.
Natürlich ist der Fisch nicht zuletzt eine essentielle Proteinquelle, unerlässlich für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Allein damit lässt sich seine Ausbeutung aber kaum rechtfertigen, im Gegenteil. Doch die Einsicht setzt sich nur zaghaft durch. Erst auf Druck von Umweltorganisationen, die die Praktiken auf den Weltmeeren publik machten, sind erste Massnahmen getroffen worden, die dem Raubbau einen Riegel schieben sollen. Weitere Schritte werden folgen müssen, und dies gilt nicht zuletzt auch für die Information des Konsumenten, dem heute nicht viel mehr mitgeteilt wird, als dass der Fisch kein Vogel ist.
Wo kommt er her, der Fisch auf unserem Teller? Schwamm er wirklich frei im Meer? Oder nur in Tank oder Käfig? Was bei andern Nahrungsmitteln offen deklariert wird, ist beim Fisch Geheimsache geblieben. Warum eigentlich? - Zum Teil aus offenkundigen Gründen, wie dieses Heft zeigt.