Das Schwein erscheint im Oligozän, in Gesellschaft der Säbeltiger, der Vorfahren der heutigen Elefanten und Nashörner sowie der ersten Mäuse und Biber, und als sich der Mensch um das Schwein zu kümmern beginnt, sind Schaf, Ziege, Rind, Pferd und Hund längst schon seine treuen Gefährten geworden. An der Herausbildung unserer Hausschweinerassen waren die europäischen Wildschweine, das asiatische Bindenschwein und eine Kreuzungsform dieser beiden beteiligt. In den steinzeitlichen Seeufersiedlungen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz hielt man das Torfschwein als domestizierte Frühform.
Die Schwarzkittel, das heisst die wilden Schweine, lebten bei uns anfänglich vor allem im rauhen Klima des nördlichen Europa, weshalb Kelten, Germanen und Slawen die ersten waren, die sie domestizierten.
Kein Wunder also, dass die Begriffe Sau und Schwein vom gemeinindogermanischen «su» und «suwein» abstammen. Sau stand für Schwein ganz allgemein, ungeachtet des Geschlechts; deshalb der Ausdruck Sauhatz für Schweinejagd. Schwein dagegen bedeutete ursprünglich junge Sau.
Bei den Nordgermanen war das Schwein Opfertier. Der Eber war Freyr, dem Gott des Ackerbaus, die Sau dessen Gattin Freyja heilig. Der Keiler, das männliche Wildschwein, hiess Gullibursti, weil er goldene Borsten trug, die Bache, das weibliche Tier Hildisvini, heiliges Schwein.
Schweine galten immer als Zeichen der Sesshaftigkeit. Auch heute noch halten Nomadenvölker keine Schweine. Und im Frühstadium des Ackerbaus erwiesen sie sich nützlich als indirekte Helfer beim Roden, indem sie wühlend den Boden umbrachen, die Sämereien der Bäume frassen und die Schösslinge ausrissen.
Schweine wurden vielseitig eingesetzt Ägypter und Römer banden ihnen die Schnauze zu und liessen sie so nach Regenfall das Saatgut in die Erde einfahren. In Mitteleuropa, zumal in Frankreich, hat das Trüffelschwein von jeher auf steinigem Gelände und unter verkrüppelten Eichen nach dem schwarzen Diamanten, dem Edelpilz mit seinen knollenartigen Fruchtkörpern, gesucht.
Früher, als es weniger Menschen und Land im Überfluss gab und die Bauern extensiv arbeiten konnten, waren die Schweine noch Weidetiere und der Schweinehirt ein angesehener Mann. Dann aber, als die Zahl der Menschen unmässig wuchs, der Hunger der Menschheit grösser wurde und die Bauern intensiv zu wirtschaften begannen, hatte der Schweinehirt ausgehütet. Aus den hochbeinigen, spätreifen Landrassen züchtete man mittels geeigneter Kreuzungen frühreife Tiere, die mehr Fleisch und Speck ansetzten.
Von der Weide kamen die Schweine in die Ställe, und von der Stallbucht führte der Weg direkt in die Tötebucht am Anfang der Schlachtstrasse. Immer eintöniger erschien die einst farbenfrohe europäische Rassenvielfalt, und auch in der Schweiz blieben nur zwei weisse Schweine im Rennen.
An den Ohren sollt ihr sie erkennen, ist man geneigt zu sagen; denn der Rest ist, zumindest für Nichtschweinologen, schwer zu unterscheiden. Die zwei in der Schweiz offiziell anerkannten und geförderten Rassen sehen sich nämlich sehr ähnlich - bis eben auf die Ohren. Während das Edelschwein seine Lauscher spitzt, lässt das veredelte Landschwein sie hängen. Von der Wiege bis zur Schlachtbank muss das Schwein sein Sein durch Leistung rechtfertigen. Ein marktkonformer Schlachtkörper ist gefragt. Dem Züchter und Mäster soll er Gewinn bringen, dem Konsumenten muss er munden - aber teuer darf er nicht sein. Deshalb wurde die sportlich-elegante Wildsau in ein plumpes Fleischtier umfunktioniert.
Des Schweines Lebenszweck reduziert sich heute auf Fleisch, Wurst und Speck. Weil jeder Schweizer im Schnitt pro Jahr rund vierzig Kilogramm Schweinefleisch oder, bildlich gesagt, rund eine halbe Sau konsumiert, gehen für unsere Bäuche jährlich über drei Millionen Schweine ans Messer.
Das bedingt zwangsweise intensive Haltung; doch es rechtfertigt keine tierquälenden Haltungssysteme. Zum Glück ist man nun daran zu erkennen, dass auch in der modernen Schweinehaltung tierliches Verhalten kostenvernünftig berücksichtigt werden kann. Die Schweine danken dies, indem sie die während langer Zeit unterdrückten Verhaltensmuster wieder zeigen. In strukturierten Ställen erweisen sich Schweine als von Natur aus saubere Tiere, die Schlafplatz und «Toilette» zu trennen wissen, und in ethologisch durchdachten Abferkelbuchten kann man Muttersauen sogar beim Nestbau beobachten.