WRESTLING IST, wie andere Sportarten auch, eine gesunde Sache. Vorausgesetzt, man begnügt sich mit der Rolle des Zuschauers. Die ist allerdings nicht minder anspruchsvoll, zumal das Tempo im Ring enorm gestiegen ist: Heute muss ein Wrestler in fünf Minuten so viele Bumps hinnehmen wie früher in fünfzehn. Da heisst es, auf Draht zu sein, will man keine Powerbomb und keinen Piledriver verpassen.
Und davon hagelt's, wenn die Stars der Szene im Rampenlicht stehen, Leute wie The Big Show, Undertaker oder Mr. Ass. Es sind Männer, deren Lebensgeschichte - so das Magazin der World Wrestling Federation - eine Geschichte aus «Spass, Verwüstung, Blut, Tränen und Schweiss-Socken» ist. Männer, die ihren Gegner, kaum haben sie ihm einen Dropkick verpasst, ohne weiteres nach einer Clothesline pinnen, Männer, für die ein Chokeslam, ein Snap Suplex oder ein Fireman's Carry das sind, was für unsereins Rumpfbeugen, Liegestütze und ein Fruchtjoghurt.
Um Überraschungen sind diese Champions selten verlegen. In der Ausscheidung um den WWF World Heavyweight Title zwischen Cactus Jack und Titelverteidiger Triple H hat man sehen können, wie Cactus Jack plötzlich mit einem stacheldrahtumwickelten Holzscheit auf den Gegner losging, der seinem Herausforderer indes flugs den Prügel abnahm und damit seinerseits auf ihn eindrosch. Worauf Cactus Jack, nicht faul, einen Sack Reissnägel auf dem Boden ausschüttete, in denen er dann selber landete.
Nach 26 Minuten und 55 Sekunden war es soweit: Triple H verpasste Cactus Jack einen Pedigree, rettete seinen Titel und wurde auf einer Trage aus der Halle gebracht, vom Sieg total erschöpft. End of the story? Mitnichten! Wutentbrannt schnappte sich der Verlierer die Bahre und fuhr diese mit Karacho an den Ringrand, so dass Triple H erneut ins Seilgeviert geschleudert wurde, wo er nochmals eine Abreibung verpasst bekam. Soviel zur hohen Schule!
Wrestling ist ein schöner Sport und längst keine reine Männersache mehr. Die Kreativität, welche Frauen in dieser so körperbetonten, das äussere Erscheinungsbild pflegenden Disziplin an den Tag legen, ist nicht weniger beeindruckend: So zog Mae Young, eben zur Miss Royal Rumble 2000 gekürt, mit einem hautfarbenen Plasticoberteil mit künstlichem Extremhängebusen in die Schlacht. Was ziemlich Furore machte!