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NZZ Folio 06/08 - Thema: Perlen aus dem Internet   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Ein tierisches T-Shirt

© Patrick Rohner
Hundeshirt, Baumwolle, American Apparel, 23 Franken.
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Von Jeroen van Rooijen

Für diese Ausgabe unserer textilchirurgischen Rubrik, es ist übrigens die dreissigste Folge, verlassen wir für einmal die Sphären der menschlichen Bekleidung. Hier geht es um ein «Baby Rib Dog T» – auf deutsch: ein T-Shirt für Hunde. Wer schon einmal ein Pet-Center besucht hat, der weiss, dass ein fein geripptes T-Shirt erst der Anfang ist: Wer will, kann an solchen Orten auch Käppchen, Schals, wasserabweisende Mäntel, Pullover oder Schuhe für seine Vierbeiner kaufen.

Unser kleines Shirt stammt aber nicht aus dem Heimtiergrossmarkt, sondern vom amerikanischen Wirkwarenspezialisten American Apparel, der Firma des Ethikapostels Dov Charney, bekannt für bunte Shirts, Polos, Leggings und Hotpants. Das Hunde-T-Shirt ist ein Ausreisser: Sonst schneidert Charneys Truppe in Los Angeles doch eher für Menschen. Andere tierische Garderobenvorschläge sucht man hier also vergeblich.

Die Herausforderung für den Her­steller dürfte der Schnitt gewesen sein. ­Handbücher und Schnittpläne für alle möglichen menschlichen Bekleidungsbedürfnisse gibt es in Hülle und Fülle, aber man kann einem Hund ja nicht ein Menschenshirt überziehen. Es wäre am Rücken zu kurz, würde unter den Armen (also Beinen) kneifen und am Bauch schlabbern. Ein Hundeleibchen sollte eng am Rumpf sitzen – sonst verheddert sich der «Kunde» womöglich darin. Es muss am Rücken die ganze Länge bis zur Hüfte bedecken, am Bauch aber erheblich kürzer geschnitten sein, damit sich der Hund beim Gassigehen nicht selbst vollmacht.

Die Lösung ist ein aus drei Stücken Stoff geschnittenes und mit kontrastierenden Elasticbündchen abgesetztes Shirt. Den grössten Umfang hat das entlang der Rückenmitte im offenen Bruch geschnittene Kleidungsstück an der Brust, wo fast alle Hunderassen am kräftigsten gebaut sind. Auf dieser Oberweitenlinie werden die zwei Armlöcher relativ weit zur vorderen Mitte hin placiert. Die vordere Mitte verläuft von dort zur Taille und zum Halsloch hin enger. Vor der Brust ergibt diese Konstruktion eine kurze Horizontalnaht, die am ehesten mit einem Brustabnäher beim Menschen zu vergleichen ist. Die kurzen Ärmelchen haben extrem hohe Armkugeln und sehen, flach auf den Tisch gelegt, ein wenig aus wie die gekürzten Ärmel eines menschlichen Sakkos. Die Verarbeitung des Kleidungsstücks ist rasch erklärt: Alle Nähte werden mit einer elastischen Overlocknaht geschlossen.

Das Hundeshirt ist in zwei Richtungen dehnbar und in fünf Grössen von XS bis XL erhältlich. Die Herausforderung für den Hundebesitzer dürfte es aber sein, seinem besten Freund die modische Notwendigkeit zu erklären und ihm das gute Stück überzuziehen. Bei kleinen Hunden sei das kein Problem, so die offenbar mit dem Problem vertraute Verkäuferin der American-Apparel-Filiale in Zürich, bei grösseren Tieren könne es manchmal aber schon ein rechtes Gezappel geben. Falls der Hund nach dem Anziehen unerwartet losrennt und sich erst einmal in einer frisch gegüllten Wiese wälzt, ist das auch kein Drama: Die aus reiner Baumwolle gefertigten Shirts sind problemlos waschbar.

Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.



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