AUCH VOR DEM FENSTER GUTE ARCHITEKTUR
Pierre-André S., 46, verheiratet: «Flachdächer, Sichtbeton, Gärten ohne Zäune drumherum – die Sängglen überbauung in Pfaffhausen entspricht haargenau meinen Vorstellungen von guter Architektur und Siedlungsform. Ich bin schon hier aufgewachsen und habe später eine Zeitlang in New York gelebt. Als dann in der Siedlung ein Haus auf den Markt kam, packte ich die Gelegenheit beim Schopf. Seit gut einem Jahr wohne ich nun mit meiner Frau und der bald zweijährigen Tochter wieder da, wo ich herkomme. Das Haus ist eines der schönsten hier. Es war auch entsprechend teuer, aber es bietet sehr viel: viel Platz auf drei Etagen, ein riesiges Wohnzimmer, ein Hallenbad, einen schönen Garten und eine tolle Aussicht auf den Greifensee.
Ich sage immer: Im Traumhaus wohnt man selbst, das Nachbarhaus hat man dauernd im Blick. Darum schätze ich die Architektur hier, die Überbauung stammt aus den sechziger Jahren, sie hat ein einheitliches Konzept. Sie ist nüchtern und funktional, und es ist mir wichtig, das dies so bleibt. Nicht alle Nachbarn sehen das leider so: Gewisse Neuzuzüger wollen die Betonmauern weiss anstreichen oder farbige Rollläden anbringen. Dagegen wehre ich mich, schliesslich hat auch die Denkmalpflege die Siedlung vor kurzem als schützenswert deklariert.
Wir könnten aber auch gut an einem andern Ort leben. Wenn der Fluglärm noch intensiver wird, werden wir uns das früher oder später wohl überlegen. Vielleicht ziehen wir in die Stadt oder dann halt ins Appenzellerland. Ich könnte nämlich auch in einem Bauernhaus leben – sofern es ein echtes ist.»
ELTERNHAUS, LEBENSHAUS, FAMILIENHAUS
Paolo C., 60, verheiratet: «Unsere Viereinhalbzimmerwohnung in der Zürcher Altstadt ist eine verwinkelte Angelegenheit, sie geht über drei Stockwerke, jedes der Zimmer ist so breit wie das ganze Haus. Statt nebeneinander liegen die Zimmer halt übereinander. Ich habe die Wohnung geerbt, ich bin darin aufgewachsen, es ist mein Elternhaus. Ich war dann viele Jahre fort, habe auch im Ausland gelebt und kam wieder zurück. Ich wohne also in meinem Lebenshaus, das wir unseren Kindern weitervererben werden.
In einem Altstadthaus sind die Zimmer niedrig, aber ich mag das, das gibt mir das Gefühl von Geborgenheit, die Räume haben Atmosphäre, ohne dass man viel dazu beitragen muss: Die Winkel stimmen nicht ganz, die Böden sind leicht schief – es ist alles aus den Fugen, auf eine angenehme Art.
Man lebt hier in einem sehr fragilen System. Die Nachbarn sind einander sehr nahe. Alle sind darauf angewiesen, dass alle sich innerhalb gewisser akustischer und sozialer Grenzen bewegen. Jeder weiss: Wenn ich das Fenster öffne, hört das ganze Quartier mit. Wenn die Vorhänge nicht gezogen sind, sehe ich gegenüber jemanden nackt in der Wohnung rumlaufen, links schaue ich in die Pfanne auf dem Herd des Nachbarn, rechts auf die Zeitung, die dort einer auf dem Balkon liest. Aber auf mirakulöse Art funktioniert das Zusammenleben, es gab seit ewigen Zeiten keine Reklamationen. Natürlich hört manchmal einer idiotische Musik, aber das ist dann auch ein Test für mich selber: Wie sozial bin ich noch? Schliesse ich gleich das Fenster?
Unsere Kinder sind inzwischen erwachsen und wohnen jetzt in einer Zweizimmerwohnung im selben Haus. Sie können für sich sein, wenn sie wollen, und sie können mit uns zusammen sein, wenn sie wollen. So gesehen ist es ein Familienhaus.»
MAN MUSS UMS HAUS HERUMGEHEN KÖNNEN
Marianne W., 77, verwitwet: «Mein Mann und ich hatten eigentlich nie daran gedacht, ein Haus zu bauen. Aber dann wurde uns der Verkehrslärm in unserer Mietwohnung zu viel, eine passende neue fanden wir nicht, und so beschlossen wir zu bauen. Das war vor fast 25 Jahren. Mein verstorbener Mann war Architekt, er zeichnete die Pläne selber, und so konnten wir uns das Haus nach unseren Bedürfnissen massschneidern.
Entscheidend war die Lage. Die unglaubliche Ruhe, nahe am Wald in Brügg bei Biel. Zudem ist mein Mann nicht weit von hier aufgewachsen, das war also ‹sein Ort›. Wichtig war uns auch der Garten, den hatte ich mir immer gewünscht. Mein Mann wollte auch Obstbäume und eine Naturhecke, statt Rasen eine kleine Wiese, er hat auch ein Biotop angelegt. Wir haben oft zusammen den Fröschen zugehört. Sicher, die Bauerei war oft aufreibend, die Handwerker waren manchmal mühsam, aber es hat sich gelohnt. Als wir einzogen, war für uns beide klar: In diesem Haus werden wir bleiben.
Wir haben das Haus und den Garten sehr genossen. Im Sommer assen wir meistens draussen. Wir erlebten die Jahreszeiten ganz anders als vorher in der Wohnung, die Vögel, die morgens um fünf ein Konzert geben, den Igel, der nachts in der Hecke schmatzt, die Rehe, die aus dem Wald kommen. Da waren natürlich auch die Schnecken, die über den Salat herfielen, aber das nimmt man in Kauf.
Wir haben uns rundum wohl gefühlt hier. Eine Eigentumswohnung hatten wir nie erwogen, wir wollten, dass es ist wie hier: ein Schritt, und man ist draussen im Garten. Mein Mann sagte immer: Man muss ums Haus herumgehen können. Das hat er auch oft und gern getan. Auch wenn das Haus jetzt ein bisschen gross ist für mich allein, bin ich jedes Mal glücklich, wenn ich nach Hause komme.
DAS VERHINDERTE ALTERSSITZLI
Trix B., 58, single. «Ich habe vor 18 Jahren auf dem Land einen kleinen Hausteil gekauft, mit der Absicht, nach der Pensionierung von Luzern dorthinzuziehen. Unterdessen bin ich aber zum Stadtmenschen geworden, und in ein paar Jahren aufs Land zu ziehen, wäre ungefähr das Letzte, was ich möchte. Der Hausteil ist dafür auch überhaupt nicht geeignet, aber das hatte ich mit 40 nicht realisiert: Hanglage, mit jeder Menge Treppen, bis man nur schon an der Haustür ist.
Seit ich diese Wohnung besitze, gibt ein Mieter dem andern die Klinke in die Hand, fast immer waren das frisch geschiedene Männer, die sich ‹mit Sicherheit nicht so rasch wieder› mit jemandem zusammentunwollten. Nach einem Dreivierteljahr waren sie dann aber meistens wieder zu zweit, für zwei ist die Wohnung aber definitiv zu klein.
Jetzt steht die Wohnung leer, ich sollte sie unbedingt renovieren. Aber renovieren Sie mal was in Hintertupfigen, während Sie Vollzeit in der Stadt tätig sind. Da muss alles koordiniert werden, damit nicht der Maler vor dem Parkettverleger kommt. Verkaufen dito: Da müsste ich auch immer wieder hinfahren, denn so schnell ginge das Ding wohl nicht weg. Die Wohnung ist zwar hübsch, zweistöckig, mit Balkon und Gärtchen. Meine Bank führt sie als ‹Liebhaberobjekt›, worüber ich mich gefreut habe, bis ich merkte, dass das ein Euphemismus für ‹schwer verkäuflich› ist. Meine nette Singlewohnung hat leider keine Garage und keinen Keller. Mich überfordert das alles, manchmal denke ich, ich verschenk sie doch einfach der Heilsarmee.
Das Beste an der Sache ist noch, dass die 20 Prozent Eigenmittel und die Abzahlungsraten der Hypothek vor meinem Zugriff sicher waren. Ich habe nämlich keinen sonderlich guten Umgang mit Geld. Ein paar Tausender habe ich dennoch in den Sand gesetzt: Beim Kauf übernahm ich eine Festzinshypothek für, glaube ich, 3,75 Prozent, und als die nach drei Jahren auslief, war der Hypothekarzins hinter meinem Rücken und damit auch unbemerkt von meinen glücklichen Mietern auf ungefähr das Doppelte gestiegen. Der Mietzins liess sich dann natürlich nur in kleinen Schritten anpassen.»
FAST EIN BISSCHEN WIE IM HOTEL
Georg D., 46, single: «Ich habe kürzlich eine Maisonnettewohnung in einem Aargauer Städtchen gekauft, viereinhalb Zimmer mit Terrasse, 180 Quadratmeter, in einem modernen Bau. Ich hätte sie auch genommen, wenn es eine bezahlbare Mietwohnung gewesen wäre. Aber bei einer solchen Wohnung ist mieten nicht billiger als kaufen, also war der Fall klar.
Eigens dafür gespart habe ich nicht. Eine Wohnung zu besitzen, war für mich nicht ein Lebensziel, eher ein Zufall. Manches ist aber schon angenehmer als vorher in der Mietwohnung. Ich kann tun und lassen, was ich will, ich kann die Wohnung verändern, wie ich will. Ich kann auch Lärm machen, wann ich will; mit den Nachbarn habe ich Glück, das ist ja immer eine Zufallskonstellation. Dann habe ich auch viel mehr Platz als früher. Es hat etwas Befreiendes, von Zimmer zu Zimmer gehen zu können, aber es hat auch fast etwas Unheimliches, diese Grösse, wenn man allein lebt. Man muss sie ja mit Leben füllen.
Leider verbringe ich nicht mehr Zeit zu Hause als früher. Ausser am Wochenende bin ich vor allem zum Übernachten hier. Ein bisschen ist es wie im Hotel: Ich gehe am Morgen weg und komme am Abend zurück. Ich hoffe, dass sich das ändern wird. Am besten gefallen mir an meiner Wohnung das Licht und die Stille – und die Lage. Weil das Städtchen so klein ist, liegt sie am Rand und zugleich mittendrin.»
RESTLOS GLÜCKLICH IM FERTIGHAUS
Hanna P., 62, verheiratet: «Eine meiner Überlegungen, als wir vor 25 Jahren bauten, war: Was tue ich in einer Mietwohnung mit meinem Mann, wenn er einmal pensioniert ist? In einem Haus gibt es doch immer etwas zu werkeln. Den Anstoss gab aber, dass wir hier im Säuliamt Land vom Schwiegervater bekamen. Wir hatten zwei schulpflichtige Kinder und nicht sehr viel Geld.
Wir entschieden uns für ein Fertighaus, für das Penta von Haus + Herd. Es gefiel uns, und es war günstig. Der Katalogpreis war 164 000 Franken, mit der Erschliessung hat es dann aber 230 000 Franken gekostet. Wir nahmen das Haus ab Stange, einzig das Segeltuch als Geländer der Galerie wollten wir nicht, wir nahmen ein richtiges aus Holz. Für weitere Sonderwünsche reichte es nicht. Wir haben dann aber immer wieder etwas investiert, eine Lukarne gebaut, die Bäder erneuert. Letztes Jahr habe ich eine wunderschöne Küche bekommen.
Natürlich hat mein Mann mit dem Werkeln nicht bis zur Pensionierung gewartet, und ich wurde wider Erwarten eine begeisterte Gärtnerin. Wir hatten vorher in einem Block gewohnt, und es war ein unbeschreibliches Gefühl, etwas Eigenes zu besitzen. Sicher mussten wir uns ein wenig einschränken, aber wir hatten schon vorher keine grosse Sprünge gemacht. Ferien machten wir nicht oft, wir fanden: Was sollen wir wegfahren, wo wir es zu Hause doch so schön haben. Das fanden sogar die Kinder, die uns, als wir bauten, ihr Sparkässeli geschenkt hatten, als Beitrag zum Haus. Mit ungefähr zehn Franken und einem Glücksschweinkärtchen.
Wir waren restlos glücklich mit unserem Haus und sind es jetzt noch. Es war mit den drei grossen, abgeschlossenen Zimmern und dem offenen Wohnbereich ideal für uns als vierköpfige Familie, und wir gehen jetzt, wo die Kinder ausgezogen sind, auch zu zweit nicht verloren darin. Natürlich dachten wir manchmal, es wäre schön, wenn eines der Kinder einmal hier wohnen würde. Jetzt haben aber beide gerade selber gebaut. Aber vielleicht einmal einer der Enkel?»
ALLE WIEDER BEISAMMEN
Martin P., Sohn von Hanna P., verheiratet: «Ich war zwölf, als meine Eltern das Haus bauten. Am besten erinnere ich mich daran, dass plötzlich die abendlichen Regeln nicht mehr galten. Der Vater musste meistens noch auf die Baustelle, und ich ging oft mit, das war aufregend. Vom Zügeltag weiss ich nur noch, wie sie das schwere spanische Buffet die Treppe hinunterschleppten, wir hatten im vierten Stock eines Blocks gewohnt. Ich musste dort immer Treppen laufen, um ins Freie zu kommen, ich hatte Angst vor dem Lift. Im Haus konnte ich dann einfach aus der Tür, und bis die Umgebungsarbeiten fertig waren, hatten wir direkt davor eine grossartige Motocrossbahn.
Daran denke ich manchmal, wenn ich jetzt unseren kleinen Söhnen zusehe, wie sie Erdverschiebungen machen in der noch unfertigen Umgebung. Wir sind ja erst vor drei Wochen eingezogen. Ich glaube, dass ich immer etwas Eigenes wollte, hat mit solchen Erinnerungen zu tun. Ich wollte meinen Kindern die Freiheit, die ich hatte, auch bieten.
Dann war auch der Zeitpunkt günstig. Baukosten und Zinsen sind niedrig, das Land bekamen wir von meinen Eltern, die noch die Hälfte einer baufälligen Scheune besassen. Wir haben sie abgebrochen und ein Vierfamilienhaus erstellt, das zur Hälfte meiner Schwester und mir gehört. Meine Familie und ich haben auf zwei Stockwerken sechs Zimmer mit 180 Quadratmetern Fläche, eine riesige Terrasse und Garten, meine Schwester hat die Dachwohnung. Unsere Wohnung ist zwar mindestens so gut wie ein Einfamilienhaus, beim Bauen gab es ehrlich gesagt aber schon Momente, in denen ich mir ein Haus gewünscht hätte, weil wir dann allein über alles hätten entscheiden können.
Jetzt leben wir also alle wieder beieinander, ich kann von der Terrasse auf das Häuschen herabschauen, in dem ich gross geworden bin, und alle hoffen, dass das gutgeht.»
AM TAG DES EINZUGS DIE STELLE VERLOREN
Gaby P., 32, Schwester von Martin P., single: «Vorher mussten wir eine Stunde fahren, wenn wir einander sehen wollten, jetzt wohnen wir wieder alle beisammen. Nun müssen sich halt Regeln einspielen, ich werde jedenfalls nicht einfach bei den Eltern oder beim Bruder in die Wohnung laufen und möchte eigentlich auch nicht, dass sie es bei mir tun.
Als mein Bruder mich fragte, ob ich beim Bauen mitmache, sagte ich zu, weil es mich wundernahm, wie so etwas geht, aus Lust am Abenteuer. Ich habe die meiste Zeit im Hotelfach gearbeitet und war Herumziehen gewohnt, und eigentlich befremdete mich die Vorstellung: Da bist du jetzt. Als ich auf der Bank die Verträge unterschrieb, hatte ich extrem das Gefühl, ein Stück Freiheit zu verlieren.
Ich war mir immer im Klaren, dass die finanzielle Belastung einmal ein Problem werden könnte, aber das trifft für die meisten anderen, die Wohneigentum erwerben, auch zu. Damit, dass ich praktisch am Tag des Einzugs die Arbeit verlieren würde, habe ich aber schon nicht gerechnet. Ich habe jetzt aber drei Monate Zeit, eine neue Stelle zu finden, und wie ich mich kenne, finde ich auch eine; ich bin zwar wählerisch, aber nicht zimperlich. Mit der Kündigung verbindet sich denn auch nicht in erster Linie die Sorge, die Wohnung nicht bezahlen zu können – die liesse sich bestens vorübergehend auch vermieten –, sondern der Ärger über einen mit zu viel Kompetenz ausgestatteten unfähigen Vorgesetzten. Dafür kann ich die wunderschöne neue Wohnung jetzt so richtig geniessen.»
IN 10 JAHREN SOLL ES DANN ABER PERFEKT SEIN
Bruno K., 48, single. «Die 3-Zimmer-Mietwohnung in St. Gallen ist für mich als Single genau das Richtige. Ich bin geschäftlich oft unterwegs, darum ist es für mich nicht so wichtig, wie ich wohne. Hauptsache, es ist praktisch und der Aufwand hält sich in Grenzen. Trotzdem: Einen Drang zu etwas Eigenem habe auch ich. Vor gut zwei Jahren habe ich deshalb zusammen mit Freunden ein Haus in der Maremma gekauft. Das Anwesen umfasst ein Landhaus, Stallungen und drei Hektaren Land mit 60 Olivenbäumen. Es kostete 400 000 Euro, ein Viertel davon gehört mir.
Natürlich gibt ein solches Haus viel zu tun. Als erstes mussten wir das Dach flicken lassen, weil es hereinregnete, dann die Küche und das Bad. Das kostete nochmals 200 000 Euro. Drei Monate später wäre alles aber noch viel teurer geworden, denn in der Zwischenzeit wurde die Zone zum Erdbebengebiet erklärt. Nun ja, ein Haus im Süden ist eben immer auch ein Abenteuer, im Positiven wie im Negativen. Ich nehme das alles ziemlich gelassen. Dieses Haus ist ein langfristiges Projekt, und es macht mir nichts aus, wenn die Fenster noch nicht dicht sind und die Läden etwas schief hängen. In zehn Jahren sollte es dann aber schon mehr oder weniger perfekt sein. Bis dann werde ich hoffentlich auch einen grösseren Teil des Jahres dort verbringen können. Zu tun hat man auf seinem Landgut ja immer – langweilig wird’s mir dort bestimmt nicht.»
EIN HAUS NACH DEM ANDERN
Lotti A., 68, verheiratet: «Das Haus, in dem wir jetzt leben, haben wir vor 17 Jahren gebaut. Das Land dafür hatten wir schon, es lag unmittelbar neben unserem früheren Haus. Die Kinder waren ausgezogen, und mein Mann und ich fanden, wir brauchen doch nicht ein so grosses Haus; wenn alle Kinder gleichzeitig zu Besuch kommen wollen, müssen sie sich halt arrangieren. Sie hatten jedes Mal, wenn sie uns besuchten, in ihren alten Kinderzimmern alles liegengelassen, und wir konnten dann wieder aufräumen. Wir setzten uns mit einem Architekten vom Ökozentrum zusammen und sagten ihm, was wir brauchen: ein Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, ein Gästezimmer. Er schlug uns zuerst etwas Grösseres vor, plante einen separaten Essplatz. Wir fanden, der Esstisch in der Küche reiche. Wir sitzen jetzt auch alle immer in der Küche. Sie ist gross und offen, mit Holz vom eigenen Birnbaum. Wir besitzen auch einen Wintergarten, der uns das Haus heizt – wenn die Sonne scheint.
Wir mögen einfache Häuser ohne Schnickschnack. Unser jetziges ist mit Lärchentäfer verschalt und hat auch innen nichts Vornehmes. Schlichte weisse Kugellampen in den Gängen und im Bad, ein Holztablar statt Spiegelschränke. Der Umzug war einfach, für das meiste reichte ein Schubkarren. Wir haben vieles weggeworfen, und die Kinder haben Sachen mitgenommen.
Das frühere Haus, das wir 1973 gebaut hatten, ein Sichtbetonhaus, haben wir an eine Familie mit vier Kindern verkauft. Mit ihnen kommen wir glänzend aus, wir sahen ihre Töchter aufwachsen fast wie Grosskinder. Die Nachbarn wursteln im Garten, bedrängen uns nie, aber kommen, wenn sie etwas brauchen, und umgekehrt. Sie schauen zu unseren drei Schafen, wenn wir weg sind, und wir zu ihren zwei Kaninchen und den zwei Hunden.
Man wird nicht so entwurzelt, wenn man in ein neues Haus gleich nebenan umziehen kann. Wir haben uns beizeiten dafür entschieden, denn wenn man noch jünger ist, kann man sich besser einleben. Solange wir noch draussen das Grünfutter geniessen können, möchten wir hierbleiben.»
KOMM, WIR ZÜNDEN ES AN
Christine B., 33, nächstens verheiratet: «Wir sind 1995 in das Elternhaus meines Lebenspartners eingezogen, 1996 haben wir mit dem Umbau begonnen, und diesen Sommer wird er fertig sein. Es ist ein Einfamilienhaus von 1922, mit grossen quadratischen Räumen im viktorianischen Stil. Billiger wäre es gewesen, es abzureissen und ein neues hinzustellen, aber das wollten wir nicht, also machten wir ein Konzept und gingen Schritt für Schritt vor, immer gerade so weit, wie das Geld reichte. Mein Lebenspartner ist Maurer und hat praktisch alles selber gemacht. Ich war vor allem für den Abbruch zuständig und stand stundenlang am Kompressor. Wir erlebten viele Überraschungen. Die alte Heizung war draussen und die neue noch nicht in Sicht; da lebten wir halt einen Winter lang ohne Heizung. Die älteren Leute sagten uns zwar, ‹früher hatten wir noch Rauhreif auf der Bettdecke›, aber davon wurde uns auch nicht wärmer. Wir hielten uns fast nur noch in dem Raum mit dem Elektroofen auf. Ich arbeitete mit Handschuhen am Computer und duschte am Morgen in der Praxis, wo ich arbeite.
Dann hatten wir neun Monate lang keine Küche. Wir kochten auf zwei Einzelkochplatten auf einem fahrenden Gestell, das ich jeweils in die Nähe des Fensters rollte, damit der Dampf rausging. Der Kühlschrank war im Keller, das Geschirr oben im Dachstock. Wenn wir Spaghetti machen wollten, ging die Sucherei los. Besuch hatten wir vor allem im Sommer, wenn man draussen grillen konnte. Sonst war es kaum möglich. Einige haben zwar so lange gedrängt, bis wir sie einluden, aber es ist niemand ein zweites Mal gekommen.
Es hat schon auf die Lebensqualität gedrückt, kein Besuch mehr, man ging wenig aus, fuhr nicht weg. Man sparte möglichst alles Geld zum Weitermachen. Wenn wir nach einem anstrengenden Tag nach Hause kamen – es war kalt, es hatte keinen Strom, man konnte nichts kochen –, dann sagten wir manchmal: Komm, wir zünden es an!
Aber jetzt sind wir sehr zufrieden. Der Nachbar, der genau das gleiche Haus hat, hat immer einen Riesenfrust, wenn er zu uns kommt. Mein Partner sagt, wenn er jetzt hier rausmüsste, würde er eine Bombe legen; er habe nicht so geschuftet, damit dann andere hier drin wohnen. Heute verstehe ich, dass viele Leute heiraten, bauen und sich gleich wieder scheiden lassen. Wir haben immer gesagt, wir heiraten, wenn wir fertig sind mit dem Umbau. Wenn wir das schaffen, kann uns nichts mehr schrecken. Und diesen Sommer heiraten wir.»
Zusammengestellt von Lilli Binzegger, Andreas Heller, Reto U. Schneider und Daniel Weber.