ES KOMMT SELTEN VOR, dass es ein Country-und-Western-Song in wissenschaftliche Fachzeitschriften schafft. Doch Mickey Gilleys «Don't the girls all get prettier at closing time» wollten die Psychologen nicht unbeantwortet lassen. In «Werden die Mädchen nicht hübscher zur Polizeistunde: Eine Country-und-Western-Herangehensweise an die Psychologie» (Personality und Social Psychology Bulletin, Vol. 5, S. 122-125) fragten die Forscher Besucher einer Bar zu verschiedenen Zeiten nach Schönheitsurteilen über die andern Barbesucher. Die Antworten bestätigten die psychologische Tiefe des Songs: Je näher die Polizeistunde rückte, desto attraktiver erschienen die Personen des andern Geschlechts. Andere Forscher differenzierten später das Resultat: «Sie werden attraktiver zur Polizeistunde, aber nur wenn man keine feste Beziehung hat» (Basic and Applied Social Psychology, Vol. 18, S. 387-393). Wer sich übrigens am nächsten Morgen wundert, neben wem er aufwacht, findet vielleicht Trost in der Tatsache, dass es sich dabei um dieses psychologisch erklärbare Phänomen handelt. Die «bei Tageslicht eintretende Befriedigung (oder Reue) über die getroffene Wahl kann auf einer früher anderen Einschätzung der Attraktivität beruhen», heisst es in der Schlussfolgerung.