DIE KALTE KÜCHE ist bekanntlich weit aufwendiger als die warme, weil die Speisen vorher fast immer gekocht und dann wieder abgekühlt werden müssen. Zur kalten Küche zählen auch die sogenannten Resten, aus denen sich mit ein bisschen Phantasie ohne eine einzige Kochplatte ein herrliches Menu herbeizaubern lässt. Zur Vorspeise schlürft man die Suppe aus der Pfanne. Wer sich vor starr gewordenen Fettaugen ekelt, tunkt sie mit einem Stück Brot weg. Der Hauptgang ist aufwendiger. Man richtet Kartoffeln, Teigwaren oder Gemüse auf einer Platte an und leert Ketchup darüber. Wer zufällig noch einen Rest Fondue hat, kann diesen in kleine Fetzen schneiden und darüber streuen. Kaltes Fondue hat den Vorteil, dass es keine Fäden mehr zieht, aber noch den vollen Geschmack enthält. Ist kein Fondue zur Hand, kann man die Platte auch mit Rahm und Aromat abschmecken. Das Würgegefühl, das kalte Kartoffeln gerne verursachen, spült man mit Milch hinunter. Das Dessert ist Stilbruch, es lässt sich nicht verhindern. Zwar schlürft man wieder und schliesst damit den Kreis zur Vorspeise, aber man schlürft das seit Stunden herumstehende und lauwarm gewordene Schokoladeeis. Die beste Restenverwertung hat sich aber schon vor Jahren die Industrie einfallen lassen. Wer Büchsenravioli warm macht, ist selber schuld.