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Vereinsleben -- Morgenmuffel
Von Andreas Dietrich
Merlin Schuler, Sie sind Präsident des Vereins Nachtaktiv. Wann wurde er gegründet?
Am 1. Mai 1998.
Ich meinte: zu welcher Tageszeit?
Es war etwa 22 Uhr.
Ist das für Sie früh oder spät?
Mittendrin. Um sechs Uhr morgens ins Bett, um zwölf Uhr aufstehen, das ist der ideale Rhythmus für mich. Aber ich kann ihn selten einhalten. Derzeit bin ich Hausmann und muss meinen Sohn in den Kindergarten bringen. Wir schaffen es nicht immer pünktlich.
Wie war das, als Sie ein Kind waren?
In der Schule füllte ich mehrere Absenzenbüchlein im Jahr, da stand immer dasselbe drin: verschlafen.
Wofür setzt sich Ihr Verein ein?
Für die gesellschaftliche Anerkennung, dass es Menschen gibt, die einen anderen Wach-Schlaf-Rhythmus haben als die Mehrheit. Und dass die Konsequenzen gezogen werden: öffentlicher Verkehr rund um die Uhr, flexiblere Arbeitszeiten, längere Öffnungszeiten von Läden und amtlichen Stellen.
Manches davon ist in den Städten teilweise realisiert – schon häufen sich die Klagen über Nachtlärm.
Und wer schützt uns Nachtaktive vor dem Rasenmäher frühmorgens? Der grösste Radau geht ja am Morgen los.
Fühlen Sie sich diskriminiert?
Und wie! Das Vorurteil lautet doch: Nachts sind nur Polizisten und Räuber wach. Die grösste Diskriminierung besteht darin, dass Nachtaktivität nicht als normaler biologischer Unterschied gesehen wird. Es gibt Hetero- und Homosexuelle, Links- und Rechtshänder und eben Tag- und Nachtaktive.
Als Randgruppe sind Sie bestimmt schon von der SP umworben worden.
Die finden uns nicht so gut, weil wir längere Ladenöffnungszeiten fordern.
Dann von der SVP?
Auch nicht. Die wollen morgens um acht Uhr die Leute an der Arbeit sehen.
Unterstützen Sie irgendeine Partei?
Politisch nein. Technisch ginge es, dank der brieflichen Stimmabgabe.
info@nachtaktiv.ch
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