WER BISHER AM KUNSTVERSTAND von Tauben zweifelte, wird durch die Studie «Unterscheidung von Gemälden von Monet und Picasso durch Tauben» (Journal of Experimental Analysis of Behaviour, Vol. 63, S. 165-174) eines Besseren belehrt. Darin lernten acht Tauben zuerst, einen Monet von einem Picasso zu unterscheiden, und waren dann in der Lage, Gemälde nach Kubisten und Impressionisten zu kategorisieren. Das ist für die Tauben ein wichtiger Schritt in der kulturellen Entwicklung ihrer Art. Bisher wurden sie immer nur dabei beobachtet, wie sie ihrer Geringschätzung für die Kunst - vor allem für Statuen und Denkmäler - auf recht drastische Weise Ausdruck verliehen. Zwar wusste man, dass Tauben für die schönen Künste nicht gänzlich taub sind. In der Studie «Unterscheidung von Musik durch Tauben» (Journal of Experimental Psychology: Animal Behaviour Processes, Vol. 10, S. 114-125) hielten sie erfolgreich Werke von Bach und Strawinsky auseinander. Doch hatten sie bereits früher ihre Liebe zu Comics offenbart und sich dadurch den Ruf von Kunstbanausen eingehandelt. In «Die Analyse von Bildern durch Tauben» (Pattern Recognition, Vol. 12, S. 1-6) reagierten die konditionierten Tauben mit fröhlichem Picken, wenn ihnen ein halbverdeckter Charlie Brown gezeigt wurde.