DIE VERNETZUNG der Welt ist in vollem Gang, sagt der Pressetext. Alle Pressetexte sagen das, deshalb wird es oft gesagt; es gibt sehr viele Pressetexte. Sie sind überall, im Postfach, auf dem Schreibtisch, in der Aktentasche. Sie quellen aus dem Fax, sie sprengen die Papierkörbe. Niemand weiss, warum es so viele sind. Wahrscheinlich klappert neben jeder Software- eine Wortschmiede, und hinter jeder Schaltkreisfabrik stehen zwei Satzfabriken.
Das Digitale an sich ist ja nur eine Ansammlung langweiliger Einzelteile, ein Haufen Kabel, Platinen, Gehäuse und Silberscheiben. Um ein wenig Schwung in die Sache zu bringen, kombinieren Tausendschaften von Fachsprachkünstlern rund um die Uhr im Schichtbetrieb 26 Buchstaben.
Es muss gesagt werden, was gesagt sein muss: dass die Vernetzung in vollem Gang ist. Dass sich alles ändert. Dass niemand sicher sein kann, und zwar nirgends.
Selbst «die Folgen für die Faltschachtel», so ein Trendsetter in einem Trendletter, «sind absehbar», ganz zu schweigen von der heraufdämmernden «Automatisierung der horizontal integrierten Geschäftsprozesse, die in Kundenkontakt-Punkte münden». Wo soll das alles noch hinführen? Natürlich zu «Win-win-Situationen» mit «End-to-end-Lösungen». Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Das wird jeder Pressetext in astreinem Denglisch bestätigen.
Aus sprachpolizeilicher Sicht besteht Verdacht auf brutale multisegmentale Kürzungen, demotivierte Homonyme und Kontamination. Doch wenn es mit dem Fachchinesisch so weiter geht, ist selbst die Sprachwissenschaft mit ihrem gepflegten Latein bald am Ende. Es gibt so vieles zwischen A und Z, was man dort nie vermutet hätte.
Zum Beispiel riesige Begriffsmonster, gekreuzt aus wenigen unschuldigen Wörtern: «Augmented Reality System mit Personal Interaction Panel». Aber auch Produktnamen, die auf deutsch so herzig klingen, als wären sie das Ergebnis intellektueller Kinderarbeit: «Wort für Fenster», «Fotogeschäft», «Geräuschbläser».
Und Myriaden von Akronymen, die herumflattern wie Mückenschwärme und dem Laien so lange vor den Augen tanzen, bis er ohnmächtig in die starken Arme eines Experten sinkt: SQL und CRM, RSA und PDF, es wird schon wieder GUI. End-to-end gut, alles gut. Win-win!