NZZ Folio 12/00 - Thema: Spielzeug   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Dipl. psych. Samichlaus

Von Reto U. Schneider

WENN KINDER DEN STIEFEL vor die Tür stellen und Väter den weissen Bart montieren, packen die Psychologen den Fragebogen aus ihrem Sack. In der Arbeit «Kinderglaube an Nikolaus: Eine Entwicklungsstudie über Phantasie und Kausalität» (Journal of the American Academy of Child Psychiatry, Vol. 18, S. 658-667) wurde mit 72 Kindern ein «strukturiertes Santa-Claus-Interview (SCI)» geführt. Mit folgendem Resultat: «Alter, F (1, 105) = 6.55, p < .025; und Alter × Kausalität, F (1, 98) = 6.12, p < .025.» In Worten: «Der Glaube an den Nikolaus nimmt mit dem Alter markant ab.» Welche Kinderüberraschung! Die Nikolausforschung hat zweifellos zum Ziel, die Lüge vom Mann im Wald mit Rute und Esel wissenschaftlich für unbedenklich zu erklären und damit das schlechte Gewissen der Eltern zu beruhigen. In der Studie «Zusammentreffen mit der Realität: Kinderreaktionen auf die Entdeckung des Nikolaus-Mythos» (Child Psychiatry and Human Development, Vol. 25, S. 6784) reagierten Kinder positiv, als sie die Wahrheit erfuhren, die Eltern dagegen waren traurig. Grund genug für den Autor von «Einige Beobachtungen zum Nikolaus-Brauch» (Psychiatry, Vol. 14, S. 287-396), eine Breitseite abzufeuern: Der Nikolaus-Mythos diene Eltern dazu, «ihre eigenen infantilen Bedürfnisse zu befriedigen».




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