EINKAUFEN IM INTERNET ist kein besonders natürlicher Vorgang. Von der humanen Grundidee des Handels, dass Menschen einander nützlich werden, schimmert beim Ausfüllen wenig durch. Da ist keine Verkäufermiene, die man mit Gewinn studieren könnte; man steht immer allein an der Kasse, ohne Chance, mit der Vorderfrau und dem Hintermann einen Kollektivgeist zu bilden. Die Ware, zum Greifen nah, steckt hinter dem Bildschirmglas fest und kommt nicht wirklich in die Tüte, ein Albtraum für jeden Jäger und Sammler.
Nach einem digitalen Grosseinkauf ist man nie befriedigt, sondern höchstens erledigt. Es ist die totale Couch-Potato-Experience, und man fragt sich, wovon die Marktforscher eigentlich reden, wenn sie aus ihrem jeweiligen Kaffeesatz herauslesen, dass in zwei, drei Jahren mindestens 1000, wahrscheinlich 2000, höchstwahrscheinlich aber 3000 Milliarden Dollar durchs Internet rollen werden. Ob den gläsernen Konsumenten nicht fade wird, so allein im hermetischen Supermarkt?
Natürlich erleichtern gesichtslose Geschäfte bisweilen das Leben. Waren, die man sich antun muss, aber erwarten kann, losen weit weniger Depressionen aus, wenn man sie aus sicherer Entfernung in geschützter Umgebung bestellt, also zum Beispiel Herrenhosen. Einfach die Fahrgestellnummer eintippen und die gewünschte Farbe ankreuzen, ein paar Tage später steckt der Postbote ein passendes Beinkleid in den Briefkasten. Das Internet ist ideal für alles, was an der Ökonomie langweilig ist. Nichts gegen Akquisitionsformulare, Stücklisten und Lieferscheine: Aber es drängt sich der Verdacht auf, dass sie die eigentlichen Hoffnungsträger des E-Commerce sind. Lieferanten, Lagerverwaltern und Zwischenhändlern, überhaupt dem ganzen Fussvolk der Wirtschaft steht da noch einiges bevor: Bürowände müssen fallen, Akten aus tiefsten Schrankverstecken geholt werden, damit alle Branchen ihre Wertschöpfungsketten zusammenhängen und sich kostengünstig, hochautomatisiert und jederzeit gegenseitig in die Geschäftsunterlagen schauen können. Business to business heisst diese geschlossene Veranstaltung der Weltwirtschaft, und wenn ihre Segnungen auch ungewiss sind, nimmt sie doch den Erwartungsdruck vom Endverbraucher. Denn mehr noch als gläserne Konsumenten benötigt das futuristische Wirtschaften einen durchsichtigen Kapitalismus.