NZZ Folio 05/92 - Thema: Experimente   Inhaltsverzeichnis

Beim Wort genommen -- Definition der Kunst - Kunst der Definition

Von Manfred Papst

Nicht weniger als 1083 Definitionen häuft Andreas Mäckler in seiner Zitatensammlung «Was ist Kunst . . .?» (Dumont, 2. Auflage 1989) an. Die Bandbreite ist verblüffend.

So lesen wir von Frédéric Chopin: «Die Kunst ist nicht das, wofür sie der Laie hält, nämlich eine Art Eingebung, die ich weiss nicht woher kommt, ins Blaue hineingeht und nur das malerische Äussere der Dinge darstellt. Kunst ist die Vernunft selbst, die durch das Genie verschönt ist, aber einen vorgeschriebenen Weg geht und durch höhere Gesetze in Schranken gehalten wird . . .»

Hier kann Delacroix nicht an sich halten. Er kontert: «Kunst ist nicht, wie populär angenommen wird, eine Art Inspiration, von der niemand weiss, woher sie kommt, und die, von Zufällen abhängig, nur die malerische Oberfläche der Dinge darstellt. Es ist vielmehr die Vernunft selbst, verschönert durch das Genie in einem notwendigen Verlauf und bestimmt durch höhere Gesetze.»

Zwei Köpfe, eine Idee? Ein Kopf, zwei Übersetzer? Ein anderer Kopf - ohne Übersetzer - meint zur Kunst, nicht nur des Herausgebens:

«Kunst ist, wenn man's nicht kann, denn wenn man's kann, ist's keine Kunst» (Nestroy).


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