NZZ Folio 08/99 - Thema: Kiosk   Inhaltsverzeichnis

Dirty Cooking -- Tierische Manieren

Von Pia Horlacher

EINEM DIRTY COOKING folgt normalerweise ein Dirty Eating. Aber nicht jedem Dirty Eating braucht ein Dirty Cooking vorauszugehen. Denn der Kochvorgang als solcher, ob dirty oder clean, ist ja bereits ein zivilisatorischer Akt. Da können seine Konsequenzen noch so unzivilisiert sein (man lese die gesammelten Kotzbrocken in dieser Kolumne): Kochen ist die Überwindung des inneren Tieres.

Hie und da aber sollte man es herauslassen, zwecks Verhütung von Schlimmerem, und der Bestie gestatten, seine blutrünstigen Beisser hineinzuhauen in . . . nun ja, rohes Fleisch braucht es nicht gerade zu sein. Fast jedes gesunde innere Tier - ausser dem notorisch kränkelnden Würmchen des Vegetariers - lässt sich schon bereitwillig etwa mit einer dicken, fetten Wurst am Grillstand besänftigen, die beim kräftigen Zubiss nach allen Seiten spritzt. Die inneren Tiere von Berufsgruppen, die auf äussere Würde angewiesen sind, dürfen sich allerdings nicht ganz so öffentlich von der Leine der guten Manieren losreissen. Diskreter geht's allein zu Hause, nur Mensch und Tier, von Angesicht zu Angesicht. Oder Fratze zu Fratze.

Hier eines meiner Lieblingsrezepte für ein besonders schmutziges Dirty Eating: Man schneide zwei massive Stücke von einem Butterzopf (mindestens 3 cm), schmiere tüchtig zusätzliche Butter drauf (mindestens 1 cm), belege die eine Scheibe mit dick geschnittenen Cervelat-Rugeln (Zopfdicke oder mehr), stecke in die entstandenen Hohlräume eine Mayonnaise-Tube, drücke, bis diese überquellen (bei Variante light nur auffüllen), und verteile das Überquellende mit den Fingern. Zweite Zopfscheibe draufpressen, glücklich dem Glucksen der öligen Pracht zuhören, ihre gelb und rosa changierenden Abläufe mit weit offenem Mund auffangen . . .

Das Tier duschen. Seine Friedfertigkeit wird garantiert. Zeitlich beschränkt, natürlich.


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