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Editorial -- Scheich Superlativ
Von Andreas Heller
Nichts scheint unmöglich im Reich von Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum: In Dubai ragt der höchste Wolkenkratzer in den Himmel, hier gibt es die luxuriösesten Hotels, den grössten Flughafen und schon bald den grössten Vergnügungspark. Alles scheint machbar, was mit Geld zu machen ist.
Doch es gibt auch Tage wie diese: Es ist der 29. März 2008, für Scheich Mohammed der vielleicht wichtigste Tag im Jahr. Der komplette Geldadel der Vereinigten Arabischen Emirate und geladene Gäste aus aller Welt haben sich auf der Pferderennbahn Nad ash-Sheba versammelt. Die Polizeifanfare spielt auf. In der vordersten Loge sitzen Scheich Mohammed und seine Söhne, gekleidet in blütenweisse Dishdashas. Der Scheich, ein charismatischer Mann mit stechendem Blick und akkurat gestutztem Bart, verzieht keine Miene, wie immer. Nervös sind nur die Vollblutpferde, sie scharren im Sand, blähen ihre Nüstern.
Der Dubai World Cup ist – wie könnte es anders sein – das höchstdotierte Pferderennen der Welt. Preisgelder in der Höhe von über 21 Millionen Dollar winken, und der Scheich hat keinen Aufwand und keine finanziellen Mittel gescheut, alles, was im Pferdesport Rang und Namen hat, für dieses Rennen aufzubieten. Er selber ist Besitzer einer grossen Pferdezucht, und Jalil ist sein bestes Pferd im Stall, der Scheich hat es für eine Rekordsumme gekauft. Jalil und der italienische Starjockey Frankie Dettori sollen dafür sorgen, dass die begehrte Trophäe in Dubai bleibt. Als der Startschuss fällt, jubeln 60 000 Besucher, derweil Scheich Mohammed diskret zum Fernglas greift. Doch was er sieht, kann ihm nicht gefallen: Sein Jalil wird schon bald von einem Pferd aus einem amerikanischen Rennstall überholt und beendet das Rennen abgeschlagen auf dem 7. Rang.
Scheich Maktum ist ein ehrgeiziger Mann, ein reicher und tüchtiger Herrscher, ein Mann mit Visionen. Sein Wüstenstaat soll die Metropole des 21. Jahrhunderts werden, die modernste Stadt der Welt. Mit lautem Marketing, mit enormen finanziellen Mitteln und getrieben von einem grenzenlosen Optimismus verfolgt er seine hochfliegenden Pläne. Doch bisweilen muss selbst der scheinbar allmächtige Scheich eine Niederlage einstecken. Irgendwie tröstlich.
Andreas Heller ist NZZ-Folio-Redaktor.
Leserbriefe:
Zu Editorial -- Scheich Superlativ - NZZ-Folio Dubai (07/08)
Grossartiges Erlebnis. Ich sitze auf meinem Balkon im fast fertig gebauten Basel, die Sommersonne im Gesicht, einen Gin Tonic in der Hand und das Dubai-Folio vor Augen. Zu meinem geniesserischen Dolce far niente gesellt sich die institutionalisierte Dekadenz in der Wüste - welch sinnliche Freude! Danke, Folio. Oliver Gisi; Basel
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