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NZZ Folio 04/05 - Thema: Beim Zahnarzt   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Die Votivkerze schlägt zurück

Von Reto U. Schneider
Wer in der Hoffnung auf das ewige Leben fleissig Gottesdienste besucht, wird erfreut zur Kenntnis nehmen, dass er es durch den häufigen Besuch mancher Kirchen möglicherweise früher antreten kann als erwartet.

Holländische Forscher haben in einer Kapelle und einer Kathedrale Schwebestaubmessungen vorgenommen. Schon morgens lag die Konzentration der besonders gesundheitsschädlichen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern in der Luft drei- bis viermal höher als an einer stark befahrenen Strasse. Nach einem simulierten Gottesdienst in der Kathedrale mit Kerzen und Weihrauch stieg sie auf das Dreizehnfache. Und in der Kapelle war man am Abend – nach den üblichen neun Stunden Kerzenbrennen – sogar zwanzigmal so stark belastet wie durch den Verkehr. Und nicht nur das: Neben den schädlichen Partikeln fanden die Forscher in ihrer Studie «Radikale in der Kirche» (European Respiratory Journal, Vol. 24, S. 1069–73) auch die ebenfalls schädlichen Radikale in der Luft.

Vielleicht ist die kirchliche Luftverschmutzung aber keine Starthilfe für das ewige Leben, sondern der Racheakt der Kerzen. Die «Ehrlichkeit beim Anzünden von Votivkerzen» (Psychological Reports, Vol. 94, S. 1435–36) hat nämlich in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. 1998 bezahlten 92 Prozent aller Besucher der in der Arbeit genannten «Kirche im Zentrum einer Grossstadt im Nordosten der USA» die Kerzen, die sie sie anzündeten. 2003 waren es noch 28 Prozent.



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