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Klassische Rollenteilung
© Isabel Truniger, Zürich
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| Mit dem Zusammenleben ist auch das Gefühl für Häuslichkeit gediehen: Bernhard Gertsch und Thomas Peter. |
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Haushaltdebatten kennen sie keine. Zumindest keine offiziellen. Zu Besuch im Männerhaushalt von Bernhard Gertsch und Thomas Peter.
Von Daniele Muscionico
Typisch für uns ist, dass wir über den Haushalt nicht reden müssen. Wir sind uns einig.» Worin man sich einig ist, erläutert Bernhard Gertsch: «Ich bin fürs Feine zuständig und Thomas fürs Grobe. Man könnte sagen, ich übernehme die traditionell weiblichen Aufgaben, haushalte, putze und wasche, und er macht den Grosseinkauf.» Er, Thomas Peter, sieht das so: «Wir suchen den Lasten- und Pflichtenausgleich. Ich bin für die Logistik zuständig.»
Logistik beginnt in diesem Hauhalt mit A: A wie Abfall, Altglas, Altpapier und (Lebensmittel-)Aktionen. Gerne darf man auch Annageln und Anbinden dazurechnen. Die A-Aufgaben fallen Thomas Peter zu, Jurist und Verwaltungsdirektor, die B- bis Z-Aufgaben Bernhard Gertsch, Deutschlehrer in einem Durchgangsheim für Asylbewerber, Tänzer und Choreograph. Das unterschiedlich temperierte Paar lebt seit fünf Jahren zusammen, seit dreieinhalb Jahren in einem Einfamilienhaus in einer Neubausiedlung. Statt eines Rasens findet man ums Haus Steine, und mit dem Nachbarn teilt man einen Schwimmteich.
Die Rollenverteilung lässt sich an einem Beispiel festmachen: Einmal jährlich bestellt Peter das Holz für den Ofen, der Part von Gertsch ist es, das Bestellformular dafür zu finden. Bernhard Gertsch ist so etwas wie der Haushaltvorstand, da er öfter zu Hause ist als sein Partner und Haushalten ihm «zügig von der Hand geht». Organisieren, professionelles Putzen hat er im Gastgewerbe gelernt. Statt einen Anteil am Mietzins zu zahlen, setzt er wöchentlich einen Tag ein, acht bis zehn Stunden, um das Haus in Schuss zu halten. Die sechs Zimmer («fünfeinhalb», präzisiert sein Freund) hat er in vier Stunden geputzt.
Und seit er eine Dampfstation besitzt, dauert das Bügeln eines Hemdes nur noch drei Minuten. Wäsche und Haus in tadelloser Verfassung zu wissen, bedeutet ihm viel. Zudem sind oft Gäste da, und da will man zeigen, dass so ein Lasten- und Pflichtenausgleich tatsächlich funktioniert. Gertschs spiegelblanke Küche ist der beste Tatbeweis. Das Ess- und Wohnzimmer erinnert an eine stilbewusste Wohnausstellung, die eine feine Hand mit einer feinen Duftnote parfümiert hat.
Sie haben oft Gäste, auch weil Peter gerne kocht. Und gut kocht, sagt Gertsch. Er selber kocht für sich, wenn er allein ist, nur Kleinigkeiten, das, was er eben im Kühlschrank findet. Gertsch schreibt während der Woche seine Einkaufswünsche auf Zettelchen: «Dann marschiert Thomas am Samstag los und kauft ein, was ihn gluschtet.» Meistens kommt mehr zusammen, als auf der Einkaufsliste steht. Gertsch weiss, dass sein Lebenspartner über die Angebote beim Grossverteiler ebenso Bescheid weiss wie er über Barockmusik und historischen Tanz, also lässt er den Einkauf dessen Angelegenheit sein. «Bei wichtigen Sachen bin ich aber natürlich dabei.» Wichtige Sachen sind Haushaltgeräte wie Bügeleisen oder Staubsauger.
Peter kauft aufwendig und intuitiv, und ähnlich kocht er auch. Am liebsten am Wochenende, wenn er Zeit hat. Sein Fleisch und seine Saucen würden von allen gerühmt. «Du bäckst auch gern!», erinnert ihn sein Freund. Peter sagt: «Beim Kochen fühle ich mich fast wie eine Hausfrau», was ein wenig nach einem erpressten Geständnis klingt. Den Abwasch nach der ausgreifenden Kocherei übernimmt Gertsch gern. Lasten- und Pflichtenausgleich, wie gesagt. Peter weiss, was da in Rechnung zu stellen ist. Er hat fünf Jahre lang einen «Vollhaushalt» geführt, seinen eigenen, mit Bügeln samstagabends vor dem Fernseher und ohne Putzfrau, wie andere Single-Männer sie sich zu leisten pflegen.
Man kennt in diesem Haushalt also keine Haushaltdebatten. Zumindest keine offiziellen. Inoffiziell wird dann und wann darüber diskutiert, ob man Brot besser öfters kauft und sofort verbraucht oder in grösseren Mengen einfriert und je nach Bedarf auftaut. (Man hat nun als Alternative das eigene Brotbacken entdeckt.) Ein Gesprächsthema ist auch, wie voll ein Kühlschrank für Gertsch ist, wenn Peter ihn bereits als leer bezeichnet. Peter neigt dazu, sich Notvorräte anzulegen, Gertsch würde es vorziehen, wenn öfters frische Lebensmittel im Haus wären. «Wir werden dank Thomas’ Vorräten jedenfalls nie verhungern.»
Bernhard Gertsch ist zuständig für den perfekten Zustand der Innenräume, Thomas Peter legt sich dafür draussen ins Zeug: Im Garten ist er Herr über eine Kohorte tontopfiger Kübelpflanzen, Oleander, Palmen, Orangen-, Zitrus- und Olivenbäume. Gertsch fühlt sich eher den drei, vier kleinen Beeten zugetan, in denen Küchenkräuter wachsen.
Seit sie zusammenleben, ist auch das Gefühl für Häuslichkeit gediehen, sagen die beiden. Peter schätzt unter anderem, dass er das Kochen und Essen mit jemandem teilen kann und dass man sich in vielen Kleinigkeiten des täglichen Lebens mehr Mühe gibt. Und auch darüber ist man sich einig: «Zusammen haben wir einfach mehr Stil.»
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