NZZ Folio 11/01 - Thema: Indien   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Nacktheit betreffend

Von Reto U. Schneider

UND WIEDER GELANG ES der Wissenschaft, ein hartnäckiges Vorurteil zu bestätigen: Nackte Frauen wirken auf Männer anders als angezogene. Die «Überprüfung von rechtlichen Annahmen über den erotischen Ausdruck betreffend den Effekt der Nacktheit und der Nähe zum Zuschauer von Tänzerinnen» (Law and human behavior, Vol. 24, S. 507-533) wollte die Annahme des obersten Gerichts der USA im Fall Barnes gegen Glen Theatre Inc. verifizieren: «Gesetzliche Beschränkungen zur Nacktheit von Tänzerinnen und die Tänzerinnen-Zuschauer-Nähe haben keinen Einfluss auf den Inhalt der Botschaften, die Erotiktänzerinnen vermitteln.»

Die sechs beteiligten Forscher führten einen Versuch durch, bei dem «Tänzerinnen-Nacktheit (nackt gegenüber teilweise bekleidet) und Tänzerinnen-Zuschauer-Nähe (4 Fuss; 6 Inch; 6 Inch und Berührung)» unter kontrollierten Bedingungen in einem Nachtklub verändert wurden. Im Dienste der Wissenschaft sahen sich die männlichen Gäste die Vorführungen an und füllten danach Fragebogen über ihre «Erregungszustände und die Aufnahme von erotischen, intimen und sozialen Botschaften» aus. Entgegen der Annahme des Gerichts blieb der Grad der Nacktheit und die Nähe der Tänzerinnen bei den Männern nicht ohne Wirkung.




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