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Duftnote -- Wie riecht sauber?
© Fabienne Boldt
Von Luca Turin
Ein pfiffiger Wissenschafter, der bei einem grossen Seifenhersteller für die Verbesserung des Geruchs gewaschener Kleidung zuständig ist, klagte mir neulich sein Leid. Nicht nur die Kosten, die Umweltschutzbestimmungen und die Tatsache, dass Seifenpulver kaum noch perfektioniert werden kann, machen ihm das Leben schwer. Er hat ein grundsätzliches Problem: Waschen bedeutet die Entfernung öliger Substanzen – und Parfum ist ölig. Ein Parfum zu entwickeln, das sich während der Wäsche an den Stoff heftet wie eine Klette im Wirbelsturm, ist nicht leicht. Oder wie er selbst meinte: «Erst holen wir den Geruch raus, dann setzen wir ihn wieder zu.»
Was mich darauf brachte, dass wir genau dasselbe tun, wenn wir duschen. Wir entfernen den Geruch und den Schmutz (und, wenn Sie mich fragen, auch einen Teil unserer Seele, der jedoch stets nachzuwachsen scheint), trocknen uns ab und tragen neuen Geruch auf. Aber auch die Seifen, Shampoos und Pflegespülungen, die wir benutzen, sind parfümiert, denn Seife als solche hat einen eher unangenehmen Geruch. Es läuft also auf einen dreistufigen Prozess hinaus: Abwaschen des Körpergeruchs und des schal gewordenen Parfums, Ersatz durch einen temporären Duft, der uns sagt, dass wir «sauber» sind, Überdecken mit einem neuen Duft.
Man muss sich klarmachen, dass jeder wirkliche Duft unsauber ist. Er funktioniert wie Make-up. Dies galt besonders in den 1980er Jahren, als durchdringende und hartnäckige Düfte wie Opium, Poison und Giorgio die Welt beherrschten. Als der grosse Issey Miyake 1990 beschloss, seinen eigenen Duft zu kreieren, sollte dieser nur nach Wasser riechen – und jedermann war erleichtert. Sein Eau d’Issey war ein Riesenerfolg.
Die Jungen heute weigern sich noch immer, so zu riechen wie Mama. Wie also soll man ihnen Düfte verkaufen? Die klassischen Seifendüfte wieder intensiver zu machen, kann nicht die Lösung sein. Vielleicht ist der perfekte Sauberkeitsduft eine Mischung aus allem, was man beim Waschen benutzt – wie jene irritierend schönen Durchschnittsgesichter, die aus der Überlagerung von Hunderten von Fotos im Computer entstehen.
Wonach würde eine solche Mischung riechen? Merkwürdigerweise nach seifigem Obstsalat. Seit den frühen 1970ern und L’Oréals erstem Apfelshampoo haben fruchtige Noten das Badezimmer erobert. Die US-Firma Bath & Body Works war eine der ersten, die den Zeitgeist erkannten: Sie brachte vor einigen Jahren eine Reihe billiger, seifig-fruchtig-blumiger Düfte heraus und verdiente damit ein Vermögen.
Inzwischen sind achtzig Prozent der Neulancierungen schreiend fruchtige Blumendüfte. Das ist der Grund, weshalb Shampoos schmutzig riechen. Doch sicher steht uns demnächst ein neuer Waschgang ins Haus.
Luca Turin ist Forschungsleiter bei Flexitral Inc.; er lebt in London.
Leserbriefe:
Zu Duftnote -- Wie riecht sauber? - NZZ-Folio Tiefsee (07/07)
"Doch sicher steht uns demnächst ein neuer Waschgang ins Haus", schreibt Luca Turin. Dieser Waschgang existiert seit über 20 Jahren. Ein natürlicher, biologischer Geruchsvernichter. Dauerwellen rochen nach Salmiak. Der letzten Spühlung 1% Geruchsvernichter beigeben. Resultat: "Odeur Zero" !! Dies gilt auch nach einem Fondu in der Wohnung, etc. Eugen H. Wehrli, Birmensdorf
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"The Emperor of Scent" von Chandler Burr ist eine spannende Darstellung von Leben und Arbeit Luca Turins, der eine faszinierende Theorie entwickelt hat, wie unser Geruchssinn eigentlich funktioniert.
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Interview mit Luca Turin
NZZ-Format, das Fernsehmagazin der NZZ, hat im November 2006 einen Special zum Thema Parfum ausgestrahlt. Die Sendung ist auf DVD erhältlich und enthält als Bonusmaterial unter anderem ein Interview mit Luca Turin (in Englisch).
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