|
|
NZZ Folio 01/08 - Thema: Jung und jüdisch Inhaltsverzeichnis
Editorial -- Generation J
© Suzanne Schwiertz
|
| Wie lebt es sich als Orthodoxer mit fünf Kindern in der Westbank, Herr Ambühl? |
|
 |
Von Mikael Krogerus
Es ging schon los mit dem Thema: Darf man ein Folio über Juden machen und es dann auch noch so nennen? Versteht man die Referenz zu «Superman» im Titelmotiv, oder erinnert es am Ende an den Judenstern? Für dieses Folio haben wir die üblichen Bedenken und Unsicherheiten in Bezug auf «die Juden» abgelegt und uns neugierig umgeschaut: Wie geht es eigentlich den jungen Juden? Was machen sie? Wovon träumen sie? Was ist ihnen wichtig im Leben? Wir sprachen mit säkularen (also weltlichen) Juden, mit Konvertiten und Orthodoxen. Über einen Kamm scheren lassen sich ihre Aussagen natürlich nicht. Während manche ihr Selbstverständnis vollkommen aus dem Jüdischsein ableiten, ist es für andere nur eine von vielen Facetten ihrer Identität. Aber alle Geschichten zeigen, dass die jungen Juden in der Mitte der Gesellschaft leben, während wir Nichtjuden nicht zu begreifen scheinen, dass es neben Holocaust-Gedenkkultur und Israelkonflikt ein Jüdischsein gibt, das unbeschwert und lustvoll ist – egal, ob religiös oder weltlich.
Vor allem aber zeigen die Geschichten die Ambivalenz des Jüdischseins. Unsere Gesprächspartner und Autoren betonen einerseits ihr Interesse am Judentum. Andererseits erzählen alle von einem ständigen inneren Verhandeln der eigenen jüdischen Identität. Das gilt für den 22-jährigen Orthodoxen im Zürcher Schtetl ebenso wie für die 25-jährige Chefredaktorin des provokanten New Yorker Magazins «Heeb». Ein sympathisches Hadern, offensichtlich ein Wesenszug des Jüdischseins, das sich vielleicht am besten in dem alten Groucho-Marx-Witz zusammenfassen lässt: «Ich möchte keinem Club beitreten, der mich als Mitglied akzeptiert.» In diesem Heft finden Sie widersprüchliche, unerwartete jüdische Geschichten von Vertretern einer Generation, die sich selbst nicht immer ernst nehmen und doch nichts anderes sein wollen als das, was sie sind.Mikael Krogerus
Mit dieser Ausgabe begrüssen wir zwei neue Rubriken: In «Rätselhaft» wird der bereits aus dem Dezember-Folio bekannte CUS zukünftig jeweils zum Heftthema ein Rätsel präsentieren. Und Andreas Heller wird Schweizer Köchen «Am Herd» in die Töpfe schauen.
Wie lebt es sich als Orthodoxer mit fünf Kindern in der Westbank, Herr Ambühl? Lesen Sie diese Geschichte exclusiv im Internet "Der Chassid von Monstein".
Leserbriefe:
Zu Editorial -- Generation J - NZZ-Folio Jung und jüdisch (01/08)
Die wohl gutgemeinte und für die Juden sympathieheischende Folio-Ausgabe ist mitunter misslungen. Mit aufgesetzer Ironie, verkürzten Aussagen und verwirrlichem Hin- und Herspiel ("ein Jude ist kein Jude ist ein Jude") werden keine Unbekannten geklärt. Einige wenige Artikel bemühen sich vielleicht noch ansatzweise um die Aufwerfung grundlegender Fragen wie Identität und Definition des Judentums und des Jude-Seins. Doch die wahren Probleme liegen woanders. Im 21. Jahrhundert und dem Zeitalter des wissenschaftlichen Rationalismus - wo die Quantenphysik und Molekularbiologie zu Leitwissenschaften aufgestiegen sind - sind alle metaphysischen Aussagen - sprich Religion und sonstiges - ihrer Legitimation längst verlustig gegangen. Richard Wyler, Hergiswil
Zu Editorial -- Generation J - NZZ-Folio Jung und jüdisch (01/08)
“Bilder. Die Superjuden. Für dieses Folio hat die Fotografin Suzanne Schwiertz, Zürich, die jüdischen Protagonisten porträtiert”. So lautet der Hinweis auf die Bilderstrecke des Folios vom Januar zum Thema “jung und jüdisch”. Das gewählte Fotokonzept allerdings hält nicht, was die Ankündigung verspricht. Oder sind etwa ein Beschneidungsmesser, ein Thoramantel die ‘jungen Protagonisten’ im Heft? Museal okkult kommen diese inszenierten Objektbilder daher, die mit den Textbeiträgen leider nichts zu tun haben. Weshalb die Kultgegenstände in einer Ausgabe, die junge Juden ankündigt, in mysteriös wirkender dunkler Umgebung präsentiert werden, bleibt unklar. Weshalb die beiden männlichen Protagonisten so theatralisch wie Banker, die sie nicht sind, ausstaffiert wurden, wie man ihnen im Alltag gar nie begegnet, bleibt ebenso rätselhaft wie das überflüssige Bild einer Stirn und eines Auges hinter einem Vorhang. Insgesamt nährt das Bildkonzept alte Vorurteile. Es bleibt nach der Lektüre der Eindruck, der Fotografin seien die Texte des Heftes unbekannt gewesen. Michael Guggenheimer, Zürich
Zu Editorial -- Generation J - NZZ-Folio Jung und jüdisch (01/08)
Mein Name ist Klaar, ich bin nichtjüdisch und ich frage mich, wie Sie es zustande bringen auf so wenigen Seiten in einem monatlichen NZZ Folio mehr Hirn unterzubringen, als es eine österreichische Tageszeitung in einen Jahr schafft? Respect, Respect! Fred Klaar, Baden, Österreich
Zu Editorial -- Generation J - NZZ-Folio Jung und jüdisch (01/08)
Das NZZ Folio mit dem Neugier erweckenden Titel "Jung und jüdisch. Jetzt mal Tacheles!" hält was es verspricht: es ist hervorragend. Ich habe es mit Interesse gelesen und v.a. mich sehr gut dabei unterhalten. Es ist ein wenig schräg, geht humorvoll mit dem Thema um und mir gefällt die Vorbehaltslosigkeit, mit der Sie die Juden behandeln, eben ganz normal, ohne Scheu ohne Furcht und ohne vermeintliche Political Correctness. Sie nennen die Juden und das, was sie bewegt oder eben nicht bewegt, beim Namen. Schade, dass ich so schnell mit dem Lesen fertig war. Jasmina El-Sonbati, per E-Mail
Zu Editorial -- Generation J - NZZ-Folio Jung und jüdisch (01/08)
"Jung und jüdisch" steht auf dem Umschlag des ersten NZZ Folios dieses Jahres. Nach der Lektüre des Heftes bleibt nur eines: Die Nummer ist ein ungedeckter Scheck geblieben. Denn im Heft ist wenig zu entdecken, das jung ist. Und lauter bekannte Klischees kommen auch noch vor. Aber es kommt noch schlimmer: Sie lassen in zwei grösseren Beiträgen Menschen zu Wort kommen, die ungenannt bleiben. Das ist nicht NZZ-like!! Wo ist da der Journalistenehrgeiz geblieben? Wer beweist uns Lesern, dass es sich hier um wirklich existierende Personen handelt? Dass gleich drei grössere Beiträge in einer Folionummer vom selben hauseigenen Redaktor stammen, riecht nach Verlegenheitslösung. Und dann die Rubrik mit den jiddischen Lieblingsworten: Alles Ausländer aus dem angelsächsischen Raum und eine Ehrenschweizerin. "Jung und jüdisch"? Nicht gefunden. Gesamtnote: Ungenügende Arbeit. Nein, zum Jahresbeginn keine Glanzleistung. Schade. Beat Arnold, per E-Mail
Zu Editorial -- Generation J - NZZ-Folio Jung und jüdisch (01/08)
Das neue Folio ist toll – herzlichen Dank! Endlich einmal etwas Fundiertes, Unverkrampftes, Witziges zu diesem Thema, das reges Interesse weckt und Fragen zu beantworten sucht, die nichtjüdische Leser sich schon lange stellen. Man wird bei der Lektüre noch «gwundriger» und möchte gern noch mehr erfahren. Aber lassen Sie uns doch noch wissen, was die Abbildung auf dem Titelblatt bedeutet beziehungsweise wofür das Abzeichen steht – im Heft habe ich leider keinen Hinweis darauf gefunden. Thomas Freivogel, Zürich
Das Titelblattmotiv ist eine Abwandlung des Zeichens, das «Superman» auf der Brust trägt (im Original ein «S»). Der Artikel «Ist Superman Jude?» erzählt von den jüdischen Schöpfern des Comic-Helden. (Die Red.)
Teilen
Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.
Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.
|
|
|