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NZZ Folio 06/09 - Thema: Am Schwarzen Meer Inhaltsverzeichnis
Beim Coiffeur -- «Ich bin ziemlich talentiert»
© Daniel B. Peterlunger
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| How Khaow, Luang Prabang, Laos. |
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Sein Salon ist Treffpunkt der Transvestiten in Luang Prabang, aber How Khaow frisiert auch Bauern in der Provinz. Einmal Haareschneiden, bitte!
Von Daniel B. Peterlunger
How Khaow, Luang Prabang, Laos, ist 25 Jahre alt, ledig. Er arbeitet seit sechs Jahren als Coiffeur. Er wohnt kostenfrei bei seinen Eltern im familieneigenen Fünfzimmerhaus. Sein eigener Salon steht neben dem Elternhaus und ist ein Treffpunkt der Transvestiten der Stadt. Hier schminken sie sich, bevor sie abends ausgehen. How Khaow verdient in guten Monaten rund 200 Franken, in schlechten die Hälfte. Das ist ein für laotische Verhältnisse guter Verdienst und reicht in Luang Prabang gerade zum Überleben.
Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Frauen aller Altersstufen tragen sogenannte Highlights, Aufhellungen, in den Haaren. Primarschüler tragen ihr Haar kurz, so lautet die Vorschrift. Ihr Vorbild ist der thailändische Sänger Bank mit seinem konventionellen Kurzhaarschnitt und etwas Gel. Ältere Schüler wollen mahagonirote Streifen in den Haaren wie Rain, der Star aus Korea. Das schöne Schwarz asiatischer Haare ist out.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Ich arbeite mit einem Kombiwerkzeug aus Kamm und Klinge. Das Messer ist in den Fuss des Kamms integriert, die Schnittstelle liegt zwischen den Kammzähnen. Mit diesem Werkzeug habe ich mehr Gefühl als mit einer Schere.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Obwohl ich ein Mann bin, fühle ich mich als Frau und war schon von klein auf fasziniert von Design, Mode und Schmuck. Vor sieben Jahren arbeitete ich als Tänzer im königlichen Theater der Stadt. Aber beim Tanz ist fast alles vorgegeben, beim Haareschneiden kann ich selber künstlerisch gestalten.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Im Fernsehen. In Laos empfangen wir TV-Kanäle aus Thailand. Neben Kochshows gibt es auch Coiffeursendungen. Die habe ich immer ganz genau verfolgt und danach an Freiwilligen geübt. Ich bin ziemlich talentiert.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Ein grosser Salon in der Altstadt von Luang Prabang wäre mein Traum! Leider fehlt mir dazu im Moment das Geld.
Wer schneidet Ihre Haare?
Ich. Dazu stelle ich mich zwischen zwei grosse Spiegel.
Haben Sie viele Stammkunden?
Ja, vor allem aus dem Quartier. Zudem werde ich regelmässig in die Provinz gerufen, um Hochzeitspaare zu frisieren. Bei der Gelegenheit schneide ich dann auch Reisbauern und Gemüsehändlerinnen die Haare. Eigentlich allen, die wollen – manchmal dem halben Dorf!
Was für Leute sind Ihre Stammkunden?
Es sind vor allem die Musiker verschiedener Bands. In Luang Prabang arbeiten heutzutage auch viele Ausländer im Tourismus, viele sind meine Stammkunden.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Ausländer mit gelocktem Haar, das ist oft dicker als unser laotisches.
Haben Sie prominente Kunden?
Nein. Bestenfalls ein paar Lokalgrössen unter den Musikern.
Wem würden Sie gern die Haare schneiden?
Dem koreanischen Sänger Rain… (seufzt)… der sieht so toll aus!
Welche Reaktionen haben Sie erlebt?
Manchmal kommt jemand nach dem Besuch bei einem anderen Coiffeur sofort zu mir, damit ich den Schnitt korrigiere!
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunscauszuführen?
Ja, ein paar Mal. Wenn jemand etwas verlangt, was meiner Ansicht nach nicht zum Gesicht passt, weigere ich mich. Es wäre schlechte Werbung für mich.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Stadt?
Ich liebe die royalistische Atmosphäre, die schönen Gebäude, die Klöster und den Palast, der heute ein Museum ist.
Warum ist Ihr Salon im Quartier Ban That Luang?
Er steht neben meinem Elternhaus. Hier bin ich mit neun Geschwistern aufgewachsen und wohne noch immer bei meinen Eltern und zwei Geschwistern.
Wie verbringen Sie Ihren Abend?
Entweder gehe ich früh schlafen, oder ich verbringe den Abend mit Freunden im «Daofa», dem besten Nachtclub der Stadt.
Wo machen Sie Ferien?
Dafür habe ich weder Zeit noch Geld. Doch jeder Hochzeitsauftrag in der Provinz ist eine Reise und macht mir Spass.
Die Unesco-Weltkulturerbe-Stadt Luang Prabang boomt touristisch. Wie erleben Sie das?
Das hat nicht nur gute Seiten. Es stört mich, wenn freizügig gekleidete Frauen und Männer in Shorts durch die Klosteranlagen schlendern. Bei sich zu Hause können sie so rumlaufen, aber bitte nicht in den Strassen Luang Prabangs!
Nou Koaw Beauty Shop Der Salon liegt in Ban That Luang neben dem gleichnamigen buddhistischen Kloster. How Khaow beschäftigt einen Angestellten und einen Lehrling.
Preis für durchschnittlichen Haarschnitt Herren und Damen zahlen 1 Franken 40, Kinder sowie Bauern in der Provinz 1 Franken.
Laos Einwohner: 6,8 Millionen BIP pro Kopf: etwa 900 Fr. Milch: 1 Liter 2 Fr. Brot: 1 Baguette 0.35 Fr. Kinobillett: Das letzte Kino wurde vor 15 Jahren geschlossen. Zigaretten: 0.30 bis 0.70 Fr. Taxi: 10 km 4 Fr.
Daniel B. Peterlunger ist Journalist; Er lebt in Murten.
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