OB ES von Marianne Berger, Betty Bossy oder «Annabelle» erfunden worden ist, ist schwer zu sagen. Jedenfalls muss das Januarloch eine eher neue Erfindung sein. Was allein schon daraus hervorgeht, dass es im Wörterbuch der Brüder Grimm nicht aufgeführt wird. Zudem kann es kein allseits bekanntes Loch sein, da der Duden beispielsweise auch nichts von ihm weiss. Möglicherweise ist es sogar ein rein schweizerisches und in der EU unbekanntes Unding.
Bei allem Verständnis für knappe Haushaltbudgets: das Januarloch ist ein blosses Phantom, das durch dauerndes Heraufbeschwören nicht realer wird. Natürlich haben all die hübschen Geschenke ihren Preis, sicher wird mehr und teurer gegessen und getrunken zur Weihnachtszeit. Aber schliesslich ist der dreizehnte Monatslohn noch nicht überall dem Turnaround bzw. dem vier- und fünfzehnten des Managements zum Opfer gefallen. Und verglichen mit den wirklich happigen saisonalen Auslagen ist das Christkind ein billiger Spass. Da würde ein Februarloch (Skiferien), ein Juniloch (Steuern) oder ein Augustloch (Sommerferien) weit mehr Sinn machen, doch von solchen Löchern hat man noch nie gehört.
Das Januarloch ist also nicht etwa eine Zeit wirklichen Mangels, sondern ein blosser Vorwand dafür, wieder einmal zu schlemmen: Gnagi, Blut- und Leberwürste statt Châteaubriand, Lachs und Seezunge. So betrachtet hat das Januarloch durchaus seine Existenzberechtigung, selbst wenn es gar nicht existiert. Zumal durch die ganzjährige Erhältlichkeit fast aller Frischprodukte saisonales Kochen schwierig wird. Weil niemand mehr weiss, wann die Ananas-Saison beginnt und wann jene der Auberginen aufhört. Und weil die Fastnacht nichts mehr mit fasten zu tun hat und Martini fast nichts mit Gänsen, würden wir ohne Januarloch erst recht das ganze Jahr das gleiche essen. Was langweilig wäre und uns zum Schluss bringt: lieber ein fingiertes Januarloch als gar keines oder gar ein richtiges.