NZZ Folio 05/03 - Thema: Vorsorge   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Bye-bye, Betty Bossi

Von Joni Müller

ES IST EIN WEITES FELD, auf welchem die sogenannten Convenience-Produkte ihre zuweilen bizarren Blüten treiben. Ihre ehrwürdige Stammmutter ist die Maggisuppe, und zu ihren Vorfahren gehören auch die Büchsenravioli an roter Sauce, die nicht nur die italienischen Teigtaschen nördlich der Alpen bekanntgemacht und den kulinarischen Geschmack von Generationen geprägt, sondern mit ihrer dubiosen Füllung hierzulande auch Mediengeschichte geschrieben haben.

Meilensteine auf dem weiten Weg zum häuslichen Fastfood waren auch Stocki, Fischstäbli und der fixfertige Tiefkühlspinat. Dieser war quasi die Vorhut beim Triumphzug der Tiefkühlkost, die den American Way of Life zumindest ansatzweise bis in den damaligen Ostblock brachte. Bis vor wenigen Jahren lagen tiefgekühlte Fertiggerichte unbestritten in Führung, doch in letzter Zeit bläst ihnen ein kalter Wind aus dem Kühlregal entgegen.

Ob in der Dose, getrocknet, sterilisiert oder gefroren – traditionellerwei-se schlugen Fertiggerichte stets zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie sparten Zeit und Arbeit, waren aber zugleich konservierte Lebensmittel und somit auch Vorrat. Und den brauchte man, falls der Russe kommen sollte oder anderer unerwarteter Besuch. Heute jedoch gelten Konserven als unnötig und unfein und Dosen sowieso. Alles muss frisch sein, und ausser den Pelati mit ihrem Italianità-Bonus gehen Büchsen höchstens noch für Hund und Katze durch.

So werden denn jetzt die beliebtesten Fixfertiggerichte etwa 25 Grad wärmer angeboten als zuvor und sind damit zwar nicht besser geworden, aber zumindest frischer oder wenigstens verderblicher. Sie hängen in Plasticbeuteln im Kühlregal und würden je nach Rezept wie Blutkonserven oder wie noch Unappetitlicheres aussehen, wenn nicht Kartonschürzen ihr Inneres gnädig verhüllten. Sogar Fertigsuppen sind in dieser Form zu haben, womit endlich das lästige Zufügen von Wasser und das noch viel lästigere Umrühren mit dem Schwingbesen entfällt. Wofür man allerdings auch teuer bezahlt, sind doch die nassen Fertigsuppen gut fünfmal teurer als die trockenen.

Sbrinz in praktischen Möckli dagegen kostet nur knapp doppelt so viel wie jener am Stück, weshalb wir über den Preis des fixfertigen Spiegeleis ebenso rätseln dürfen wie über den Termin seiner Markteinführung.


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.