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Editorial -- Auf und davon
Von Daniel Weber
Wild Willie Borsch starb im Oktober 1991, und seither ist er ständig unterwegs. Er war ein Dragster-Rennfahrer und wurde bewundert für die Tollkühnheit, mit der er den «Winged Express» pilotierte, die Maschine des Konstrukteurs Al Marcellus, der auch sein engster Freund war. Als Wild Willie starb, erhielt Al die Urne mit seiner Asche, und wann immer Al den «Winged Express» aus der Garage holt und den treuen Fans im Land vorführt, stellt er Wild Willies Urne auf den Fahrersitz. «Willie ist zu jedem Rennen gegangen», sagt Al, «darum nehme ich ihn immer mit.» Auch auf solche Geschichten kann man stossen, wenn man zum Thema «Unterwegs» recherchiert.
«Unterwegs» - ein Thema, das zu tiefschürfenden Reflexionen geradezu einlädt: zu philosophischen (der Mensch als Homo viator!), soziologischen (die mobile Gesellschaft!), literaturhistorischen (die Odyssee!). Wir haben uns dann aber für einen impressionistischen Zugang entschieden, der Leser soll sich mitnehmen, mittragen, mitziehen lassen. Von Menschen, Tieren, Dingen, die unterwegs sind, mal unmerklich langsam wie die Kontinente, mal unvorstellbar schnell wie die Raumsonde Voyager, mal gemächlich wie der Fussgänger, mal hektisch wie der Velokurier auf Tour durch die Stadt.
Dokumente einer Reise sind auch die Bilder, die das Heft illustrieren. Es sind Schnappschüsse von Webcams, von digitalen Kameras, die live mit dem Internet verbunden und zu Zehntausenden weltweit in Betrieb sind. Nicht ein grosser Bruder, Tausende kleiner Brüder beobachten uns rund um die Uhr. Und zeigen uns ihrerseits, was sie sehen: An unserem Computer können wir dank den Webcams virtuell rund um den Globus unterwegs sein, ohne dass wir auch nur vom Stuhl aufstehen müssen.
Die Wirklichkeit nicht nur zu betrachten, sondern auch zu erfahren, herauszufinden, was die Welt für uns bereithält, wenn wir aufbrechen, das wollen wir uns allerdings von keiner Webcam abnehmen lassen. - «Warum reise ich so gern?» Montaigne beantwortete vor 400 Jahren seine Frage an sich selbst mit dem Satz: «Wenn man mich danach fragt, so sage ich gewöhnlich: ich weiss, wovor ich flüchte, aber nicht, was mich erwartet.»
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