SPORT HAT mit Religion neben einigen anderen Parallelen wie etwa den strengen Regeln, den strengen Gerüchen und den seltsamen Gewändern vor allem die Gemeinsamkeit, dass man als uneingeweihter Aussenstehender sowieso nichts begreifen kann. Dass Jesus ohne Schwimmhilfen an den Füssen übers Wasser spaziert sein soll, erntet beim Skeptiker ein ähnlich ungläubiges Staunen wie die immer noch oft gehörte Behauptung, es gebe erfolgreiche Schwimmerinnen, welche weder Männer noch gedopt seien.
Eines der grösseren Rätsel des Sportes bleibt für den nüchternen Betrachter der Widerspruch zwischen der offensichtlichen Sinnlosigkeit des ganzen Unterfangens und dem Bestreben, dieses mit modernstem Material und allen Mitteln möglichst mühelos zu gestalten. Schliesslich fährt ja kein Mensch mit dem Velo über den Klausenpass, weil er von Linthal nach Altdorf gelangen will, sondern weil er hofft, mit dieser Anstrengung etwas für seine Gesundheit und gegen sein Übergewicht zu tun. Konsequenterweise müsste er den Klausen also mit einem schweren alten Militärvelo ohne Übersetzung bezwingen. Und wie der Pilgrim die Mühsal seiner beschwerlichen Wanderung mit Erbsen in den Sandalen für sein Seelenheil noch nutzbringender gestaltet, müsste der um seine Gesundheit strampelnde Radler seine Fahrt mit zusätzlichem Ballast noch wirkungsvoller machen.
Stattdessen geben ambitionierte Amateure Unsummen für ein Rennrad aus, das ein paar Gramm leichter ist, und sie ziehen sich speziell windschlüpfrige Leibchen an, um den Luftwiderstand zu minimieren. Obwohl sich eine ähnliche Gewichtsreduktion gratis mit häufigerem Wasserlösen erzielen liesse und der Luftwiderstand wahrlich nicht das wahre Problem einer Passfahrt per Velo darstellt.
Entsprechendes gilt sinngemäss für Hightech-Boote für müheloses Rudern oder für perfekt gewachste Langlaufski. Wenn schon Sport, dann bitte möglichst anstrengend, oder wenn es denn schon bequem sein soll, dann besser gar keinen Sport. Sich nur halbherzig quälen ist wie halbherzig an Gott glauben. Und die Häretiker hatten es schon immer weit schwerer als die Heiden.