NZZ Folio 05/94 - Thema: Blaues Blut   Inhaltsverzeichnis

Zurück zur Zukunft

Die Rückeroberung der tschechischen Schlösser.

Von Renate Graber und Klaus Grubelnik

Böhmen, Kosteletz, im März 1994. Die Häuser des kleinen Dorfes, ein paar Kilometer südöstlich von Königgrätz, sind desolat und ärmlich. Nur eine neu asphaltierte breite Strasse durchschneidet den Ort. Die Einfahrt zum Schloss ist leicht zu übersehen: Schmal und holprig führt sie durch die verfallene Schlossmauer, das Tor ist ebenso alt wie verrostet.

Doch dahinter eröffnet sich ungeahnte Grosszügigkeit: ein gepflegter Park von 30 Hektaren Fläche, ein Tennisplatz, ein Schlossteich mit Springbrunnen - Spuren längst vergangener Zeiten. Der Zufahrtsweg, gesäumt von Strassenlaternen in realsozialistischem Einheitsdesign, endet am Nebengebäude. Das Schloss selbst: eine Ruine. Der Aussenverputz ist grossflächig von den Mauern gebröckelt, vom Rest die vor Jahrzehnten aufgetragene Schönbrunn-gelbe Farbe abgeblättert. Türen und Fenster sind mit Brettern vernagelt. Im Inneren des ehemaligen Empire-Juwels mit 29 Zimmern plus Souterrain-Räumen herrscht gähnende Leere und Tristesse: Die Tapeten hängen in Fetzen von den acht Meter hohen Wänden, die Böden sind aufgerissen, der Stuck wurde von den Decken geschlagen.

Der Schlossherr, Josef (Graf) Kinsky, 80 Jahre alt, lebt gemeinsam mit seiner Frau Netty gegenüber, im ersten Stock der ehemaligen Stallungen, in einer kleinen, sehr bescheidenen Wohnung. Graf Kinsky ist erst seit Sommer 1993 wieder Herr über Schloss Kosteletz. Denn die Kommunisten hatten ihn und seine Familie, «Blutsauger», wie sie alle Adeligen nannten, im Jahr 1948 vertrieben. Ihr Besitz wurde entschädigungslos konfisziert. Kinsky, bis dahin Generaldirektor einer familieneigenen Zinkweissfabrik, wurde als Klassenfeind der Schauprozess gemacht. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis. Das letzte halbe Jahr davon musste er in einem Uranbergwerk schuften. Und dort blieb er auch nach Verbüssung seiner Strafe - freiwillig. «Im Uranbergwerk konnte ich damals mehr verdienen als ein Minister.» Nach der dritten Gelbsucht war es mit der gutbezahlten Maloche aus, er musste als Hilfslackierer arbeiten, in den Ruhestand ging er als Versicherungsvertreter. Heute hat der «Genosse Graf», wie ihn die Kumpel im Uranbergbau zu nennen pflegten, nicht nur sein Schloss samt Nebengebäuden wieder, sondern auch noch 2000 Hektaren Wald sowie 300 Hektaren Landwirtschaft und eine Ziegelfabrik.

Nach der «samtenen Revolution» im Jahr 1989 beschloss die neue, damals noch Tschechoslowakische Republik die Restitution, die Rückgabe aller von den Kommunisten beschlagnahmten Besitzungen. Zurückgegeben wird alles - vom kleinen Garten über das Einfamilienhäuschen bis zu den Fabriken und zum Grossgrundbesitz, von unschätzbaren Gemäldegalerien und Bibliotheken über kostbare und weniger kostbare Möbel bis hin zu Manschettenknöpfen. Sofern es nicht in den finsteren Jahren in dunklen Kanälen verschwunden ist. Alles andere ist penibel in Archiven und Inventurlisten notiert. Reich machen diese Schätze dennoch nicht. Wertvolle Kunstgegenstände werden zwar zurückgegeben, dürfen aber von den Eigentümern weder verkauft noch ausser Landes gebracht werden.

Freilich gibt es auch bei der Restitution sehr wesentliche Einschränkungen: Nur Besitz, der heute im Eigentum von Staat oder Gemeinden steht und der 1948 und danach konfisziert wurde, wird zurückerstattet. Restitutionsberechtigt sind ausnahmslos Tschechen oder Leute, die einen Anspruch auf die tschechische Staatsbürgerschaft haben und in Tschechien leben.

Zurückzubekommen hat der Adel im Land an der Moldau genug. Fast in jedem Dorf steht ein Schloss oder ein Herrschaftssitz, an die 1400 sind es insgesamt. Der Staat besitzt rund 3 Millionen Hektaren Waldfläche - die Hälfte davon ist restitutionsfähig. Und die Mühlen der tschechischen Verwaltung mahlen erstaunlich schnell: Schon jetzt stehen 500 000 Hektaren wieder in Privatbesitz. Am meisten bekamen die alten Adelsgeschlechter zurück: die Familie Lobkowitz 17 200 Hektaren Wald, die Kinskys 14 000 Hektaren, die Colloredo-Mansfelds 12 300, die Schwarzenbergs mehr als 10 000, die Familie Czernin auch noch 2400 Hektaren - um nur einige aufzuzählen. Vor allem aber erhalten die Barone, Grafen, Fürsten und Prinzen gut 200 Schlösser, Burgen und Herrschaftssitze zurück, darunter solch architektonische Juwele wie die mittelalterliche Burg Böhmisch Sternberg (Zdenko Graf Sternberg), das Barockschloss Karlskrone in Chlumetz (Norbert Graf Kinsky) oder das «böhmisches Versailles» genannte Schloss Dobrschisch, um das die Familie Colloredo-Mansfeld allerdings noch kämpft.

Nur die wenigsten der Schlösser wurden von den Kommunisten als Kulturdenkmäler gepflegt, der Grossteil ist baufällig und in desolatem Zustand - so wie Josef Kinskys Schloss Kosteletz. Die Erträge aus Wald und Äckern jedoch können die Renovation einer Ruine nicht finanzieren. «Dieses Geld in das Schloss zu stecken wäre unternehmerischer Selbstmord», stellt Kinsky klar. Denn auch der Zustand der restituierten Wälder, Äcker und Teiche ist alles andere denn erfreulich. Sie wurden vom Staat meist katastrophal bewirtschaftet, in Nordböhmen hat auch noch die Umweltverschmutzung der Natur stark zugesetzt. «Jetzt muss ich noch die Erträge aus dem Boden in die Land- und Forstwirtschaft investieren», sagt Kinsky, «um erst einmal die in Schuss zu bringen.»

Für die Wiederherstellung des Schlosses selbst - die Kommunisten hatten den Adelssitz jahrelang als Forschungsinstitut für Schweinezucht verwendet - hat der Graf kein Geld. «Unter den Kommunisten konnte ich hier kein Vermögen anhäufen», meint er ohne Selbstmitleid: «Jeder, der ein Schloss übernimmt, ist ein Narr.» So wie er. «Mir geht es darum, das Kulturgut zu erhalten, eine Art Familiendenkmal für die Kinskys zu schaffen.» Nur deshalb habe er sich das Schloss zurückgeben lassen - und nur deshalb grübelt er heute Tag und Nacht darüber, wie das alles zu finanzieren ist. Nun hat sich der alte Herr ein Herz gefasst, einen Kredit aufgenommen und sein Geburtsschloss an die Bank verpfändet. Zurückzahlen will er das geborgte Geld mit Erlösen aus einer Lotterie, die die Denkmalschutz-Stiftung Agnes von Böhmen veranstalten wird. Kinsky ohne viel Pathos: «Wenn das schiefgeht, dann gehört das Schloss eben der Bank.» Versuchen will er es um jeden Preis. Seine Frau Netty: «Es wäre doch komisch, wenn wir ihnen freiwillig überliessen, was sie uns damals gestohlen haben.»

Ein entfernter Verwandter der beiden aus dem Chlumetzer Zweig der Familie Kinsky, Radslav (Graf) Kinsky, kehrte gleich in den ersten Tagen nach der «samtenen Revolution» nach Tschechien zurück. Er war 1958 nach Frankreich geflohen. Der Immunologe liess sich vorzeitig pensionieren, um wieder in seiner Heimat zu sein. «Auf eine Rückkehr habe ich immer gehofft, aber nicht zu träumen gewagt, dass wir alles wiederbekommen werden.» Er hat alles wiederbekommen: Schloss Saar, ein säkularisiertes Zisterzienserkloster auf der böhmisch-mährischen Höhe, samt 5450 Hektaren Wald, Landwirtschaft und vielen, vielen Teichen. Jetzt ist der 65jährige als Schlossherr, Landwirt und Förster, Jäger und Fischzüchter wieder ganz in seinem Element. «Sind die Wälder nicht prachtvoll?» fragt er stolz und deutet mit einer ausladenden Bewegung in die Gegend, die tatsächlich bis zum Horizont ihm gehört. Radslav Kinsky hatte Glück: Der Grossteil seines Waldes war unter den Kommunisten ein staatlicher Lehrforst gewesen und «wurde vorbildlich bewirtschaftet». In die Renovation seines Schlosses (der Graf wohnt in einem Nebengebäude) muss er aber noch sehr viele Millionen Kronen stecken.

Kinsky legt sich nun als Unternehmer ordentlich ins Zeug. Zuallererst nahm er sich seiner 410 Hektaren Fischteiche an, pachtete noch weitere 300 Hektaren aus Staatsbesitz dazu und gründete die Kinsky Fishery Ltd. Seine Angestellten - früher Arbeiter im Staatsbetrieb - sind an der Gesellschaft beteiligt. Die Hälfte der dort gezüchteten gräflichen Karpfen, Hechte, Forellen und Barsche exportiert er nach Deutschland, Österreich und Italien. «Ich muss nur schauen, dass für das Weihnachtsfestessen dann noch genug Karpfen übrigbleiben, sonst habe ich hier in Mähren einen Volksaufstand», meint der Landherr lächelnd.

Und mit dem Volk fühlt sich der Graf eins: «Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden», erzählt er, «ich bin ja einer von ihnen.» Es ist, als wäre die Uhr zurückgedreht worden, als hätte es den Kommunismus nie gegeben. Als Kinsky sein Schloss in Besitz nahm, galt es zuerst, Inventur zu machen und Familienbesitz von Staatsbesitz zu trennen. Da hatten Kinskys ehedem kommunistische Gehilfen schon längst umgeschwenkt: «Gehört das jetzt uns - oder dem Staat?» pflegten sie zu fragen-

Überhaupt scheint es, als machte es den Tschechen nicht viel Bauchweh, wenn ihre ehemaligen Feudalherren das Land stürmen, um es wieder in Besitz zu nehmen. «Solange 1948 konfisziertes Gut zurückgegeben wird, reagieren die Leute hier äusserst positiv. Nicht so, wenn etwas restituiert werden soll, was vor diesem Zeitpunkt beschlagnahmt worden ist», schildert Josef Kinsky die Stimmung im Volk. Der Grund dafür liegt auf der Hand: 1948 hatte nur mehr der treue tschechische Adel Besitzungen im Lande. Zwischen 1945 und 1948 waren mittels der Benes-Dekrete all jene enteignet worden, die nach der Vorstellung der Tschechen böse Deutsche waren. Und die bekommen jetzt keinen Quadratmillimeter zurück. Wer «Deutscher» war, bestimmten die Tschechen ab 1945 nach ihren eigenen Gesetzen. Enteignet wurde laut Benes-Dekreten jeder, der für deutsch befunden wurde - egal welcher Nationalität. Viele dieser «deutschen» Familien hatten seit der Schlacht am Weissen Berg 1620, in der das katholische Kaiserhaus Habsburg den aufständischen protestantischen Adel Böhmens vernichtete, im Land gelebt.

«Restitution kann nie fair sein», räumt denn auch Radslav Kinsky ein. So haben weder die drei Millionen vertriebenen Sudetendeutschen, die bis zu Hitlers Volkstumswahn Altösterreicher waren, eine Chance, etwas zurückzubekommen, noch die enteigneten Juden, deren Vermögen von den Deutschen 1938 arisiert worden waren. Fürst Karl Schwarzenberg zitiert dazu gern aus Jaroslav Haseks Klassiker «Der brave Soldat Schwejk»: «Die Welt ist Scheisse, und Gerechtigkeit gibt es nicht.»

Die heute abgetrennte Slowakische Republik tut sich mit der Restitution etwas leichter. Die Gesetzeslage ist zwar ungefähr gleich (nur gilt dort eine flächenmässige Höchstgrenze von 250 Hektaren), aber slowakischen Adel gab es keinen, und der tschechische hatte dort auch kaum Besitz. Fast alles war in der Hand deutscher und ungarischer Aristokraten - und die mussten 1945 fliehen und sind daher nicht restitutionsberechtigt. Die Ungarn selbst restituieren nicht, entschädigen bestenfalls. Für den Adel ist da kaum etwas zu holen, denn noch vor der kommunistischen Verstaatlichung wurde das Land der Grossgrundbesitzer in einer Bodenreform an die Bauern verteilt. In Polen wiederum betrifft die Restitution sehr wenig Leute - und noch weniger Land. Massenkonfiskationen gab es nie, vier Fünftel aller Liegenschaften waren bis zuletzt Privateigentum. Die wenigen enteigneten Grossgrundbesitzer bekamen das meiste zurück.

Davon kann das Fürstenhaus Liechtenstein - mit 120 000 Hektaren Land vor 1945 der grösste Grundbesitzer der Tschechoslowakei - nur träumen. Die hochwohlgeborene Familie wurde von der Pauschalgermanisierung nach dem Krieg nicht ausgenommen. Für den Staatspräsidenten Benes war die Sache einfach: «Ich kenne keinen souveränen Staat Liechtenstein», hatte er knapp erklärt - und liess das Fürstenhaus mit der eigens dafür gebastelten Lex Liechtenstein als deutsch enteignen. Auch heute noch stösst das Fürstenhaus mit seiner Forderung nach Restituierung seines gesamten Besitzes auf taube Ohren. Kein Wunder: Gäbe man den Liechtensteinern ihre Güter zurück, so erhielten sie einen Fünftel der gesamten Staatsfläche der Tschechischen Republik.

Besser erging es in Böhmen und Mähren den ehemals zweitgrössten Grundbesitzern des Landes, der Familie Schwarzenberg. Der reiche, aber deutsche Zweig der Dynastie verlor zwar durch die Lex Schwarzenberg zu Benes-Zeiten sein Eigentum. Die ärmere, tschechische Linie wurde aber erst 1948 enteignet. Ein Treppenwitz der Geschichte: Fürst Karl Schwarzenberg (tschechischer Staatsbürger mit Zürcher Bürgerrecht) entstammt der tschechischen Linie der Familie und kam als armer böhmischer Verwandter im Knabenalter nach Österreich. Dort fand er Zuflucht bei den reichen deutschen Schwarzenbergs, die in Tschechien 56 000 Hektaren Land verloren hatten, in Österreich aber noch 17 000 Hektaren besassen. Mangels männlichem Erbfolger wurde Karl Schwarzenberg adoptiert - und hat ein Vermögen geerbt.

Nun, dank Restitutionsgesetz, bekam der Gründer der Internationalen Helsinki-Föderation (als deren Präsident setzte er sich für den damals noch verfolgten Vaclav Havel ein) auch noch die Besitzungen seiner leiblichen Vorfahren in Tschechien: das beeindruckende Schloss Worlik an der Moldau, samt 10 000 Hektaren Wald und Wiese rundherum. Die wunderschönen Schlösser Krumau und Frauenberg (im Tudor-Stil erbaut) freilich bleiben den Tschechen - sie gehörten der deutschen Schwarzenberg-Linie. Fürst Schwarzenberg gibt sich heute oft tschechischer als so mancher Tscheche. Als Havel Staatspräsident wurde, machte dieser ihn gar zum Kanzler, zum Leiter seiner Präsidialkanzlei.

Diana Phipps-Sternberg, mit den Havels seit deren Dissidententagen befreundet, ist da weit zurückhaltender. Die 58jährige Innenarchitektin kann mit Begriffen wie Scholle und Heimat wohl nicht allzuviel anfangen. Sie ist wahrlich international: 1948 war sie mit ihren Eltern gemeinsam nach Amerika emigriert, lebte eine Zeitlang auf Jamaica, heiratete einen amerikanischen Industriellen. Bis vor kurzem wohnte sie in London, «dort habe ich ein kleines gemütliches Haus».

Heute wohnt Phippsova, wie man sie in Böhmen nennt, in unbescheideneren Verhältnissen. Ihr in der Nähe von Königgrätz gelegenes Schloss Tschastolowitz, zu dem 2500 Hektaren Boden gehören, hat 140 Zimmer. Die Schlossherrin kehrt Mrs. Phipps aber trotzdem nicht heraus. In Jeans und dickem Pullover - «die Mauern sind so feucht, da quält mich das Rheuma» - führt sie ab und zu persönlich durch das prachtvolle Gemäuer. Reich macht sie das Schloss jedoch nicht: «Wenn man Tschastolowitz gut führt, dann kann man es zwar erhalten, Geld verdient man damit aber nicht.» Nun will Diana Phipps-Sternberg ein Designzentrum errichten, einen Flügel des Schlosses in Ferienappartements umbauen und das Schlossmuseum im anderen Flügel erweitern. Schon jetzt verkauft sie an die einfallenden Touristen billige Gläser mit eingraviertem Sternberg-Wappen - Adel als wohlfeile Nostalgie.

Der Verkauf der eigenen Vergangenheit - undenkbar für die achtköpfige Familie von Johannes (Prinz) Lobkowitz, der im Süden Prags auf Schloss Drahenitz Einzug gehalten hat. Der 39jährige Bankier schwärmt: «Hier habe ich meine Heimat gefunden.» Obwohl er nie da gelebt hat. Denn schon sein Grossvater war 1948 - «nur mit zwei Paar schönen Schuhen im Rucksack» - gemeinsam mit Frau und zwei Söhnen geflohen. Johannes wurde in Bayern geboren, lebte später in Österreich, in der Schweiz und in den USA, studierte und arbeitete in München. Bis er - für seine Bank - Ende 1992 in Prag landete.

Zwar hatten seine Eltern «nie mit einer Rückkehr nach Tschechien gerechnet und uns daher auch nicht die Sprache beigebracht», trotzdem ging dann alles sehr schnell. Der Vater stellte einen Restitutionsantrag, kein halbes Jahr später waren das 26-Zimmer-Schloss, 900 Hektaren Wald, 90 Hektaren Teiche und 100 Hektaren Landwirtschaft wieder sein. Ian - wie sich Lobkowitz hier nennt - bekam das Gut von seinem Vater geschenkt. Und er ist sehr zufrieden. «Es ist ein herrliches Gefühl, alles wieder zu haben. Jetzt bin ich reich an fast unerfüllbaren Aufgaben.» Für ihn ist die Restitution hauptsächlich eine «Restitution der Ruinen»: das Schloss baufällig, die Orangerie total verfallen, die barocke Mühle am Teich kaputt, die Ziegelei ein Trümmerhaufen. «Rund 50 Millionen Kronen wären wohl nötig, um alles instand zu setzen, der dreissig- bis vierzigfache Jahresertrag des ganzen Betriebs», kalkuliert Lobkowitz im Bankierjargon. Und dennoch - er hält die Restitution «für schöner als hintereinander vier Sechser im Lotto».

Sein Glück: Er verfügt über ein deutsches Managereinkommen und hat ein beachtliches Fachwissen in Land- und Forstwirtschaft. Sich und den anderen Restituenten legt der Prinz die Latte sehr hoch; seiner und ihrer Verantwortung ist er sich bewusst: «Wenn wir privaten Grossgrundbesitzer unsere Sache nicht viel besser machen als vor uns der Staat, dann kann das politische Pendel genausogut wieder zurückschlagen.»

Renate Graber und Klaus Grubelnik gehören der Redaktion des Wiener Nachrichtenmagazins «Profil» an.


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