GESTERN HAT DER TEUFEL noch geschlafen, heute ist er los. Ein unbedachter Mausklick im falschen Menu, schon war er geweckt. Computer sind unheimlich empfindlich. Deshalb ist Exorzismus in der EDV ein alltäglicher Vorgang. Man nennt ihn Konfiguration.
Auf keinen Fall die Nerven verlieren, egal, was da kommt. Der furchterregende ODI/NDIS3-Mapper zum Beispiel, Version 2.0, brüllt gerne wild drauflos: «FEHLER: LSL wurde nicht gefunden!» Dann piepst es dreimal, und der User entwickelt Rauch. Andere, wie der NT-4.0-Systemdämon, versuchen sich als Orakel: «Der Start mindestens eines Dienstes, der beim Systemstart gestartet werden sollte, schlug fehl. Überprüfen Sie das Ereignisprotokoll!» Bei Geistern, die so rätselhaft rufen, besteht immer die Gefahr, dass man sie nicht mehr los wird. Dann bilden sich Symptome: Das Herz steht still, der Blick wird starr, die Hände verkrallen sich in der Tastatur. Man isst nicht mehr und schläft nicht mehr, und auf die Frage «Wie geht's?» ist Heulen und Zähneklappern die Antwort.
So muss es nicht enden. Automatisiertes Fehlverhalten ist immer auch ein Hilferuf. Computer haben ja fast gar keine Ahnung, und im Vermuten sind sie besonders schlecht. Es fehlt ihnen die Fähigkeit zur Assoziation, und ohne Assoziation machen Gedanken keine grossen Sprünge. Bis heute steht Windows wie die Kuh vor einem neuen Tor, wenn es eine Datei unbekannten Typs öffnen soll. Man muss Geduld haben und dem Computer den rechten Weg bis ins kleinste Detail weisen, immer wieder und noch einmal.
Ursprünglich verband sich mit dem Begriff der Konfiguration Höheres, zum Beispiel die Stellung von Gestirnen, oder Feineres, etwa die räumliche Anordnung der Atome eines Moleküls. In der digitalen Praxis läuft Konfiguration immer auf rohe Verben des Schweisstreibens hinaus, auf Zusammenschustern und Vernageln, lateinisch: configere. Im Englischen gibt es dafür das Wort «fussing», woraus Schreckbegabte lautmalerisch das leise Tüfteln an jenen winzigen Entitäten hören, die Technik zu dem machen, was sie ist: ein Pflegefall, der vorgibt, eine grosse Hilfe zu sein. Nicht umsonst sind handgreifliche Auseinandersetzungen mit falsch konfigurierten Automaten in Film und Fernsehen ein beliebtes Motiv.