WER SICH unter Spielwaren für Erwachsene allerlei der menschlichen Anatomie nachempfundene Dinge aus hautfreundlichem Kunststoff vorstellt, hat zwar recht, muss sich aber den Vorwurf einer eingleisigen Phantasie gefallen lassen. Denn der volkswirtschaftlich und sozialpädagogisch weitaus wichtigere Bereich des Erwachsenenspielzeugs ist die sogenannte Unterhaltungselektronik. Also das, was allen voran die Japaner aus dem Grammophon und artverwandtem Gerät gemacht haben.
Es gibt zwar kaum einen triftigen Grund, dem alten Trichtergrammophon zum Aufziehen nachzutrauern. Ausser vielleicht dem einen, dass ein treuer Hund vor einem solchen viel treuer aussieht als vor einem CD-Player. Sie sind in jeder Hinsicht unvergleichlich viel besser, die heutigen Geräte, und erst noch digital, was sowieso nie falsch ist. Dennoch hatten die alten Apparate mindestens einen grossen Vorteil: man konnte sie auf Anhieb bedienen.
Moderne Geräte der Unterhaltungselektronik können ganz einfach zu viel, und das macht sie so überaus störrisch im Handling. Jeder gewöhnliche CD-Spieler kann Dinge, die kein Mensch will und erst recht nicht braucht. In welch verzweifelte Lebenslage muss man beispielsweise geraten, damit es Sinn ergibt, die einzelnen Titel einer CD nicht in der üblichen Reihenfolge, sondern mit der Zufallswiedergabe-Funktion zu hören? Wieviel Glück bedeutet es und warum, dass man die Abfolge selbst programmieren kann, wenn man es denn einmal kann?
Nur weil es nichts kostet, werden die Geräte mit hirnrissigen Funktionen vollgestopft, welche im gnadenlosen Konkurrenzkampf gnadenlos ausgeschlachtet werden. Was die Gebrauchsanweisungen, selbst wenn sie einmal nicht in kryptokoreanischem Esperanto verfasst sind, zu Broschüren mit siebzig Seiten und sieben Siegeln macht. Warum es keine abgespeckte Unterhaltungselektronik mit wenig mehr als einem Schalter «on/off» gibt? Weil es durchwegs keine Gebrauchsgegenstände sind, sondern Spielsachen für Erwachsene. Und solche sind halt zum Spielen da und nicht zum Brauchen.