NOVEMBER, Zeit der Besinnung und der Einkehr. Innehalten, Kräftesammeln - auch das will gelernt sein. Wer jetzt keinen Kurs gebucht hat, bucht sich keinen mehr. Nein, wir reden nicht von der Migros-Klubschule, die mit Lehrgängen wie «Ikonenmalen», «Spitzen klöppeln» oder «Elektroarbeiten im Hause» auf bewährte, handfeste Freizeitbeschäftigungen setzt. Wen höhere, geistige Sphären locken, der kann sich damit nicht zufriedengeben. Mag sein, dass man seinen faustischen Drang in Sportarten wie Kung Fu, Wing Tsun oder Aikido auslebt. Für feiner gestimmte Seelen sind «Tantra und Wasserarbeit» oder «Die Weisheit des Tarot als Schlüssel zum Vater Unser - elementares Töpfern in der Natur» die bessere Wahl.
Glücklicherweise richten sich die meisten Kursangebote an beide Geschlechter, und das ist, weil ganzheitlich, gut so. Ob «Kunst des Handlesens», «Fotos aus der Schuhschachtel» oder «Feldenkrais und Wellness am Titisee»: Mann und Frau wollen Talente, Stärken und Schwächen in den Händen erkennen, Erinnerungscollagen basteln oder baumeln lassen, was gebaumelt werden will. Erquickt die «Schwitzhütten-Zeremonie», das indianische Ritual zur Reinigung und Transformation von Körper, Seele und Geist auf dem Üetliberg (mit Joseph Lam Medicine Robe, dem Adoptivsohn von Wallace Black Elk!) nicht jedes Bleichgesicht, ob tapferer Krieger oder schöne Squaw?
Dergestalt geläutert, ist man reif für das «Quantensprung-Bewusstseinstraining» oder den «Coming Home Retreat» - zwei Angebote aus dem «Institut für angewandte Intuition», die die «Astrologische Psychologie nach der Huber-Methode» trefflich ergänzen. Doch seien wir ehrlich: Ob Qi Gong, Zazen oder Tai Chi - am Ende zählt der Erfolg. Und der beruht auch bei Menschen, die ihre Mitte gefunden haben, auf der Fähigkeit, andere zu überzeugen. Die Kunst der Rede, in der Antike das Thema zahlreicher Workshops, hat nichts von ihrer Bedeutung verloren. Ein bekanntes Zentrum, das Kurse über kommunikatives Sprechen feilbietet, nennt sich schlicht: «boldern!» Ja, mit einem Ausrufezeichen: «boldern!» Nun denn - so lasst uns boldern! Denn wie das Sprichwort sagt: Wer zuletzt boldert, der boldert am besten.