NZZ Folio 09/01 - Thema: Europa   Inhaltsverzeichnis

Vier Fragen zu Europa an . . .

Von Eva Matter

. . . Hans Bergström, Chefredaktor von «Dagens Nyheter», Schweden.

1. Woher kommt der Widerstand gegen die Osterweiterung in Ihrem Land?

Hier herrscht völlige Einigkeit darüber, dass die Erweiterung gut ist. Der Konsens ist paradox, er wird auch von den Parteien getragen, die den Austritt Schwedens aus der EU verlangen. Ein Grund dafür ist die starke Sympathie für die «nordischen Bruderstaaten», Estland, Lettland, Litauen und in gewissem Mass Polen. Ausserdem gibt es wegen der Ostsee keine Landesgrenze wie etwa zwischen Deutschland und Polen. Die Ängste der Bevölkerung vor der Einwanderung und erhöhter Kriminalität als Folge der offeneren Grenzen sind daher geringer.

2. Wie sieht die EU im Jahr 2010 aus?

Hauptproblem ist die Beschlussfassung. Es bedarf einer Verfassung einerseits und einfacher Beschlüsse anderseits, die nicht von allen Mitgliedstaaten gutgeheissen werden müssen. Ich befürchte allerdings, dass man das Verfassungsproblem auch 2010 noch nicht gelöst haben wird - die EU wird in einer tiefen Beschlusskrise stecken.

3. Hat sich Schweden seit dem EU-Beitritt an Europa angenähert, oder ist die EU fremd geblieben?

Politik und Administration sind voll in der europäischen Zusammenarbeit integriert. Für die grosse Mehrheit der Bevölkerung ist Brüssel ein Schimpfwort geblieben, Symbol stupider Bürokratie. Gleichzeitig vermitteln die vielen regionalen EU-Projekte im ganzen Land ein positiveres Bild.

4. Was muss geschehen, damit Schweden den Euro übernimmt?

Wichtigstes Ereignis wäre die Annahme des Euro in Grossbritannien. Da würde Schweden rasch nachfolgen. Die Partner der regierenden Sozialdemokraten, Grüne und Sozialisten, sind im Allgemeinen gegen die EU eingestellt. Wenn die Arbeiterpartei nach den Wahlen von 2002 eine liberalere Allianz einginge, würde sich die Ausrichtung der Politik verschieben.

Die Fragen stellte Eva Matter, NZZ-Korrespondentin in Stockholm.


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.