NZZ Folio 11/97 - Thema: Hund und Katz   Inhaltsverzeichnis

Alles für die Katz

Das Geschäft mit der Tiernahrung.

Von Andreas Heller

VON WALDHEIM, dem kleinen getigerten Kater, der uns einmal zugelaufen war, wusste ich, dass Katzen ausser Mäusen auch Leber und Gehacktes mit Hörnli mögen. Ausserdem war Waldheim ganz verrückt nach eingemachten Vongole aus der Migros. Waldheim lehrte mich, dass Katzen einen besonders feinen Gaumen haben. Aber weil er leider schon vor bald zwanzig Jahren wieder von uns ging, das heisst von einem Auto überfahren wurde, hatte ich keine Ahnung, wie man heutzutage Katzen - und Hunde - auch noch verwöhnen kann.

Also reiste ich, um mir einen aktuellen Überblick zu verschaffen, nach Dietlikon ins grösste Zoofachcenter Europas. Das Einkaufzentrum heisst Qualipet und liegt unmittelbar neben der Autobahn inmitten einer gesichtslosen Betonlandschaft mit Fachmärkten für menschliche Bedürfnisse wie Computer, Wohnungseinrichtungen oder Kinderspielzeug. Auch in der neuen, schönen Heimtierwelt gab es eine Spielzeugabteilung, eine mit zimmerhohen Kratzbäumen, einem Katzenbillard und jeder Menge Echtfellmäusen. Bei den Accessoires für den Heimtieralltag fanden wir so nützliche Dinge wie vollautomatische Futternäpfe, Ultraschall-Flohhalsbänder und Spezialkatzenstreu für Langhaarkatzen und für unkastrierte Kater.

In einem «Bio-Hüsli» wurden Produkte auf rein biologischer Basis angeboten. In langen Regalen türmten sich Leckereien für zwischendurch wie «Schnurrlis Lieblingsherzchen» mit Taurin, Käserollis und Pralinés mit einem knackigen Gourmetkern, dazu 25 Marken von Dosenfutter in allen Variationen, zarte Häppchen mit Lachs, Kaninchen oder Wild, Ragout mit Nierchen, Pastete mit Forelle und Mousse au Canard. Spezialnahrung für übergewichtige Katzen gab es da, solche für alte und junge, dazu spezielle Katzen-Milchdrinks zu Fr. 2.40 das Fläschchen.

In der Hundeabteilung vergnügte sich an der Hundebar ein Dackel bei einer Gratisdegustation der neusten Produkte. Die Auswahl an Nass- und Trockenfutter war hier zwar nicht ganz so gross, dafür gab es um so mehr Snacks und Knabberzeugs, zum Beispiel getrocknete Schweinsohren namens Lauscherli oder Parmaschinkenknochen, die «heissgeliebte, 100 % natürliche und original italienische Spezialität», sowie Mini-Knöchli mit viel Kalzium, Dogdonuts und Belohnungsringli.

7000 Artikel für Hunde, Katzen, Vögel, Fische und Pferde hält das Zoofachcenter in Dietlikon feil. Der Löwenanteil entfällt auf Futter für Hund und Katz. «Es ist schon ein bisschen verrückt, was es da alles gibt», sagt Rolf Boffa, der Gründer der innert sieben Jahren auf sechs Filialen angewachsenen Qualipet-Kette. «Aber das Bedürfnis nach Neuheiten ist gross, und unsere Zuwachsraten sind immer noch zweistellig.»

DAS GESCHÄFT mit der Heimtiernahrung, das zeigt auch ein Blick in die allgemeine Statistik und in die Unterlagen des Verbandes der Heimtiernahrung, kennt keine Konsumflaute. Mit einem Absatz von 95 000 Tonnen und einem Umsatz von 410 Millionen Franken erreichte der Detailhandel in der Schweiz im letzten Jahr einen neuen Rekord, ein lukratives Geschäft, das trotz dem immensen Angebot von ein paar wenigen Firmen beherrscht wird. Die Marken Cesar, Chappi, Frolic, Pedigree Pal, Brekkies, Whiskas, Kitekat und Sheba stammen allesamt vom selben Hersteller, von der Firma Effems, einer Tochter des amerikanischen Mars-Konzerns und mit einem Marktanteil von schätzungsweise 45 Prozent der mit Abstand grösste Anbieter von Katzen- und Hundefutter in der Schweiz. An zweiter Stelle mit einem Marktanteil von 27 Prozent liegt die Migros mit eingekauften Marken wie Asco, Alpo, Happy Dog, Exelcat, Happy Cat oder Ron Ron, gefolgt vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit 8 Prozent und den Marken Friskies und Gourmet. Produziert werden diese Marken, soweit es sich um Dosenfutter handelt, ausnahmslos im Ausland, in Frankreich, Deutschland, England, in Kanada oder in den Vereinigten Staaten.

Auch der Heimtierfuttermarkt ist längst ein globales Geschäft, mit dem grosse internationale Konzerne jährlich über 20 Milliarden Franken umsetzen. Der im Bereich Petfood weltweit führende Mars-Konzern unterhält Produktionsfirmen in fünfzehn Ländern; dazu kommen für kleinere Märkte wie die Schweiz spezielle Vertriebs- und Marketinggesellschaften, die das Futter importieren und gleichzeitig die weiteren Mars-Produkte wie Schokoriegel, Reis (den, der niemals klebt), Fertiggerichte oder Spaghettisaucen vertreiben.

«Dass ein Tierfutterproduzent auch Lebensmittel für den Menschen herstellt, mag auf den ersten Blick vielleicht irritieren. Doch gar so gross ist der Unterschied nicht», sagt Nicole van Oers, die Pressevertreterin von Effems. Der Rohstoff des Nass- und Trockenfutters - soweit es sich um Fleisch und nicht um Soja handelt - stammt ausschliesslich aus Schlachtabfällen, die heutzutage nicht mehr verwendet werden. Das sind vor allem Innereien wie Herz, Lunge, Nieren oder Magen, aber auch Muskelfleisch minderer Qualität. «Die Heimtiernahrungs-Industrie ist somit eine Abfallverwertungsindustrie», erklärt Nicole van Oers. Heimtierfutter sei darum alles andere als eine Verschwendung von Nahrungsmitteln, sondern eine sinnvolle Verwertung der stetig wachsenden Mengen von Fleisch und Innereien, die bei den heutigen Essgewohnheiten - am liebsten nur Filet -, aber auch aus Furcht vor dem Rinderwahnsinn übrig bleiben.

DIE GRÖSSTE NASSFUTTERFABRIK des Mars-Konzerns steht in Melton Mowbray im mittelenglischen Leicestershire. Lastwagen um Lastwagen werden hier die Fleischabfälle angekarrt, um zu Pal, Pedigree, Whiskas oder Kitekat für den britischen Markt verarbeitet zu werden. Die Fabrik mit einem Ausstoss von vier Millionen Büchsen pro Tag ist hochmodern, ein gigantischer Magen, in dem computergesteuerte Maschinen unter ohrenbetäubendem Lärm die gelieferten Schlachtabfälle zu Büchsenfutter verarbeiten. Alles ist so hygienisch wie nur möglich, nur in der Luft liegt ein süsslich-schwerer Duft von Blut.

Wie von unsichtbarer Hand gesteuerte Wägelchen, randvoll mit Rinderherzen oder gefrorenen Fleischstücken, rollen an. Die Ladung wird in riesige Shredderanlagen gekippt, wo Schrauben die Masse zu einem braunen Brei zermahlen. Aus Silos ergiesst sich zusätzliche Fleischschlacke in den zähflüssigen Brei, der schliesslich, mit noch ein paar weiteren Ingredienzen angereichert, in glänzende Aluminiumbüchsen gedrückt wird. Büchse für Büchse wandert dann auf dem Förderband ins nächste Gebäude, wo eine Art Dampfkochtopf, so gross wie eine Turnhalle, wartet. Hier wird das Dosenfutter während eineinhalb Stunden gekocht. Es folgt die Etikettiermaschine. Die Büchsen werden mit Pal-Pedigree beschriftet, in Kartons abgefüllt, in Schrumpffolie abgepackt und Palette um Palette vom Förderband direkt in die an Schleusen bereitstehenden Lastwagen verladen.

Die Herstellung von Hunde- und Katzenfutter ist eine Massenproduktion par excellence, und der Besucher fragt sich, ob sich da überhaupt feststellen lässt, ob nun gerade Chappi oder Whiskas hergestellt wird. Ein Blick in die Zentrale, von wo aus die Produktion gesteuert wird, zerstreut jedoch solche Zweifel: Für jedes Produkt ist eine Reihe von Ingredienzen programmiert, die automatisch aus dem Lager abgerufen und in den vorgeschriebenen Mengen zusammengemischt und verarbeitet werden. Dazu kommen spezielle Zutaten wie Reis, Karotten oder Zwiebeln, die das jeweilige Futter zum Fertigmenu abrunden.

Von den dröhnenden Produktionshallen kehren wir zurück ins Grossraumbüro der Administration, zu deren Ausstattung auch ein paar Bürokatzen gehören. Träge liegen die Tiere auf Stühlen, Pulten und vor Bildschirmen und blinzeln den Menschen, die hier ihr Geld verdienen müssen, zu. Ein prächtiger Tiger ist darunter, einer wie Waldheim, und er erinnert mich daran, dass Waldheim sein Whiskas am liebsten mit etwas frischer Leber oder Lunge vom Metzger mochte. Eine solche Anreicherung, sagen aber die Spezialisten, sei völlig unnötig. Denn das Fertigfutter enthalte bereits alles, was Katze oder Hund an Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen, Eiweiss, Fett und Kohlenhydraten benötigen.

AUS ERNÄHRUNGSWISSENSCHAFTLICHER Sicht ist dem schwer zu widersprechen. Denn in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Tierfutterindustrie viel unternommen, um ihre Produkte optimal auf die Bedürfnisse von Hund und Katze abzustimmen. So unterhalten mittlerweile alle grossen Konzerne, die im Markt mitmischen, Forschungszentren, welche die Standards für eine artgerechte Ernährung erarbeiten, den Nährstoffbedarf ermitteln, aber auch die Verdaulichkeit neuer Produkte testen. Die Forschungszentren liefern das Grundlagenwissen, nach dem dann in Übereinkunft mit den länderspezifischen Futtermittelgesetzen und in Zusammenarbeit mit den nationalen Produkteentwicklern die Rezepturen für die Tiernahrungs-Fertigprodukte erstellt werden.

Das Forschungszentrum der Mars Company liegt in unmittelbarer Nähe der Nassfutterfabrik im Nachbardorf Waltham, wo alles noch ein bisschen grüner und ländlicher ist als in Melton Mowbray. 150 Mitarbeiter - Tierärzte, Verhaltensforscher, Tierpfleger, Ernährungswissenschafter, Biochemiker - zählt das Zentrum, dazu 400 Katzen und 300 Hunde unterschiedlichster Rassen, vom Yorkshireterrier über den Labrador bis hin zu Neufundländern und Irischen Wolfshunden.

Das Forschungszentrum ist eine Mischung von Bauernhof, Zoo und High-Tech-Firma. In seiner Mitte steht ein altes Gutshaus, um das sich das Forschungsgebäude mit den Labors und die bienenwabenförmigen Unterkünfte der Tiere gruppieren. «Es ist wichtig, dass sich die Tiere wohl fühlen», sagt Ivan Burger, Scientific Affairs Manager des Waltham Centre, «ihre Lebensbedingungen sollen möglichst normal sein.» «Normal» heisst in diesem Fall: Lebensbedingungen, wie sie Stubenkatzen und Zwingerhunde vorfinden.

Eine der Tierunterkünfte besteht aus zwölf kreisförmig angeordneten Boxen, nicht grösser als eine Telefonkabine, dafür mit einem kleinen Balkon nach draussen. In jeder Box sitzt eine Katze. Und jede Box ist mit einer Art Trichter versehen, der den Urin sammelt und einem Apparat zuführt, der den pH-Wert des Urins misst. In einem speziellen Versuch, sagt Ivan Burger, benötigt man diese Werte dazu, um die Auswirkungen von Trockenfutter auf den Flüssigkeitshaushalt zu untersuchen. «Weil Katzen aus Prinzip wenig trinken und den durch Trockenfutter bedingten Flüssigkeitsmangel nicht von sich aus ausgleichen, haben sie bei einer solchen Ernährung oft zu hohe Säurewerte im Urin. Dies wollen wir korrigieren, vielleicht mit einem Instant-Futter, das mit Wasser angereichert wird.» Drei Wochen dauert der Urin-Test, dann werden die Katzen aus ihren Boxen in den «Sozialraum» entlassen.

Im nächsten Haus liegt ein Spielzimmer mit Kratzbäumen und Krabbelseilen, im dem sich eine Schar junge Kätzchen tummelt, Forschungsobjekt von Wachstumsstudien. Gleich daneben befindet sich ein Raum mit Seniorenkatzen, an denen eine neue Spezialnahrung getestet wird. Untersuchungen hätten gezeigt, erklärt Ivan Burger, dass ältere Katzen über einen ungewöhnlichen Metabolismus verfügen: ab acht Jahren fressen sie mehr, nehmen allerdings weniger Energie auf. Auf Grund dieser Erkenntnis erarbeitete das Waltham Centre Richtlinien für ein besonders nahrhaftes Futter für ältere Katzen.

Die Entwicklungsabteilungen kreierten eine Reihe von Produkten, die dann wiederum auf ihre Verdaulichkeit und Schmackhaftigkeit getestet wurden. Wie sich die Ernährung mit dem Spezialfutter auswirkt, soll nun an der Gruppe von Seniorenkatzen ermittelt werden. Dazu werden auch ihrem Urin und Stuhl Proben entnommen. Relativ einfach lässt sich messen, ob das Futter der Katze oder dem Hund schmeckt, nämlich mit der Uhr: Je besser das Fressen, desto schneller ist es verschlungen. Im Haus der Münsterländer-Hunde wird ein neues Trockenfutter ausprobiert, auch hier verlässt man sich auf Urin- und Stuhlproben. Was vom Fressen übrig bleibe, sei ein nicht zu vernachlässigender Faktor, gerade bei Hunden. Schliesslich soll im Hinblick auf die Entsorgung der Kegel nicht zu gross und keinesfalls zu dünn sein, sondern rundum handlich. Speziell erforscht werden im Waltham Centre derzeit ausserdem Knochen, die dem Hund die Zähne putzen und für frischen Atem sorgen; an schwarzen Labradoren erforschen die Wissenschafter die Auswirkungen verschiedener Futter auf den Glanz des Fells; Della und Digbi, zwei Bluthunde, knapp 15 Monate alt und bereits 67 und 78 Kilo schwer, sind die Versuchskaninchen für ein Spezialfutter für junge grosse Hunde.

Das Zentrum hat in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Erkenntnissen gewonnen. Etwa über die Bedeutung von Taurin, einer lebensnotwendigen Aminosäure für Katzen. Dass Katzen jeden Tag etwa neun Stunden und 40 Minuten schlafen, dass sie drei Stunden und 40 Minuten spielen, dass sie innerhalb von 24 Stunden in nahezu gleichen Abständen 36mal zum Fressen an den Napf gehen, und dass sie ihr Futter am liebsten 38 Grad warm mögen, sind ebenfalls Forschungsergebnisse aus dem Waltham Centre.

Die Konsumenten des Heimtierfutters - Hund und Katze - werden von der Industrie sehr ernst genommen. Ja, man gewinnt sogar den Eindruck, dass das Wohlbefinden des Konsumenten für die Tierfutterindustrie einen höheren Stellenwert hat als für die gewöhnliche Nahrungsmittelindustrie, die uns Zweibeinern eine Menge Junkfood beschert.

ZU DEN BESONDERHEITEN der Tierfutterindustrie gehört jedoch auch, dass der Konsument nicht gleichzeitig der Kunde ist. Katzen würden vielleicht wirklich Whiskas kaufen, der eigentliche Kunde ist aber zweifelsfrei der Mensch, der von den Marketingabteilungen der Pet-Food-Konzerne ins Visier genommen wird. Dieser Mensch wird selbst kaum je Katzen- oder Hundefutter probieren - würde er es tun, müsste er feststellen, dass es ziemlich fade schmeckt -, aber dennoch will er das Gefühl haben, seinem Tier etwas zu verfüttern, das gut ist und Genuss bereitet.

Ein steigendes Qualitätsdenken, sagt Nicole van Oers, sei unübersehbar. «Mehr und mehr wollen die Leute auch ihren Vierbeinern einen Hauch von Luxus gönnen.» Dementsprechend sind in den letzten Jahren vor allem sogenannte Premium-Marken, Luxusnahrung in Kleinpackungen mit leckeren Beilagen wie Lachs, Crevetten oder Wild, lanciert worden. Tatsächlich liegt bei diesen Produkten der Fleischanteil etwas höher, und bisweilen wird auch ein Verfahren angewandt, um den Fleischbrei in leckere Stückchen zu verwandeln und somit auch optisch zu verbessern. Der Anteil der sogenannten Beilagen beträgt allerdings auch beim teuersten Futter nur wenige Prozent.

Die Verpackung erscheint wichtiger als der Inhalt, und insofern gilt für Luxuskatzenfutter dasselbe wie für Champagner oder eine Cartier-Uhr: Verkauft wird nicht allein das Produkt, verkauft werden vor allem auch Emotionen. Im Fall des Katzenfutters das besondere Gefühl, dass man es sich leisten kann, seinen Vierbeiner mit einer Delikatesse zu verwöhnen. Oder zur Weihnachtszeit mit einem richtigen Festtagsmenu aus dem mit Sternen verzierten Schälchen - auch wenn insgeheim jeder weiss, dass dies nun wirklich für die Katz ist.

NICHTS SPRICHT DAGEGEN, dass der Trend zu immer raffinierteren Produkten und Sorten weitergehen wird. Denn der Markt ist noch keineswegs gesättigt: Umfragen ergaben, dass in der Schweiz erst etwa die Hälfte der Hunde und Katzen mit Fertignahrung gefüttert wird, während sich die andere Hälfte noch immer mit Resten zufrieden geben muss, die vom Tisch des Hausherrn fallen. In Grossbritannien hingegen müssen sich nur 10 Prozent mit Essens- und Metzgereiabfällen begnügen; 90 Prozent erhalten ihre Nahrung mundgerecht zubereitet aus dem Angebot der Industrie, das immer feiner auf die Bedürfnisse von Tier und Mensch abgestimmt wird.

Nicht zuletzt kommt der Industrie auch zugute, dass die Heimtiere der Überflussgesellschaft mehr und mehr zu Zivilisationskrankheiten neigen. Auch sie werden immer dicker, was einen neuen Markt für Light-Produkte schafft, auch sie sind krankheitsanfällig, was neue Diätprodukte nötig macht. Neben den Diäten wird vermehrt sogenanntes Functional Food auf den Markt kommen, das nicht nur nährt, sondern, angereichert mit Ballaststoffen und Vitaminen, auch Zivilisationskrankheiten vorbeugen soll. «Die Zukunft liegt eindeutig auf diesem Gebiet», prophezeit Ivan Burger.

Die Aussichten der Tierfutterindustrie bleiben somit günstig, und die Frage, ob dies alles nötig ist, ist natürlich eine philosophische. Was braucht man zum Glück? Waldheim kannte kein Premium-Futter mit Lachs, und doch schien er mir ein zufriedener Kater, der die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen wusste. Jimmy, der Kater unseres Nachbarn dagegen, ist mit gewöhnlichem Futter längst nicht mehr zu ködern. Zutraulich, sagte man mir, werde er erst, wenn man ihn mit Käserollis locke, dem rollenden Spiel- und Fressspass für Katzen. Vielleicht werde also auch ich demnächst eine solche Packung kaufen, 100 Stück zu Fr. 5.90.




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