DAMALS GAB ICH mein Königreich für ein Pferd, heute müsste ich eine Schweiz für einen Opel-Konzern geben. König Drosselbart sieht mit Nerz, Reichsapfel, Robe und Rauschebart so unglaubwürdig drein wie der telefonierende Weihnachtsmann im Schaufenster, der den Software-Wünschen unserer Kleinen entgegenkommt.
Gott ist tot und liess Ethik, immaterielle Formprinzipien, rein geistige Sphären und Weltformeln zurück, betreut von Stephen Hawking und Eugen Drewermann. König Drosselbart ist tot und liess Bundespräsidenten, Parteichefs und Ölscheichs zurück. König Schwellfuss humpelt weiter als Eidhelfer der Freudianer. Rex und Regina verloren alchimistischen Glanz, der im Scheinwerfer aufging, worinnen statt Prinz Hamlet Kronprinz Charles Golf spielt, der sich den Ansprüchen von Noch-Frau Diana gegenübersieht: 12 692.? Franken Taschengeld pro Tag für Kleidung, Lebensmittel, Haushofmeister, drei Privatsekretäre, drei Sekretärinnen, zwei Pressesprecher, zwei Bürohilfen, zwei Köche, Garderobiere, Höflinge, zwei Chauffeure, fünf Autos, Reisen plus Sonderausgaben.
Die Folgen der Demokratie: Verlust des Ästhetischen! Der König war zwar von unfehlbarer Grausamkeit und konnte von keinem konstitutionellen Misstrauensvotum aus dem Sattel geworfen werden. Doch Kleidung, Gebärde und Brimborium glitzerten tiefer und erhebender als das börsenmässige Outfit heutiger Delegationen.
Erhalten bleibt der König nur mehr im Schach, beim Serengetifilmgucken, allwo der König der Tiere ein Gnu zerreisst, bei der Wahl von Miss Universum oder des Gesichtes 96. Und statt hässlicher Königinnen haben wir Schönheitsköniginnen: Topmodels.