Parche, Günter
Stach 1993 bei einem Tennismatch Monica Seles ein Messer in den Rücken.
Einen wie Günter Parche vermutet man hinter Gittern. Oder wenigstens in einer psychiatrischen Anstalt. Aber Parche, 51, ist auf freiem Fuss. Er lebt unauffällig in seinem Heimatdorf Görsbach.
Vor 12 Jahren machte Parche weltweit Schlagzeilen. Er rammte der Tennisspielerin Monica Seles am Centre-Court in Hamburg ein Schlachtermesser in den Rücken. «Ich tat es für Steffi Graf», sagte er damals. «Niemand sollte jemals meine Steffi schlagen.» Parche wurde wegen verminderter Schuldfähigkeit nur zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Öffentlichkeit war empört, es hiess, der Mann sei eine tickende Zeitbombe. Eine Zeitbombe?
Görsbach in Thüringen, 1200 Einwohner. Alte Fachwerkhäuser, Kopfsteinpflaster, ein Bauer fährt mit seinem Pferd Mist aufs Feld. Ich treffe Parches früheren Arbeitskollegen Manfred Hankel. «Aber nein», sagt er. «Der Günter ist keine Zeitbombe. Der kann doch nicht einmal eine Fliegenklatsche in die Hand nehmen. Die Messerattacke auf die Seles war ein einmaliger Ausrutscher.» Hankel sagt: «Den sieht man nur ganz selten im Dorf. Er geht ganz früh aus dem Haus. Nach der Arbeit schliesst er sich in seinem Zimmer ein. Und träumt von seiner Steffi.»
Günter Parche wird in früher Kindheit von der Mutter zur Tante abgeschoben. Von da an ist er immerzu mürrisch, spricht oft tagelang kein Wort, findet keine Freunde. Der Fernseher wird zu seinem wichtigsten Kontakt nach draussen. Hier lernt er Steffi Graf kennen. Vor der Kripo sagt er später über sie: «Ihre Augen glänzen wie Diamanten. Sie ist meine absolute Traumfrau, sie hat die hübschesten Beine aller Tennisspielerinnen. Sie ist ein Vorbild für uns alle. Sie hat ein grosses Herz.»
Manfred Hankel erinnert sich, dass Parche Steffi Graf anonym Geld zum Geburtstag schickte. «Meist 100, einmal sogar 300 Mark.» Nach ihren Siegen war er glücklich, nach Niederlagen verfiel Parche in Depressionen. Weil ihn Arbeitskollegen hänselten, schmiss er sogar seinen Job. Und als Steffi Graf von Monica Seles von Platz eins der Weltrangliste verdrängt wird, bricht für Parche eine Welt zusammen. Erst denkt er an Selbstmord. Dann verwirft er diesen Plan - weil «das der Steffi nicht hilft».
Er fasst den Entschluss, Steffis Rivalin zu verletzen. «Damit sie eine gewisse Zeit nicht mehr würde spielen können. Damit hätte ich Steffi geholfen, wieder die Nummer eins zu werden.» Der Psychiater Wolfgang Pinski, der ihn untersuchte, sagt: «Parche ist pathologisch entartet. Sein Verhalten zeigte eine irreale Idealisierung mit unbewussten sexuellen Elementen und einem Fanatismus, der bis zur Selbstaufopferung ging.»
Und heute? Parche ist wieder im Dorf. Als er heimkam, erzählte er: «Wie konnten mich die Hamburger Zuschauer bloss als Schwein beschimpfen. Ich hab es doch auch für sie getan.» Da haben alle nur schallend gelacht. Sie gaben ihm Arbeit beim Pflastern der Dorfstrassen. «Damit er auf andere Gedanken kommt», sagt Hankel. Parche lebt von Gelegenheitsjobs auf dem Bau und von dem, was ihm die Tante zuschiesst. Er schaffte sogar den Führerschein, was ihm kaum jemand in Görsbach zugetraut hatte.
Nun kurvt er mit seinem kleinen Fiat durch die Gegend und hat endlich etwas, worauf er stolz sein kann. Ausser auf Steffi, natürlich. Deren Fotos hängen immer noch in seinem Zimmer bei Tante Irma. Jetzt selbstverständlich umrahmt von den süssen Söhnen und Ehemann Andre Agassi.
Monica Seles hat nach dem Attentat nie wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden. Seit 2003 bestritt sie kein Turnier mehr. Sie wird im Dezember 32. Wendelin Gabrysch
PdA
Schweizer Kommunisten.
Bis in die 1970er Jahre gehörte die Partei der Arbeit (PdA) zum exotischen Charme der Romandie. Vor allem Deutschschweizer wunderten sich immer wieder, dass eine notorisch sowjetfreundliche Partei in der französischen Schweiz, wenn auch nicht gerade als salonfähig galt, so doch als geduldete Oppositionspartei im Vorzimmer der Macht sitzen durfte.
1945 gründeten Erben der verbotenen Kommunistischen Partei und welsche Linkssozialisten um den Genfer Volkstribun Léon Nicole eine neue Partei, die sich in einigen Kantonen als PdA, in anderen als POP (Parti ouvrier et populaire) bezeichnete. Die Partei verstand sich als antikapitalistisch, verzichtete aber auf die Etikette «kommunistisch», da sie neben den Arbeitern auch Kleinbauern und Gewerbetreibende hinter sich scharen wollte.
In den ersten Wahlen der Nachkriegsjahre, als die Partei vom Nimbus der Sowjetunion als Siegerin über Nazideutschland profitieren konnte, marschierte die PdA in Genf, Waadt und Neuenburg, aber auch in einigen Deutschschweizer Städten wie Basel und Zürich, in die politischen Institutionen. Bei den eidgenössischen Wahlen 1947 brachte sie es auf sieben Sitze im Nationalrat. Doch der Ausbruch des Kalten Kriegs setzte dem Strohfeuer ein rasches Ende. Eine einigermassen ernst zu nehmende politische Kraft blieb die PdA nur noch in der welschen Schweiz. Doch auch hier bröckelte ihre Basis immer mehr ab. Heute hat sie nur noch eine Hochburg: die Waadt, wo sie zwei Nationalräte stellt. In Genf ist sie aus dem Grossen Rat geflogen, im Neuenburger Jura allerdings ist sie wieder im Kommen. Mittelfristig hofft sie, zusammen mit anderen Gruppierungen links der SP wieder eine antikapitalistische linke Bewegung auf die Beine stellen zu können. Der Waadtländer PdA-Nationalrat Josef Zisyadis ist überzeugt, dass angesichts des neoliberalen Mainstreams eine solche Bewegung Zukunft hat. Christophe Büchi
Perpetuum mobile
Unmögliche Energiemaschine.
Seit dem Altertum träumen Erfinder vom Perpetuum mobile: einer Maschine, die sich - einmal in Gang gesetzt - ohne Energiezufuhr ewig weiterbewegt und dabei auch noch Energie erzeugt.
Obwohl es eine solche Wundermaschine nach physikalischen Gesetzen nie geben kann, basteln Tüftler bis heute daran. Die zwei Gesetze, die ihnen im Weg stehen, sind das Energieerhaltungsgesetz und der zweite Hauptsatz der Thermodynamik: Es kann keine Energie aus nichts entstehen, und die Umgebungswärme lässt sich nicht beliebig zur Energieerzeugung nutzen.
Doch von physikalischen Gesetzen lassen sich Perpetuum-mobile-Konstrukteure nicht beeindrucken. Felix Würth aus Mönchengladbach glaubt etwa, mit einem «Leistungsverstärkungsgetriebe» aus Fliehkraft Energie gewinnen zu können, und das US-Unternehmen Entropy Systems bot zur Jahrtausendwende eine «Entropie-Maschine» für 70 000 Dollar an. Rainer Kayser
Pest
Gefürchtete Seuche im Mittelalter.
Von 1347 bis 1353 wütete in Europa eine schreckliche Seuche, die 25 Millionen Menschenleben, einen Drittel der Bevölkerung, forderte. Die Seuche war um 1330 in Zentralasien ausgebrochen und mit dem Schiffsverkehr erst zu den Hafenstädten Konstantinopel, Kairo und Messina und schliesslich auf dem Landweg auch nach Frankreich, Deutschland und Skandinavien gelangt.
Im Laufe der Jahrhunderte kam es immer wieder zu regionalen Pestepidemien. So wurde die Stadt St. Gallen zwischen 1500 und 1640 vierzehn Mal von der Pest heimgesucht. Die letzte europäische Epidemie ereignete sich 1771 in Moskau.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts löschte in Asien eine grosse Pest nochmals 12 Millionen Menschenleben aus. Während dieser Pandemie gelang es 1894 Alexandre Yersin in Hongkong, als Krankheitserreger das Bakterium Yersinia pestis zu isolieren. Und zwei Jahre später konnten Forscher in Bombay nachweisen, dass sich die Krankheit durch den Biss des Rattenflohs von pestkranken Ratten auf den Menschen überträgt.
Dabei ist der Mensch als Wirt für den Floh nur eine Notlösung, wenn der Grossteil der Ratten durch die Pest bereits verendet ist. Durch Infektion der Lymphknoten entwickeln sich beim pestkranken Menschen faustgrosse und durch innere Blutungen blauschwarz gefärbte Beulen am Körper. Nach einer Infektion des Blutes und schliesslich der Lungen gibt der Pestkranke die Bakterien durch Husten an seine Umgebung weiter.
Die Pestbakterien leben auch heute noch in Asien, Afrika und Amerika in Wildpopulationen von Nagetieren wie Präriehunden, Erdhörnchen und Murmeltieren. In Nordamerika erkranken zuweilen Jäger an der Pest, und 1980 infizierte sich dort eine Frau mit dem Bakterium, nachdem sie mit dem Rasenmäher ein verseuchtes Eichhörnchen zerhackt hatte. Bei frühzeitiger Diagnose lässt sich heute eine Pesterkrankung mit Antibiotika meist gut behandeln. In den Entwicklungsländern allerdings fordert die Pest auch heute noch Tote. So meldete die WHO von 1979 bis 1994 in über 20 Ländern insgesamt mehr als 1500 Pestopfer. Seit Februar 2005 breitet sich im Kongo eine Pestepidemie aus, der bereits mehr als 60 Menschen erlagen.
Angst macht die Pest heute vor allem als biologischer Kampfstoff. Zusammen mit Erregern wie Milzbrandbakterien und Pocken- und Ebolaviren gehören die Pestbakterien zu den als «dreckiges Dutzend» gefürchteten zwölf gefährlichsten potentiellen Biowaffen. Die Pest als Biowaffe hat bereits Tradition: 1346 verteidigten die Krimtataren ihre Hafenstadt Kaffa, indem sie Pestleichen über die Mauern vor die Füsse der Belagerer warfen. Und 1940 löste die japanische Armee mit Hilfe von pestverseuchten Flöhen in China etliche lokale Pestausbrüche aus. Herbert Cerutti
Pille für den Mann
Gleichberechtigtes Verhütungsmittel.
Die Männer wären bereit: Von 2000, die im Jahr 2000 befragt wurden, können sich zwei Drittel vorstellen, hormonell zu verhüten. Wo bleibt die Pille für den Mann?
Jeden Tag Millionen von Spermien zu unterdrücken, ist komplizierter, als ein einziges Ei pro Monat am Einnisten zu hindern. Theoretisch lässt zwar eine Überdosis Testosteron die Spermienproduktion versiegen. Doch bei ersten Versuchen in den 1980er Jahren stellte sich heraus, dass diese Methode nicht bei allen Männern wirkt. Ausserdem muss Testosteron gespritzt werden: geschluckt verdaut es der Magen.
Die Pharmafirmen Schering und Organon setzen auf eine Hormonkombination: sie führen Tests durch, für die sich 350 Männer ein Gestagen-Stäbchen in den Oberarm implantieren liessen. Dieses Hormon hemmt die Testosteronproduktion, so dass keine Spermien heranreifen. Doch weil Testosteron auch die Laune, den Muskelaufbau und die Libido reguliert, bekommen die Männer zudem alle paar Wochen künstliches Testosteron gespritzt. Das Verhütungsmittel soll etwa 2009 auf den Markt kommen.
Weil die hormonelle Sterilisation auf Zeit so umständlich ist, geht die Suche nach einem einfacheren Weg weiter. Ein Labor in den USA forscht mit einem altbekannten Medikament gegen Bluthochdruck, bei dem Unfruchtbarkeit eine Nebenwirkung ist. Tierversuche laufen mit Zuckern, die dem Spermium vorgaukeln, auf der Ei-Oberfläche angekommen zu sein, oder mit Impfungen, die das Immunsystem gegen Proteine der Spermienreifung rüsten.
Viel einfacher könnten mechanische Verfahren sein: Wärme macht Spermien den Garaus. Doch warme Sitzbäder, wie das «Zürcher Hodenbaden» der 1980er Jahre, setzten sich nie durch. Weniger aufwendig wäre es, die Samenleiter zu verstopfen, statt wie bei der Unterbindung zu kappen. In Asien laufen mehrere Versuche mit Samenstoppern aus Kunststoff oder Silikon; ein indisches Produkt steht kurz vor der Marktreife.
Vorreiter an der männlichen Verhütungsfront ist das bevölkerungsreiche China, wo die Pille für die Frau wenig verbreitet ist. Seit 1983 liessen sich 300 000 Chinesen die Samenleiter verstöpseln, und bei einem Versuch mit 1000 Paaren sorgt eine monatliche Spritze mit künstlichem Testosteron dafür, dass der Liebesakt ohne Folgen bleibt. Beate Kittl
Rowe, Djamila
«Botschaftsluder», kostete Thomas Borer den Job und Ringier Millionen.
Ostern 2002 berichtete der «Sonntagsblick» von einem Verhältnis des Schweizer Botschafters Thomas Borer mit der Berliner Visagistin Djamila Rowe. Borer verlor darauf sein Amt als Botschafter und verklagte Ringier. Er einigte sich schliesslich aussergerichtlich mit dem Verlag und soll 2,2 Millionen Franken Wiedergutmachung erhalten haben.
Ich treffe Djamila Rowe, 38, mittags beim In-Italiener «Ciao Ciao» am Kurfürstendamm. Sie trägt dunkelblaue Victoria-Beckham-Jeans, ein braunes Langarmshirt mit Glitzerschriftzug, darüber ein braunes Strickcape, elegante Stiefel. Auf ihrer zweifach operierten Stupsnase sitzt eine bordeauxfarbene XXL-Sonnenbrille von Christian Dior - in ihrem Schoss Mops Rufus.
«Frau Rowe, wie geht es Ihnen?»
«Ich bin ganz zufrieden, leide nicht unter Depressionen im Moment, aber ich bin jetzt auch nicht euphorisch. Ich lebe in Berlin mit meinem Verlobten, meinem Sohn und meinem Mops Rufus in einer 6-Zimmer-Wohnung. Der Medienrummel ist nicht mehr so extrem wie vor drei Jahren. Teilweise belagern mich noch Teenager und wollen Autogramme. Aber ich nutze den Medienrummel und bin dankbar für das, was ich mache.»
«Was machen Sie denn?»
«Ich drehe jeden Monat einige Fernsehbeiträge. Davon lebe ich.»
«Hatten Sie ein Verhältnis mit Herrn Borer?»
«Zum Thema Borer sage ich nichts.»
«Hat Herr Borer Sie damals bezahlt, damit Sie nichts sagen?»
«Fragen Sie ihn doch mal.»
«Haben Sie noch Kontakt zu ihm?»
«Keinen Kontakt mehr, null Kontakt.»
«Haben Sie ihn nie wieder getroffen?»
«Doch, einmal habe ich ihn in einem Berliner Restaurant gesehen, aber wir haben uns nicht gegrüsst.»
«Was gefällt Ihnen noch an der Schweiz?»
«Die Männer finde ich äusserst charmant. Ich mag den Dialekt, wie sie sprechen und so. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele schöne Männer auf einem Haufen gesehen!»
«Waren Sie mal wieder auf einem Fest der Schweizer Botschaft?»
«Nein, man lädt mich ja nicht mehr ein, ich versteh gar nicht, warum (lacht). Früher wurde ich hin und wieder mal eingeladen, jetzt nicht. Neuer Botschafter, neue Sitten.» Alexandra Wenning
Rubik’s Cube
Spielzeug aus Ungarn.
Er gehört zu den permanenten Ausstellungsstücken des New Yorker Museum of Modern Art. Er brachte seinem Erfinder einen Eintrag in den Oxford English Dictionary. 1982 widmete die ungarische Post ihm eine eigene Briefmarke: Rubik’s Cube, der Knobelwürfel, den der ungarische Architekt Erno Rubik 1974 erfunden hatte.
2005 erlebt er nun eine unerwartete Renaissance. Die Würfelbegeisterten fanden im Internet zusammen und tauschten Lösungen aus. Die Nachfrage habe sich in diesem Jahr auf über vier Millionen verkaufte Exemplare weltweit verdoppelt, heisst es beim Hersteller des Rubik’s Cube, SevenTowns. Seit 1980 die ersten Würfel aus Ungarn exportiert wurden, haben sie sich 300 Millionen Mal verkauft. Das Puzzle ist damit neben Monopoly und Lego eines der meistverkauften Spielzeuge der Welt.
Als Rubik’s Cube 1982 in Mode kam, knobelten die Leute in Bussen, Schulen und Büros. Ein 12-Jähriger wurde mit seinem Lösungsbuch «You Can Do the Cube» berühmt, und der US-Fernsehsender ABC strahlte die Serie «Rubik, the Amazing Cube Hour» aus. Heute sind es die Meisterschaften, die Aufsehen erregen. Überall auf der Welt treffen sich junge Leute und versuchen, den Würfel so schnell wie möglich farblich zu sortieren. Der Weltrekord liegt bei 11,75 Sekunden (Durchschnitt aus fünf Durchläufen). Jean Pons, 20, ein Student aus Frankreich, stellte ihn im Oktober bei den Dutch Open in Amsterdam auf. Rubik selbst brauchte 1975 über einen Monat, um den ersten Prototyp zu lösen. Der Vater von vier Kindern lebt mit seiner zweiten Frau noch immer in Budapest, arbeitet jedoch nur noch sporadisch als Architekt. Dass die magische Anziehungskraft seines Würfelrätsels ihn einmal reich machen würde (wie reich genau, behält Rubik für sich), habe er ebenso wenig erwartet wie den Fall des Eisernen Vorhangs, sagte er kürzlich in einem seiner seltenen Interviews. «Manchmal hat man einfach Glück. Dann ist der Würfel gelöst, und man hat keine Ahnung, wie’s passiert ist.» Stefanie Friedhoff
Rust, Mathias
«Kremlflieger», landete 1987 mit seiner Cessna auf dem Roten Platz in Moskau.
E-Mail vom 20. September 2005
Sehr geehrter Herr Rust! Ich würde gern wissen, was Sie heute machen. Ich habe über Ihre Organisation «Orion and Isis» gelesen, werde aber nicht ganz schlau. Ein Telefonat würde helfen. Haben Sie Zeit? Ich würde mich freuen! Gruss, Johanna Adorján
E-Mail vom 26. September 2005
Sehr geehrte Frau Adorján, ich danke für Ihre Interviewanfrage. Möchte aber darauf hinweisen, dass ich keine kostenfreien Interviews mehr gebe. Sollten Sie weiterhin an einem Gespräch mit mir interessiert sein, bitte ich Sie, mir ein entsprechendes finanzielles Angebot zu unterbreiten. Gruss, Mathias Rust
E-Mail vom 27. September 2005
Sehr geehrter Herr Rust, vielen Dank für Ihre Antwort - ein kurzes Telefonat würde reichen. Ohne Erklärung wirkt «Orion and Isis» verwirrend. Ich wüsste gern mehr. Gruss, Johanna Adorján
E-Mail vom 6. Oktober 2005
Sehr geehrter Herr Rust, Sie mailten ja bereits, dass Sie keine kostenfreien Interviews geben - wie viel würde denn ein fünfminütiges Telefonat kosten? 100 Euro? Gruss, Johanna Adorján
E-Mail vom 12. Oktober 2005
Sehr geehrter Herr Rust, auf meine letzte Mail haben Sie nicht geantwortet. Erlauben Sie mir, Ihnen ein paar Fragen zu stellen - um Missverständnissen vorzubeugen.
1. Aus Ihrer Homepage geht hervor, dass Sie es sich zur Aufgabe gemacht haben, Lösungen für Krisenherde zu finden, um so für Weltfrieden zu sorgen. Wie sieht die Arbeit aus?
2. Gibt es konkrete Ergebnisse? Oder eins?
3. Angeblich hat die Organisation 25 Mitglieder, darunter auch mehrere Nobelpreisträger. Warum sind diese anonym?
4. Warum wird auf die Anonymität so viel Wert gelegt, dass selbst innerhalb der Organisation laut Selbstauskunft niemand weiss, wer sonst noch mitarbeitet?
5. Muss ich ein internationaler Krisenherd sein, um Ihre Dienste in Anspruch zu nehmen - oder kann ich mich auch als Privatperson mit meinen Problemen an «Orion and Isis» wenden, so sie «religiöser, ethnischer oder internationaler Natur» sind, wie es in der Beschreibung Ihres Aufgabengebietes heisst?
6. Wovon leben Sie?
Ich wäre dankbar für eine Antwort. Gruss, Johanna Adorján
E-Mail vom 14.Oktober 2005
Herr Rust, wie viel Geld hätten Sie denn gern? Johanna Adorján
E-Mail vom 18. Oktober 2005
Herr Rust? Hallo?
E-Mail vom 23. Oktober 2005
Sehr geehrte Frau Adorján,
ich danke Ihnen für Ihre erneute Anfrage, möchte Ihnen aber mitteilen, dass ich weder über die Tätigkeit von «Orion and Isis» sprechen möchte noch über mein Privatleben. Die Gründe hierfür sind nicht diskutabel. Gruss, Mathias Rust
Schlauchbeutelmilch
Milch in ökologisch korrekter Verpackung.
In Schweizer Haushalten stehen sie noch immer im Küchenschrank, die ovalen weissen Plasticbehälter für 1-Liter-Milch-Packungen aus Polyethylen. Unbenutzt. Denn das dazugehörende Produkt gibt es kaum mehr: die Milch im Schlauchbeutel. Anfangs schien alles für den Beutel zu sprechen. Seine Ökobilanz war mit 5 sogenannten Umweltbelastungspunkten hervorragend, Konkurrent Tetrapak brachte es seinerzeit auf katastrophale 16.
Aus «ökologischen Gründen» subventionierten deshalb die Grossverteiler jeden Liter Milch im Schlauchbeutel mit fünf Rappen. Weitere Vorteile des Beutels: Er liess sich - einmal leer - platzsparend entsorgen. Kein Wunder, dass das zeitgleiche Aufkommen von Kehrichtsackgebühren in vielen Schweizer Gemeinden den Höhenflug der Schlauchmilch zusätzlich beflügelte. 1993 verkauften die Grossverteiler fast jeden dritten Liter Frischmilch im Beutel, in den Städten liess sogar jeder zweite Konsument die Milch im Tetrapak links liegen.
Heute gilt statt Umweltschutz Convenience: Das ist das neue Zauberwort im Lebensmittelhandel. Und in Sachen Benutzerfreundlichkeit hatte die Milch im weissen Schlauch immer schon leichte Schwächen. Mehrmals sorgten Qualitätsmängel für schlechte Presse. Langsam ging es mit dem Schlauchbeutel abwärts. Immer mehr Händler kippten ihn aus dem Sortiment oder verbannten ihn in hässliche Plastic-Kisten am unteren Rand der Kühltheke.
Letztes Jahr gingen landesweit nur noch zwei Prozent der verkauften Frischmilch in einem Schlauchbeutel über den Ladentisch. Christoph Zimmer
Schwyter, Annemarie
Erste Auslandkorrespondentin im Schweizer Fernsehen.
«Ich bin Jahrgang 1922, ein Fossil, da können Sie sich denken, dass ich nicht mehr viel zu tun habe.» Sie spiele Klavier und male. Von 1950 bis 1960 war Annemarie Schwyter als Auslandkorrespondentin des Schweizer Fernsehens in Madrid stationiert. Von dort aus berichtete sie über Spanien, Portugal und Nordafrika. Spanisch lernte sie vor Ort, ebenso den Umgang mit der Diktatur: Pressefreiheit gab es nicht, die Nachrichten mussten mühsam zusammengesucht werden. Den Champagner für Francos Todestag hielt sie gekühlt bereit, bis 1975 «endlich die Korken flogen».
Annemarie Schwyter lebt heute abwechselnd in Zürich und in ihrem Haus an der Costa Brava. Einen Mann, sagt sie, «habe ich schon mal gehabt». Gudrun Sachse