NZZ Folio 09/93 - Thema: Arbeit   Inhaltsverzeichnis

Carte blanche -- über land

Von Kurt Marti

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festzurrend (mein ich) die unruh im kopf und auto-autisten die schulter zeigend die warme (der sonne sei dank: im hades heisst es wärme sie nicht mehr) geh ich fürbass ja ja: fürbass warum nicht: fürbass?
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fahren macht fahrig gehen ist besser nur nicht zu hastig zu langsam ebenfalls nicht kein falsches tempo hügel und hunde könnten argwöhnisch werden - und so denn mit inwendig ach gedanken auswendig längst geläufig fürbass
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ein wölklein zerfasert ein zweites kriegt flossen heuwender tuckern aus stämmen guckt wald - wie sagte a. neulich? «natur - welch romantischer irrtum!» viehhüter umfrieden hochleistungskühe (künstlich gezeugt künstlich besamt)
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dort drüben neben dem steinbruch eine kleine dächerversammlung und hier zwei silberpappeln und ich der fürbass: sonst eher ungern mit mir zusammen im moment aber doch - unterm blauen segel da oben - beinah mich duldend beinah versöhnlich kuhaugenruhe im kopf

lockt gehrhythmusrausch oder wähn ich zu finden was nicht gesucht werden kann? der schädel hat zu glühen begonnen eine hecke fällt auf aus feld- wird grasweg über halmen und klee zwei lila falter: flügelnder free jazz verrückte loopings
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asphaltband anmutig um hügelschultern gelegt unermüdlich schaut von der höhe eine linde ins land das seinerseits unermüdlich die linde beschaut: land und linde (hätten sie augen) auge in aug - und hinzugedacht (natura est fabula): eine lerche winzig werdend im blau
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fürbass ja über land ja an scheunenwänden und trafohäuschen anzeigen lesend: militär bietet auf oder zivilschutz schwingfeste viehschauen gäbs theater mit anschliessend tanz junge rockbands treten in alten gasthöfen auf hie und da wird gestorben - über blaufernem gebirge kleine stockwolken jetzt (wattig watteau rokoko) hühner im schatten des nussbaums durchs gattertor holpert ein traktor auf die strasse hinaus auf dem anhängewagen kunstdünger- säcke der fahrer nickt einen gruss
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schöne neue apfelbaumwelt (niederwuchs gen-gezwergt) eine krähe reglos im feld ganz majestät ganz gier - die weite landschaft schwenkt walddunkle fahnen im freundlichen biswind sonne schwatzt auf die haut ein von schuhsohlen bröselt asphaltgetrockneter kuhdung unten durchs tal rauscht ein zug
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ausgerupft abgeerntet ein kirschbaum am weg noch lehnt die leiter am stamm - einst war ich im kommen nun bin ich im gehen (solo fürbass) ein pferd schaut mir nach
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müllmuldenrest (ablagerungen verbo- ten!) was führt ein toyota im schilde der - als spähte der fahrer aus - geräuschlos hinrollt am waldrand? eine badewanne verrostet im feld behutsam senkt sich das wiesen- gelände ein sägewerk unten am bach steht still ist verlassen - schon bieten trottoirs sich an eine ortschaft lässt bitten spätnachmittag jetzt
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geruch von geranien und teer im wirtshausgarten kein gast umsonst rot die tische die stühle sperlinge hüpfen - ach guck mal: vor der sparkasse reichen notar und makler einander die hand teure heimat ach ja immer teurer die autos starten gen westen kupferlicht nun ein knabe betritt die dorfpapeterie
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stadt wieder schwitzende schatten perpetuum automobile und flüchtig die frage: wie gehts? o danke es geht geht ganz gut geht über land


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