Als «Königstrunk» lobte Shakespeare den vergorenen Gerstensaft. Und Heinrich Heine dichtete: «Ebenfalls, so schäumet hier, geist- und phantasieanregend, holder Bock, das beste Bier.»
Wer nach dichterischen Lobpreisungen des Bieres sucht, muss ziemlich weit zurückblättern, was allerdings nicht heissen will, die Dichter jüngerer Zeit hätten das Bier gemieden. Nur schreiben wollten sie darüber nicht. Denn auch unter ihnen galt offensichtlich vor allem der Wein als fein.
Wein wird beschnüffelt, mit schnalzender Zunge genossen, wortreich kommentiert oder gar besungen. Bier hingegen trinkt sich fast von selbst, und der erste - kräftige - Schluck ist stets der beste. Wein ist ein Landwirtschaftsprodukt, er kommt aus so herrlichen Gegenden wie dem Burgund, der Toscana oder dem Napa Valley. Bier dagegen ist seit der Industrialisierung ein Erzeugnis von getreidesiedenden Fabriken mit meist urbanen Standorten, zum Beispiel Zürich, Dortmund oder Kopenhagen.
In der Hierarchie der Getränke stand das Bier denn auch bald einmal auf dem selben Platz wie die Kartoffel bei den Nahrungsmitteln: Beliebt war es zwar, doch ohne viel Prestige; ein Getränk für Stumpenraucher, Strassenarbeiter, Stammtischproleten. Und in der Schweiz wurde dieses Image noch zementiert durch ein rigoroses Kartell, mit dem die Brauer ihren eigenen Markt bis ins ins letzte Detail reglementierten: von der Produktepalette (ein Lager, ein Spez, ein Dunkles und allenfalls noch ein Festbier) über die Preise bis hin zur Flaschengrösse.
Doch jetzt ist der Damm gebrochen. Aus dem Ausland schwappt in hohen Wogen neues Bier ins Land, und auch der heimische Biermarkt treibt neue Blüten. Und siehe da: Bier ist mit einemmal im Trend, so wie es gerade eben noch der Champagner war. In der In-Bar wird am Vollmond- oder Tekkno-Bier gemümmelt, der Kenner labt sich in der Hausbrauerei am Zwickelbier. Nicht immer, aber immer öfter.
Nur modischer Schaum? Ach geh! Der erste, längst fällige Schritt zur Rehabilitierung eines, wie auch die Beiträge in diesem Heft zeigen mögen, masslos unterschätzen Saftes.