Vom motorisierten Hochstand für Jäger zum musizierenden Präservativ - über die eine und andere Denkwürdigkeit zu berichten hatten wir an dieser Stelle schon Gelegenheit. Bei unserer jüngsten Expedition in den Dschungel der Patentschriften nun stiessen wir nicht nur auf die «Elektrisch heizbare Schweissmuffe», den «Radialkolbenhohlwellenmotor» und das «Friktionsfalschdrallaggregat».
Wir informierten uns nicht nur über das neue «Verfahren zum Alarmieren der Bevölkerung mittels elektronischer 200-Hertz-Alarmsirenen» und die ebenso neue «Vorrichtung zur koaxial zentrierten Halterung eines kreiszylindrischen Innenteils in einem rohrförmigen Aussenteil». Und wir erfuhren nicht nur von der «Antikonzeption bei weiblichen Primaten ohne Beeinflussung des menstruellen Zyklus», wobei wir sachlich-nüchtern daran erinnert wurden, dass unter Primaten «gemäss üblicher Definition Halbaffen, Affen und Menschen zu verstehen» sind.
Nein, unter all diesen segensreichen Neuerungen fielen uns einige Erfindungen gerade darum auf, weil wir sie längst zu kennen glaubten - von der Leiter über die Jasskarten bis zum Ding, das uns die Patentschrift CH 683 235 A5 Int. Cl. A47J 43/10 unter dem schlicht-vertrauten Titel «Handschneebesen als Küchengerät» vorstellt.
Welcher Leser, welche Leserin hat damit nicht schon verzweifelt bearbeitet, was sich hartnäckig weigerte, eine Mayonnaise oder Sauce Hollandaise zu werden? Oder wütend auf den angeblich schlagbaren Rahm eingedroschen, während die Glace schon auf dem Teller vor sich hinschmolz?
Vielleicht lag das Problem ja tatsächlich nur dort, wo der neue Besen Abhilfe verspricht, im «Winkel zwischen der Bodenfläche und der seitlichen Topfwand» des Gefässes, in dem das zu Schlagende sich befindet. Das Gerät ist nämlich dadurch gekennzeichnet, «dass die Drahtschlaufen an ihren stirnseitig umgebogenen Enden mindestens ein geradlinig verlaufendes Längenteil aufweisen».
Dies im Gegensatz zu den herkömmlichen Handschneebesen, deren Schlaufen rund oder oval sind. Darum sind sie, so die Patentschrift, «wirksam nur in Schalen oder Töpfen mit kegelförmigem Boden». Der Ehrgeiz der Neuentwicklung liegt darin, dass Saucen auch in Töpfen mit flachem Boden «einwandfrei hergestellt werden können».
Der Rest ist Geometrie und Physik. In einem Winkel von 30 bis 60 Grad zur Mittelachse des Griffes verlaufen die Längenteile der Drahtschlaufen des Schneebesens, der damit auch noch in den hintersten Winkel dringt - und wenn's mit der Mayonnaise selbst dann nicht klappen sollte, hält die Erfindung einen handgelenkschonenden Trost bereit: Anstelle des Handgriffs zieht sie ein Kupplungsstück für einen elektrischen Antrieb in Erwägung . . .