Akademisches Viertel Veranstaltungen, die mit c. t. (cum tempore = mit Zeit) angeschrieben sind, beginnen eine Viertelstunde später. Der Brauch stammt angeblich aus der Zeit, als die einzige Uhr der Stadt am Kirchturm hing und Studenten eine Viertelstunde brauchten, um nach dem Ertönen des Glockengeläuts in die Vorlesung zu eilen. Bis heute beginnen viele Vorlesungen in der Schweiz 15 Minuten später als angegeben. Im Ausland gilt zumeist s. t. (sine tempore = ohne Zeit), dann heisst 12 Uhr wirklich 12 Uhr.
Alma mater lat. nährende Mutter; nostalgische Bezeichnung für die Universität aus einer Zeit, als Professoren und Studenten in der Hochschule nicht nur lehrten und lernten, sondern auch lebten.
Bachelor (B. A.) engl. junger Ritter niederen Standes, Junggeselle; der Bachelor of Arts ist der niedrigste Uni-Abschluss in den anglo-amerikanischen Ländern – und bald auch europaweit ( — > Bologna). Für den B. A. muss man drei Jahre studieren.
Blockveranstaltung Eine Lehrveranstaltung, die nicht über die gesamte Dauer eines — > Semesters, sondern «en bloc», oft am Wochenende, stattfindet.
Bologna Stadt in Norditalien; im Bildungszusammenhang Synonym für den durch die EU-Mitgliedstaaten im Juni 1999 initiierten Beschluss, bis 2010 ein einheitliches Hochschulsystem einzuführen. — > Magister und — > Diplom werden ersetzt durch die anglo-amerikanischen Abschlüsse — > Bachelor und — > Master. Straff organisierte Lehrpläne sollen zügiges Studieren fördern.
Campus lat. Feld; bezeichnet das Universitätsgelände. Eines der wenigen universitären Worte aus dem englischen Sprachraum (on campus), die auch in Europa geläufig sind.
Cum laude Doktoranden werden lateinisch benotet: summa cum laude (mit höchstem Lob, entspricht 5.50 bis 6.00 auf der Schweizer Notenskala), häufiger zu finden ist magna cum laude (mit grossem Lob, 5.00 bis 5.49), cum laude (mit Lob, 4.50 bis 4.99) oder gar bloss rite (in ordnungsgemässer Weise, 4.00 bis 4.99). Ungenügend wird in nüchternem Deutsch vergeben.
Dekan lat. Führer von zehn Mann; der Fakultätspräsident einer Hochschule, sein Büro ist das Dekanat.
Diplom lat. Urkunde; der universitäre Abschluss der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und teilweise der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. In andern Fakultäten heisst der Abschluss — > Lizentiat.
Dissertation lat. Erörterung; schriftlicher Teil der Doktorarbeit, in der im Rahmen einer — > Promotion (neue) Forschungsergebnisse publiziert werden, hernach folgt eine mündliche Prüfung (Disputation) .
ECT-Punkte Die Punkte des «European Credit Transfer»-Systems ermöglichen die länderübergreifende einheitliche Anrechnung von Studienleistungen, eine Folge von — > Bologna.
Fachhochschulen Praxisorientierte, verschulte Studiengänge mit kürzerer Studienzeit. Die Berufsmatur ermöglicht den Zugang zur Fachhochschule.
Fakultät lat. Fähigkeit, Wissensgebiet; Abteilung, die zusammengehörende Wissenschaften umfasst, z. B. Philosophische Fakultät.
Gaudeamus igitur lat. freuen wir uns also; studentisches Trinklied nach Christian Wilhelm Kindleben (1781). Lange in Vergessenheit geraten, erlebt das Lied heute eine Renaissance als Klingelton für Mobiltelefone.
Habilitation lat. habilis, fähig; die höchste akademische Prüfung, berechtigt zur universitären Lehre. Heute ein umstrittener Titel, da es ihn im anglo-amerikanischen Universitätssystem nicht gibt.
Handapparat Zusammenstellung wissenschaftlicher Literatur und Kopiervorlagen für ein — > Seminar. Die Unterlagen sollen handlich und leicht zugänglich sein. Regel: Die wichtigen Unterlagen fehlen meistens.
Immatrikulieren lat. in ein Verzeichnis eintragen; die Einschreibung in die Studierendenliste einer Hochschule. Bei ausbleibenden Leistungen oder nicht gezahlten Studiengebühren erfolgt die Exmatrikulation.
Kolloquium lat. Unterredung; das wissenschaftliche Gespräch zwischen Hochschullehrer und Studenten. Findet oft nachmittags um halb fünf statt.
Kommilitone lat. Waffenbruder; bezeichnet einen Mitstudierenden. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter, als Studenten mit einem Degen bewaffnet zu den wenigen europäischen Universitäten reisten. Ihre Waffen trugen die Studenten ständig auf sich, auch während der Vorlesung. 1514 bestätigte ihnen der Erlass von Kaiser Maximilian dieses exklusive akademische Recht zur Bewaffnung.
Lehrstuhl Planstelle für eine Professur an der Universität.
Lizentiat (lic.) lat. Erlaubnis; wissenschaftlicher Abschluss in der Theologischen, Rechtswissenschaftlichen, Philosophischen und teilweise auch Wirtschaftswissenschaftlichen — > Fakultät . Siehe auch — > Diplom.
Magister artium (M. A.) lat. Meister der Künste; universitärer Abschluss, vor allem üblich in den häufig als brotlose Kunst belächelten Geisteswissenschaften. In der Antike waren mit den «artes liberales» tatsächlich die Wissenschaften gemeint, deren Studium nicht dem Broterwerb diente. Schon Goethes Faust klagte über die Bedeutungslosigkeit der universitären Titel («Heisse Magister, heisse Doktor gar / Und ziehe schon an die zehen Jahr / Herauf, herab und quer und krumm / Meine Schüler an der Nase herum»). Fast 200 Jahre später wird nun im Zug von — > Bologna der Magistertitel beerdigt.
Master (M. A.) Der Master of Arts soll nach Bologna den — > Magister ersetzen. Der Einstieg in den ein- bis zweijährigen Master-Studiengang setzt ein abgeschlossenes Erststudium voraus (zum Beispiel — > Bachelor).
MBA Master of Business Administration. Populäre Zusatzausbildung in Betriebswirtschaft. Bewerber müssen ein Hochschulstudium und Berufserfahrung vorweisen. Gemein ist allen MBA-Studien das Versprechen eines Karriereschubs und die hohen Kosten.
Mensa lat. Tisch; die Kantine der Hochschule.
Numerus Clausus lat. geschlossene Zahl; der Numerus clausus (auch N. C.) bezeichnet eine Beschränkung der zu vergebenden Plätze innerhalb eines Studiengangs. Die Kandidatenauswahl erfolgt anhand der Maturanote.
Ordentliche/Ausserordentliche Professur Universitätsprofessoren, die einen — > Lehrstuhl innehaben, werden in älterem Sprachgebrauch als ordentliche Professoren bezeichnet, Universitätsprofessoren ohne festen Lehrstuhl als ausserordentliche. Der Witz dazu: Ein ordentlicher Professor leistet nichts Ausserordentliches, ein ausserordentlicher nichts Ordentliches.
Ph. D. Doctor of Philosophy, im anglo-amerikanischen Studiensystem die ungefähre Entsprechung des deutschen Doktors der Wissenschaften. Ph. D. gilt besonders für Natur- und Geisteswissenschaften. In der Medizin gilt der M. D. (Medical Doctor), der wiederum durch eine wissenschaftliche — > Dissertation mit einem Ph. D. ergänzt werden kann.
Phil. I., Phil. II. Kurzform für die Geistes- (I) und Naturwissenschaften (II). Seit Ende der 90er Jahre werden die — > Fakultäten beim Namen genannt: Theologische, Rechtswissenschaftliche, Wirtschaftswissenschaftliche, Medizinische, Veterinärmedzinische, Philosophische und Mathematisch-Naturwissenschaftliche.
Privatdozent Akademische Bezeichnung eines Wissenschafters nach der — > Habilitation, wenn ihm die Lehrbefähigung zuerkannt und die Lehrbefugnis verliehen worden ist. Häufig freiberuflich für einen Hungerlohn an der Hochschule tätig.
Promotion lat. promovere, befördern; die Verleihung der Doktorwürde.
Propädeutikum griech. Vorunterricht; nicht jeder angehende Mediziner weiss, dass Auskultation Abhorchen heisst, nicht jeder Erstsemestler der Neueren Geschichte verbindet den Reichsdeputationshauptschluss mit Napoleon. Damit die Studienanfänger möglichst alle eine Sprache sprechen, gibt es vor Beginn einiger Studiengänge Einführungskurse. Das Propädeutikum funktioniert auch als Vorauslese in gefragten Studiengängen.
Semester lat. semestris, sechsmonatig; Studienhalbjahr an der Hochschule, darin sind die Semesterferien (vorlesungsfreie Zeit) inbegriffen.
Seminar lat. Baumschule; universitäre Lehrveranstaltung in kleineren Gruppen.
Studentenwitz lat. studens, eifrig Bemühter; althochdt. wizzi, Wissen. Warum stehen die Studenten um sechs auf? Weil die Läden um sieben schliessen.
Tenure Track engl. Weg zur Festanstellung, System der Nachwuchsförderung in den USA. Kandidaten bekommen nach der Doktorarbeit, einem Auslandaufenthalt und einer Evaluation die Gelegenheit, sechs Jahre als Assistenzprofessoren unabhängig zu forschen. Bewähren sie sich, werden sie als Professoren angestellt.
Testat lat. testari, bezeugen; für erfolgreich besuchte Veranstaltungen erhält man ein Testat, das für die Zulassung zu Prüfungen benötigt wird.
Tutor, Tutorat lat. tueri, schützen; wer in der Vorlesung nichts versteht, dem bleibt das Tutorat. Die universitäre Nachhilfe in Kleingruppen. Studenten aus höheren — > Semestern, die Tutoren, wiederholen, erklären und verdienen sich etwas dazu.
Über-, Mittel-, Unterbau Statusgruppen an der Universität. Professoren regieren im Überbau, den akademischen Mittelstand bilden Assistenten und — > Privatdozenten; im Unterbau schaffen Sekretärinnen und Hilfskräfte.
Zwischenprüfung Halbzeit im Studium. Wer die Zwischenprüfung (Vordiplomprüfung) besteht, schliesst das Grundstudium ab und wechselt ins Hauptstudium.