Shop


 Audio


NZZ Folio 08/06 - Thema: Lügen   Inhaltsverzeichnis

Vereinsleben -- Hitzeschlacht

Von Mikael Krogerus

Paolo Paris, Sie sind der einzige Schweizer Teilnehmer an der Sauna-WM in Finnland vom 4. bis 8. August. Rechnen Sie sich Chancen aus?

Durchaus, ich hoffe, dieses Jahr den Final zu erreichen.

Wo liegen Ihre Stärken?

Ich fühle mich gut, mit meinen 61 Jahren verfüge ich über eine grosse Erfahrung. Und ich bin optimal vorbereitet. Drei Wochen war ich mit dem Sauna-
Club Lahti im Trainingslager in Finnland.

Warum trainieren Sie mit einem finnischen Verein?

Ich habe versucht, in der Schweiz einen Verein zu gründen, aber unter Wettkampfbedingungen verliessen die meisten Aspiranten nach zwei Minuten die Sauna – so kann man nicht trainieren.

Und alleine dürfen Sie keinen Verein gründen…

Richtig, deshalb suche ich Mitstreiter.

Für Interessierte, wie sind die Regeln?

Man sitzt jeweils zu sechst bei 110 Grad in einer Sauna – alle 30 Sekunden gibt es einen Aufguss, löyly auf finnisch.

Sind alle nackt?

Nein, man trägt Badehosen.

Ihr Trick, wenn die Hitze unerträglich wird?

Es gibt keine Tricks, man muss einfach durchhalten. Das Schlimmste ist übrigens nicht die Hitze, sondern die Dampfluft, die durch die Aufgüsse entsteht. Wer bei 110 Grad zu schnell atmet, verbrennt sich die Lippen, und wenn Dampf in die Lungen dringt, bleibt Ihnen die Luft weg.

Wie lange sitzen die Besten in der Sauna?

Die Favoriten sind Finnen, Leo Pusa und Timo Kaukonen. Die sind eine Liga für sich, im Final sitzen die beiden locker 14 Minuten in der Hitze.

Was macht sie so stark?

Es sind Ausnahmetalente mit einer hervorragenden Atemtechnik. Ausserdem sind sie klein gebaut, etwa 1 Meter 65, das ist ein Vorteil, denn je höher der Kopf, desto heisser die Luft.

Gibt es Zuschauer?

Gewiss, in der Sauna ist eine Kamera, die das Leiden direkt auf eine Grossleinwand überträgt. Die Zuschauer können den Schmerz an den Gesichtern ablesen.

Info: P. Paris, Enzberghöhe 17, 5073 Gipf-Oberfrick


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.