NZZ Folio 11/93 - Thema: Kurden   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Schnupftabak

Von Peter Haffner

Schnupftabak

NICHT IMMER mag der Raucher Tabak in Brand stecken. «The Gentle Art of Smoking», wie Alfred H. Dunhill seine Fibel über die Sünden mit der Lady Nicotiana genannt hat, verlangt vor allem Zeit. Wo diese fehlt, da bietet sich statt der grundsätzlich zu meidenden «eiligen» Zigarette eine Genussform an, die zu Unrecht etwas aus der Mode gekommen ist: der Schnupftabak. Frühmorgens und nüchtern konsumiert, vollbringt das Pulver wahre Wunder, weckt und stärkt die Lebensgeister einer frischen Brise gleich. Fast alle Schnupftabake sind stark mit Menthol versetzt; wer das nicht mag, ist beispielsweise mit Hedges' Klassiker «The Snuff» aus Birmingham gut bedient.

Richtiges Tabakschnupfen erheischt etwas Geschicklichkeit, und es ist ratsam, die stilvollste Art - nämlich die Prise in jene kleine Mulde zu legen, die sich an der Basis des abgewinkelten Daumens neben dem Handgelenk bildet - vor dem Spiegel zu üben, bevor man sich in die Öffentlichkeit wagt. Dann aber darf man etwaigen Verächtern dieser Kunst getrost Coleridge entgegenhalten, der im Tabakschnupfen den «eigentlichen Zweck der menschlichen Nase» sah.


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