Reimer Vandervlugt, Sie sind Präsident des Vereins Gladius et Codex. Was machen Sie da?
Wir befassen uns mit historischen europäischen Kampfkünsten, vor allem mit dem Schwertkampf. Gladius ist lateinisch für Schwert …
… und Codex heisst Buch. Was hat das zu bedeuten?
Da keine Anleitungen mehr existieren, interpretieren wir Texte aus dem Spätmittelalter. Darin sind die Kampftechniken zumindest ausschnittweise erwähnt, oft sogar in Reimen. Manchmal sind die Beschreibungen einfach – dein Gegner macht das, mach du das –, manchmal recht komplex.Wir diskutieren, was gemeint sein könnte, und probieren es aus. Wir schauen, ob unsere Interpretationen mit der körperlichen und martialischen Logik übereinstimmen, bis wir zum Punkt kommen: Okay, so könnte es gewesen sein.
Unterscheidet sich der alte Schwertkampf stark vom heutigen Fechten?
O ja, es ist eine Kombination aus Stechen und Hauen, es sind ja zweischneidige Waffen. Ihr Gewicht spielt natürlich eine grosse Rolle.
Die Schwerter sind sehr schwer, oder?
Ein Anderthalbhänder wiegt anderthalb Kilo. Zum Trainieren benutzen wir Holzschwerter, wegen der Sicherheit und der Kosten. Nicht alle Mitglieder können sich ein Stahlschwert leisten, die sind recht teuer, und gute sind schwierig zu finden.
Ist es gefährlich?
Nein. Wir gehen nicht auf vollen Körperkontakt. Das Training ist nicht darauf gerichtet, den andern zu treffen, sondern das Verständnis dafür zu kriegen, wie es früher funktioniert hat.
Was ist der Reiz an der Sache?
Eine ausgestorbene Kampfkunst wiederzuentdecken. Nicht nur zu kämpfen, sondern sich auch intellektuell mit dieser alten Kampfkunst zu befassen.
Tragen Sie Rüstungen?
Nein, Sportkleidung und, bei gewissen Übungen, Fechtmaske und Schutzhandschuhe. Wir sind keine Schaukampftruppe, sondern machen das nur für uns. Wie heisst es schon wieder? Der Weg ist das Ziel. So sehen wir das.
www.gladiusetcodex.ch